26.11.2009 · Der wegen Steuerhinterziehung angeklagte Anwalt Wolski, Ehemann einer Richterin am Staatsgerichtshof, ist nach einem Selbstmordversuch möglicherweise nicht mehr verhandlungsfähig. Zu diesem Urteil ist ein Gutachter gekommen. „Ich habe das Gefühl, dass wir hier gefoppt werden“, meint der Richter.
Von Heidi Müller-Gerbes, DarmstadtDer Fortgang des Prozesses gegen Michael Wolski ist gefährdet. Der 61Jahre alte Rechtsanwalt, der sich seit Oktober vor der Wirtschaftsstrafkammer des Darmstädter Landgerichts wegen Steuerhinterziehung im Umfang von annähernd 2,6 Millionen Euro verantworten muss, befindet sich seit rund zwei Wochen in einer Wiesbadener Klinik.
Nach Angaben des vom Gericht bestellten psychiatrischen Sachverständigen Lothar Staudt hat Wolski am 3. November, unmittelbar nach einem Verhandlungstermin im Landgericht Darmstadt, einen Suizidversuch unternommen; er habe sich in seinem Haus in Neu-Isenburg Verletzungen zugefügt, die mit erheblichem Blutverlust verbunden gewesen seien.
Verfahren auch wegen Gattin von öffentlichem Interesse
Im Zusammenwirken mit einer Vorerkrankung und einer früheren Herzoperation sei ihm die weitere Verhandlung nicht zuzumuten. Vor der Anhörung des Sachverständigen hatte die Verteidigung gestern vergeblich beantragt, die Öffentlichkeit auszuschließen, um die Persönlichkeitsrechte des Angeklagten zu schützen. Von öffentlichem Interesse ist das Verfahren insbesondere, weil der Angeklagte mit Karin Wolski verheiratet ist, die zu den ranghöchsten Richterinnen im Land zählt. Gegen die Richterin am Hessischen Staatsgerichtshof und Vizepräsidentin des Frankfurter Verwaltungsgerichts wurde aber nicht wegen Steuerhinterziehung ermittelt.
Wolski hatte Anfang November lediglich zugegeben, „dem Thema Steuern bis zum Ende des Jahres 2004 nicht die nötige Beachtung geschenkt“ zu haben. In dem Zusammenhang entschuldigte er sich bei seiner Frau, die seine „Nachlässigkeiten“ in Steuerfragen „fast täglich zu spüren“ bekomme: „Ich habe sie immer im Glauben gelassen, alles sei in Ordnung, obwohl doch nichts in Ordnung war.“
Intime Beziehung im Spiel?
Dass er jahrelang weder Umsatz- noch Einkommensteuererklärungen abgegeben hat, begründete der Angeklagte mit seinem beruflichen Engagement für die Eheleute Ignaz und Margit C. Im Bemühen, den ihm drohenden wirtschaftlichen Ruin abzuwenden, habe er dem Paar und dessen Unternehmungen jahrelang seine ganze Kraft gewidmet.
In der Hauptverhandlung geht es unter anderem um die Frage, ob es sich bei den Zuwendungen der Margit C. an den Angeklagten um Honorarleistungen oder um Schenkungen handelt; Wolski soll zu der mehr als 30 Jahre älteren Frau in auch intimer Beziehung gestanden haben.