13.04.2011 · Zweiter Anlauf nach schlechtem Start; Ikea und Bien-Zenker legen in Wiesbaden den Grundstein für acht weitere Reihenhäuser.
Von Ewald Hetrodt, Wiesbaden„Sehr negative Zeilen“ musste Solveig Heil, Vertriebschefin des Fertighausbauers Bien-Zenker, im vergangenen Jahr über das Produkt lesen, das sie an den Mann bringen soll. Anfang 2010 hatte das Schlüchterner Unternehmen der Öffentlichkeit gemeinsam mit dem Möbelkonzern Ikea Häuser der Marke „Boklok“ vorgestellt.
Doch die Stiftung Warentest meldete sich umgehend mit einem geradezu vernichtenden „Schnelltest“ zu Wort, der seine Wirkung nicht verfehlte. Um das Geschäft in Gang zu bringen, unternahmen Bien-Zenker und Ikea am Dienstag einen zweiten Anlauf. Im Wiesbadener Stadtteil Auringen legten sie den Grundstein für acht Reihenhäuser.
Vier Reihenhäuser seien inzwischen verkauft
Wer dort einzieht, hat zwar Schwierigkeiten, an einem massiven, sechsstöckigen Wohnblock in der Nachbarschaft vorbeizuschauen. Aber er ist schon in ein paar Minuten im Grünen. Mit dem Auto benötigt man eine gute Viertelstunde bis ins Wiesbadener Stadtzentrum.
Vier Reihenhäuser seien inzwischen verkauft, berichtete Heil am Dienstag. Und sie rechnet schon bald mit weiteren Kunden. Denn wenn es erst einmal eine Baustelle gebe, auf der sich etwas bewege, steige erfahrungsgemäß auch das Interesse. Das in Holzbauweise gefertigte „Boklok“-Reihenhaus gibt es in unterschiedlichen Varianten. Wohnkomfort auf drei Etagen und 111 Quadratmetern verspricht das Modell „Fryken“. Der Preis liegt bei 204.500 Euro. „Immeln“ verfügt über 134 Quadratmeter Wohnfläche und kostet 256.500 Euro. Einen Keller gibt es nicht. Dafür ist aber ein Gartenhaus im Preis inbegriffen. Auch der Autostellplatz vor der Tür, Anschlussgebühren und das Grundstück sind inklusive. Im Spätsommer sollen die Häuser bezugsfertig sein.
Pläne in Hofheim und Nürnberg erst einmal zu den Akten gelegt
Dieselben Modelle entstehen im neuen Offenbacher Wohngebiet „An den Eichen“. Allerdings sind sie dort etwas kleiner als im Nordosten der Landeshauptstadt. 84 Quadratmeter „Fryken“ kosten 179.500 Euro. Für 102 Quadratmeter „Immeln“ werden 219.000 Euro verlangt. In Offenbach sind außer den Reihenhäusern auch Wohnungen geplant. Die kleinste ist 50 Quadratmeter groß und mit 99.500 Euro veranschlagt.
Wolfgang Fuchs, zuständiger Vorstand von Bien-Zenker, rechnet damit, dass in Offenbach nach Ostern die ersten Kaufverträge abgeschlossen werden. Danach beginne man mit dem Bau. Die ursprünglichen Pläne für Hofheim und Nürnberg wurden erst einmal zu den Akten gelegt.
Freie Wahl beim Stromversorger
In Skandinavien und Großbritannien habe man bereits 4000 „Boklok“-Häuser verkauft, berichtete die Sprecherin der Ikea-Zentrale in Hofheim. Die Publikationen der Stiftung Warentest seien „natürlich nicht nützlich“ gewesen. Dass es hierzulande „Verzögerungen“ gegeben habe, führt sie aber auch auf mentale Unterschiede zurück. Während beispielsweise Schweden oder Engländer Häuser kurz entschlossen kauften oder verkauften, sei Eigentum für die Deutschen „ein sehr ernstes Thema“. Dies scheint insbesondere dann zu gelten, wenn als seriös geltende Institutionen dringend abrieten. So hatte die Stiftung Warentest im Mai 2010 beispielsweise bemängelt, dass man in die Wände keine Nägel einschlagen könne. Fuchs bekräftigte gestern, dass dies nicht zutreffe. Als deutscher Lizenznehmer baue Bien-Zenker zwar nach den Plänen der Schweden. Aber das Unternehmen setze die Wände ein, die es selbst seit Jahren produziere. Darum könne man selbstverständlich auch in die „Boklok“-Wände Nägel einschlagen und Dübel einsetzen.
Fuchs sagte, dass die Stiftung Warentest sich kein Musterhaus, sondern nur die technischen Baubeschreibungen und Musterverträge angesehen habe. Sowohl das Schlüchterner Unternehmen als auch die Berliner Verbraucherschützer beklagten am Dienstag, dass die andere Seite nicht kooperiere. Immerhin hat Bien-Zenker die vertraglichen Modalitäten teilweise geändert. So sollten die Hauskäufer ihren Strom ursprünglich einem bestimmten Versorger abnehmen. Künftig können sie frei wählen. Außerdem gibt es bis zu 1000 Euro Rabatt – wenn man auch die Möbel von Ikea nimmt.
Schlimmer Architekur...
Hans Glück (hansglueck)
- 13.04.2011, 13:41 Uhr