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Raumfahrt Südhessen hat den Mars im Blick

19.05.2008 ·  Die Sonde Mars-Express umkreist den Mars und überwacht die Landung des amerikanischen Raumfahrzeugs Phoenix auf dem Planeten. In Darmstadt werden die Daten ausgewertet.

Von Jan Schievenhövel
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Das europäische Satelliten-Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt wird zum ersten Mal der amerikanischen Raumfahrtagentur Nasa bei einer Landung auf dem Mars helfen. Wenn das amerikanische Raumfahrzeug „Phoenix“ auf dem Mars niedergeht, werden Experten im Kontrollzentrum den Flug verfolgen. Im Orbit des Mars kreist die Sonde „Mars-Express“ der europäischen Raumfahrtagentur Esa. Die Sonde werde als Relaisstation dienen, um Signale von Phoenix zur Erde zu funken, sagte Peter Schmitz, der stellvertretende Flugleiter für Mars-Express bei der Esa.

Bisher habe die Nasa der Esa bei deren Raumfahrten geholfen, sagte Paolo Ferri, Leiter der Planetenmissionen der Esa. In den vergangenen zehn Jahren habe die Esa Bodenstationen in Spanien und Australien und das Kontrollzentrum in Deutschland aufgebaut.

Übertragung mit 15 Minuten Verzögerung

Die Sonde Mars-Express werde als Relais gebraucht, weil das Landefahrzeug Phoenix nicht über genug Energie verfüge, um direkt zur Erde zu funken. Phoenix solle nahe am Nordpol des Mars ankommen. Dort gebe es wenig Sonnenlicht, aus dem sich Strom gewinnen lasse. Das Signal, dass Phoenix gelandet sei, werde um 1.54 Uhr in Darmstadt eintreffen, sagte Schmitz. Die Landung sei aber 15 Minuten vorher, so lange brauchten die Signale bis zur Erde. In „Echtzeit“ lasse sich der Flug und die Landung von Phoenix nicht verfolgen. Die Antennen von Mars-Express könnten nur entweder zum Mars oder zur Erde hin ausgerichtet werden. Die Sonde zeichne die Signale von Phoenix auf, richte ihre Antennen neu aus und funke dann erst die Daten weiter.

Die europäische Sonde werde die Signale zu der Nasa-Bodenstation „Goldstone“ in der Mojave-Wüste in Kalifornien senden. Denn von dort aus sei der Mars zum Zeitpunkt der Landung zu sehen. Die Antennen der Esa in Australien und Spanien lägen während der Landung im Funkschatten. Von den Parabolschüsseln der Nasa werde das Signal zuerst nach Darmstadt zur Esoc geleitet, um dort ausgewertet zu werden.

Erst dann übertrage man die Informationen zur Nasa zurück. Die Bodenstationen der Europäer kämen aber trotzdem zum Einsatz. Mars-Express werde die Landestelle noch fünfzehn Mal überfliegen und dabei wieder Signale übertragen, dann auch über die Antennen in Spanien und Australien. Phoenix solle drei Monate im Einsatz sein und auf der Marsoberfläche mit einer Baggerschaufel Bodenproben sammeln und sie analysieren.

Landung von „Polar Lander“ ein Misserfolg

Die Esa-Sonde sei nicht die einzige Relaisstation. Die Nasa habe zwei Sonden in der Umlaufbahn des Mars, die ebenfalls Daten weiterfunken sollten. Mars-Express diene als Reserve, falls eine der beiden amerikanischen Sonden ausfalle. Außerdem könne das Kontrollzentrum bei der Mission Erfahrung sammeln für eigene Raumfahrten in der Zukunft.

Ein Flug zum Mars sei immer ein schwieriges Unternehmen, sagte Ferri. 1971 habe die Sowjetunion den ersten Versuch unternommen, die Kapsel sei abgestürzt. Eine weitere sowjetische und eine amerikanische Mission in den siebziger Jahren seien erfolgreich verlaufen. In den achtziger Jahren habe es keine Flüge zum Mars gegeben, die man erst Ende der neunziger Jahre wiederaufgenommen habe. Im Dezember 1999 habe die Nasa mit dem „Mars Polar Lander“ schon einmal einen ähnlichen Versuch der Landung unternommen wie jetzt mit Phoenix, der im August 2007 gestartet sei. Der Polar Lander sei aber abgestürzt.

Nun hoffe man, mit der Hilfe aus Darmstadt den Flug besser kontrollieren zu können, sagte Ferri. Die Esa habe 2003 den „Beagle 2“ auf dem Mars landen lassen. Die Nasa habe 2004 zwei „Rover“, kleine Fahrzeuge zum Probensammeln, heil auf den Planeten gebracht. Beide Rover seien noch im Einsatz. Phoenix habe einige Instrumente an Bord, die schon beim Polar Lander eingesetzt werden sollten, etwa die Baggerschaufel für die Bodenproben.

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