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Ranstadt Druck auf den Mörder und seine Komplizen

01.09.2009 ·  Zehn Jahre nach dem Tod einer Achtjährigen bei Ranstadt in der Wetterau verstärkt die Polizei die Fahndung nach dem Täter und Mitwissern. Am Sportplatz der Ortschaft Bobenhausen haben sie ein großformatiges Plakat aufgestellt.

Von Wolfram Ahlers, Ranstadt
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Das fröhliche Kindergesicht steht in Kontrast zu den grellen roten Lettern, die das Porträt des Mädchens rahmen. Mit dem großformatigen Plakat, das Beamte der Wetterauer Polizei am Sportplatz der Ortschaft Bobenhausen bei Ranstadt aufgestellt haben, geht es den Ermittlern nicht so sehr darum, an ein ungesühntes Verbrechen zu erinnern. Vielmehr, sagt der Wetterauer Polizeidirektor Alexander König, solle dem unbekannten Täter und möglichen Mitwissern gezeigt werden, dass die Ermittler ihnen auch nach zehn Jahren weiter auf den Fersen sind: „Der Mörder soll die Tat nicht verdrängen können.“

Die Ermittler versprächen sich von dieser Aktion also, den Mörder psychisch unter Druck zu setzen. Gewählt hat die Polizei den Jahrestag des Verschwindens der damals acht Jahre alten Johanna Bohnacker auch, um in die Ermittlungen noch einmal neuen Schwung zu bringen. „Wir erhoffen uns weitere Hinweise“, sagt Willi Schwarz, Öffentlichkeitsreferent der Polizei.

Zuletzt in Sportplatz-Nähe gesehen

Die Wahl des Standorts für das Plakat, dass nach Angaben von Schwarz dort mehrere Wochen stehen soll, kommt nicht von ungefähr: Am frühen Abend des 2. September 1999 war die Schülerin in der Nähe des Sportplatzes das letzte Mal lebend gesehen worden. Schon wenige Stunden später begannen Suchaktionen, die mehrere Tage unter Beteiligung von Freiwilligen in einem größeren Umkreis fortgesetzt wurden. Die Nachforschungen blieben ebenso ohne Erfolg wie eine Vielzahl von Zeugenbefragungen. Gewissheit über das Schicksal brachte erst sieben Monate später der Fund eines Försters.

In einem Waldstück bei Alsfeld nahe der Autobahn Frankfurt–Kassel, fast 100 Kilometer entfernt vom Ort des Verschwindens, entdeckte der Förster Kleidungsstücke und Teile des Leichnams von Johanna. Was auf die Gewissheit des Verbrechens folgte, war und ist bis heute eines der aufwendigsten Ermittlungsverfahren der Wetterauer Polizei. Mehr als 1500 Hinweise sind nach Angaben von Schwarz bislang bearbeitet worden. Vieles wurde mehrfach ausgewertet, mit anderen Spuren verglichen. Es wurden Hypothesen aufgestellt und wieder verworfen. Bislang hat all das noch zu keiner erfolgversprechenden Spur geführt.

„Wir drehen jeden Stein nochmal um“

Gleichwohl lassen sich die Ermittler nicht entmutigen, wie Schwarz sagt. Sie setzen vor allem darauf, dass sich die kriminaltechnischen Methoden weiter verfeinern, dass sich also immer weiter zurückliegende Taten doch noch aufklären lassen. „Wir sind dabei, jeden Stein in den Ermittlungen noch einmal umzudrehen.“ Dabei setzen die Kriminologen in der Wetterau auch auf die Zusammenarbeit mit Fachkommissariaten und dem Bundeskriminalamt. Es kommen vermehrt auch Psychologen zum Einsatz. Aufgrund neuester Analysen sehen sich die Ermittler in Friedberg in ihrer Vermutung bestätigt, dass Johanna ihren Mörder gekannt haben dürfte.

Auch hat sich bei abermaliger Rekonstruktion herausgestellt, dass es sich mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht um einen Einzeltäter gehandelt hat. Sei es die Ermordung des Mädchens oder der Transport der Leiche in das abgelegene Waldstück – man müsse von Komplizen und Mitwissern ausgehen, heißt es. Nach neuesten Erkenntnissen wird auch eine Frau als Mittäterin und Mitwisserin nicht mehr ausgeschlossen. Bei drei umfangreichen Untersuchungen zum Abgleich von Finger- und Handabdrücken auf einem Klebeband, mit dem Johanna gefesselt worden war, hatte man ausschließlich Männer herangezogen.

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Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

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