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Reaktion auf Arznei-Sparpaket Mittelständler stoppt Neubau nach Rösler-Plänen

29.03.2010 ·  Noch sind Teile des Sparpakets von Bundesgesundheitsminister Rösler nicht in Kraft, schon reagieren mittelständische Arzneimittelhersteller in Rhein-Main auf das Vorhaben. Eine Firma legt ein Neubauvorhaben für Entwicklung und Produktion auf Eis.

Von Thorsten Winter
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Noch sind Teile des Sparpakets von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) nicht in Kraft, schon reagieren mittelständische Arzneimittelhersteller im Rhein-Main-Gebiet auf das Vorhaben. So hat Hennig Arzneimittel aus Flörsheim geplante Investitionen in neue Räume für Entwicklung und Produktion und „damit verbunden natürlich in neue Arbeitsplätze“ erst einmal gestoppt, wie Kai Schleenhain, geschäftsleitender Gesellschafter der 280 Mitarbeiter zählenden Firma, auf Anfrage sagte.

Das Familienunternehmen verdient sein Geld vor allem mit einem patentgeschützten Mittel gegen Schwindel und stellt Nachahmerarzneien (Generika) her. Es sieht es sich vom Sparpaket doppelt getroffen: Rösler will erstens den Zwangsrabatt, den Pharmafirmen den Krankenkassen für innovative Mittel auf den Abgabepreis an den Handel gewähren müssen, zum August von sechs auf 16 Prozent erhöhen; zweitens sollen die Arzneimittelpreise bis Ende 2013 auf dem Niveau vom August 2009 eingefroren werden.

Fast 60 Prozent weniger vor Zinsen und Steuern

„In dieser Zeit gibt es aber höhere Personalkosten, höhere Energiekosten, höhere Maschinenkosten oder höhere Rohstoffkosten“, gibt Schleenhain ebenso zu bedenken wie Stephan Travers, Geschäftsführer der Chemischen Fabrik Kreussler & Co. in Wiesbaden, die auch Arzneien herstellt. Wenn ein Produkt zehn Jahre patentgeschützt sei, decke der geplante Preisstopp beinahe den halben Produktlebenszyklus ab – also jene Zeit, in der ein Anbieter die Forschungskosten einspielt und Geld für Neuentwicklungen verdient.

Video: Warum Minister Rösler die Medikamentenpreise senken will

Als viel schlimmer erachtet Schleenhain nach eigenen Angaben indes, „dass sich Herr Rösler nicht die Mühe macht, teure von preisgünstigen Medikamenten zu differenzieren“. Im Fall des eigenen Medikaments gegen Schwindel werde der erhöhte Zwangsrabatt fällig, obwohl die Therapie mit dem Mittel nach einer Wirtschaftlichkeitsstudie unter dem Strich für die Kassen viel günstiger sei als eine Behandlung mit einem generischen Wirkstoff, der auch gegen Schwindel gegeben werde. Der erhöhte Zwangsrabatt werde voll auf das Betriebsergebnis durchschlagen; so werde Hennig 2011 vor Zinsen und Steuern wohl 57 Prozent weniger verdienen als zuletzt, so Schleenhain.

„Geld fehlt für klinische Studien“

„Mit einem nicht unwesentlichen Teil des Sortiments“ ist Kreussler von den Zwangsrabatten betroffen. Wie Travers sagte, kehrt der Preisnachlass auf das Niveau zurück, das zur Zeit der rot-grünen Koalition galt. Im Fall einer Salbe gegen Aften auf der Mundschleimhaut werde Kreussler 45 Cent Zwangsrabatt je Zehn-Gramm-Tube gewähren müssen – denn diese Einheit gehe für 2,80 Euro an den Großhandel. „Das tut schon weh“, meinte der Chef von 180 Beschäftigten und ergänzte: „Das Geld fehlt dann für klinische Studien für neue Arzneien.“ Dabei habe Kreussler seit 2003 schon 1,9 Millionen Euro an Zwangsrabatten gezahlt.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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