30.06.2009 · Der Stellenabbau bei Hugendubel und Habel weist auf größere Schwierigkeiten der Branche hin. Die Umsätze im Buchhandel sinken, nur das Internet gewinnt. Trost für inhabergeführte Geschäfte in Rhein-Main: Woanders ist der Wettbewerb noch härter.
Von Manfred KöhlerIn Königstein ist die Welt noch in Ordnung. Die einzige Buchhandlung am Ort ist freundlich eingerichtet, gut sortiert – und inhabergeführt. Die Filialisten haben das Taunusstädtchen noch nicht für sich entdeckt. Doch ist das längst eine Ausnahme. Buch Habel etwa betreibt in der Region Geschäfte in Darmstadt, Wiesbaden und Neu-Isenburg, die weitaus größere Buchhandelskette Hugendubel ist zweimal in Frankfurt vertreten, am Steinweg und im Hessen-Center. Thalia ist ebenso wie Habel in Darmstadt und Wiesbaden zu finden, außerdem noch in Offenbach, Hanau und im Frankfurter Nordwestzentrum. Es ist in gewisser Weise ein ungleicher Kampf. Auch wenn sich die Verkaufspreise wegen der Buchpreisbindung nicht unterscheiden – die Ketten können bei den Verlagen besondere Preisnachlässe aushandeln. Solche Größenvorteile wiederum helfen ihnen, Mieten in den Toplagen der großen Innenstädte zu finanzieren, aus denen inhabergeführte Geschäfte längst verschwunden sind.
Nun aber sind es mit Habel und Hugendubel ausgerechnet zwei dieser Handelsketten, die mit einem beträchtlichen Stellenabbau von sich reden machen. Allein bei Habel soll ein Drittel der Stellen wegfallen. Warum das? Klaus Feld, Geschäftsführer des Landesverbands des Börsenverein des Deutschen Buchhandels, zeigt sich darüber etwas überrascht, einerseits – vor allem über die Größenordnung des Stellenabbaus. Andererseits gibt er aber zu bedenken: „Der inhabergeführte Buchhandel hat das Personal schon längst heruntergefahren.“
Abwanderung ins Internet
Tatsächlich ist in der Branche schon länger Schmalhans Küchenmeister. Seit 2004 stiegen die Umsätze in Deutschland nach Angaben des Börsenvereins um höchstens ein Prozent, nur 2007 fiel mit einem Plus von 3,4 Prozent positiv auf. Nun aber wird das Buchgeschäft auch noch von der Krise getroffen. Nach Darstellung des Börsenvereins lagen die Umsätze zwischen Januar und Mai 2009 um 1,9 Prozent niedriger als im gleichen Zeitraum 2008. In diese Berechnungen sind alle Vertriebswege eingeflossen – auch das Internet. Blickt man allein auf die Buchhandlungen, trübt sich das Bild noch mehr ein. Das Statistische Landesamt meldet für die hessischen Buchhandlungen für das erste Quartal 2009 sogar um 4,9 Prozent niedrigere Umsätze als im ersten Quartal 2008. Allein damit, dass das Ostergeschäft dieses Jahr in den April fiel, lässt sich das kaum erklären.
Inhabergeführte Geschäfte wie auch Ketten trifft die Abwanderung ins Internet. Zwar dominieren nach wie vor die klassischen Buchhandlungen, doch hat der Versandhandel mitsamt Internet in den vergangenen Jahr langsam, aber stetig Marktanteile gewonnen. Zusammen kamen beide Vertriebswege 2007 auf 12,6 Prozent; 2003 waren es noch 9,4 Prozent gewesen. Umgekehrt ging der Anteil der Sortimentsbuchhandlungen von 56,5 auf 53,6 Prozent zurück.
Konkurrenzkampf
Börsenverein-Geschäftsführer Feld fürchtet denn auch angesichts der Krise weitere Schließungen inhabergeführter Geschäfte – etwa solcher Betriebe, die bisher „durch Selbstausbeutung überlebt haben“. Auch das wäre freilich keine Neuigkeit. Allein von 2002 bis 2008 sank die Zahl der beim Börsenverein registrierten Buchhandlungen in Hessen von 441 auf 382 – inhabergeführte Geschäfte und Filialen von großen Ketten zusammengerechnet.
Dabei ist die doppelte Bedrohung der inhabergeführten Geschäfte durch das Internet einerseits und die großen Ketten andererseits in Hessen sogar noch etwas weniger ausgeprägt als in anderen Bundesländern. Unter Amazon leiden zwar alle – aber die Handelsketten sind in Hessen bisher zurückhaltender aufgetreten als anderswo. Weitaus heftiger tobt der Konkurrenzkampf in Bayern, wo Hugendubel in München seinen Sitz hat, in Nordrhein-Westfalen, wo in den vergangenen Jahren die Mayersche Buchhandlung aus Aachen stark expandierte, und in Baden-Württemberg. In die Frankfurter Innenstadt hat sich nach Hugendubel noch keiner der großen Filialisten vorgewagt, nicht einmal die Kette Thalia aus Hagen, die in den vergangenen Jahren sonst kaum eine Gelegenheit ausließ, ein neues Geschäft zu eröffnen.
Keine Illusionen
Wie wird die Buchhandlung der Zukunft aussehen? Viel ist von Spezialisierung die Rede. Das Einschlagen der anderen Richtung, die Hereinnahme neuer Produkte, fällt vielen inhabergeführten Geschäften schon wegen der beschränkten Ladenfläche schwer, wie Feld zu bedenken gibt. Bei Hugendubel und Habel, beide im Besitz der gleichen Holding, heißt es, der Erlebnischarakter der Geschäfte solle erhöht, das Sortiment stärker auf Unterhaltung, Kinderbuch und das Segment „Besser leben“ ausgerichtet werden. Sonst macht man sich auch bei diesen beiden Ketten keine Illusionen über die Lage: „Eine Erholung ist weder in diesem Jahr noch in kommenden Jahren in Sicht.“