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Veröffentlicht: 01.01.2004, 20:30 Uhr

Polizei Hessen prüft Effizienz der Polizei-Reiterstaffeln

Talis ist fünf Jahre alt und erfolgreicher Mitarbeiter der Frankfurter Polizei. Der Warmblüter hat seinen Dienstsitz am Wendelsweg 128 in Sachsenhausen und teilt sich den Stall mit weiteren 19 Polizeipferden.

Talis ist fünf Jahre alt und erfolgreicher Mitarbeiter der Frankfurter Polizei. Der Warmblüter hat seinen Dienstsitz am Wendelsweg 128 in Sachsenhausen und teilt sich den Stall mit weiteren 19 Polizeipferden. Sein Ausbilder Frank Seemann schwärmt von den Qualitäten des rotbraunen Tieres: "Er besitzt ein optimales Nervenkostüm, so daß ihn auch bei schwierigen Einsätzen weder Böller noch Bierflaschen als Wurfgeschosse aus der Ruhe bringen."

Die Frankfurter Reiterstaffel ist die größte von vier Staffeln in Hessen; in Wiesbaden sind nur zwölf Pferdeboxen belegt, in Darmstadt und Kassel jeweils acht. Die Zukunft der insgesamt 48 hessischen Polizeipferde ist jedoch seit einigen Wochen ungewiß. Denn das Land muß sparen. Daher hat Innenminister Volker Bouffier (CDU) eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um die Effizienz der berittenen Einsatzgruppen zu überprüfen. Diskutiert werden nach Angaben von Ministeriumssprecher Michael Bußer alle erdenklichen Sparvarianten, die von der Zusammenlegung aller Staffeln an einem Ort bis zum generellen Verzicht auf Pferd und Reiter reichen.

Wie die tägliche Polizeiarbeit ohne das umweltfreundliche Transportmittel ablaufen soll, kann sich Lothar Bastian, Dienststellenleiter der Frankfurter Staffel, kaum vorstellen: "Es gibt Aufgaben, die nur von der Reiterstaffel optimal erfüllt werden." Dazu gehören für ihn besonders Prävention und Deeskalation. Seit dem 11. September 2001 hätten die meisten Reviere kaum noch Zeit für vorbeugende Maßnahmen, da sie für Objekt- und Personenschutz gebraucht würden. Diese Lücke schließe die Reiterstaffel, die in Wohngebieten Einbrecher verfolge und aus städtischen Parkanlagen Taschendiebe sowie Rauschgiftkonsumenten und -händler vertreibe. "Der entscheidende Aspekt ist hier klar das Pferd: der erhöhte Sitz des Polizisten verschafft ihm Überblick und gleichzeitig Respekt. Potentielle Täter werden so wirksam abgeschreckt."

Diese Ansicht teilt auch Polizeidirektor Gerhard Seitz aus München. Dort stehen täglich 36 Pferde für den Einsatz in ganz Bayern bereit. Daß sie erfolgreich sind, illustriert Seitz mit einem Beispiel: "Bei einem Fußballspiel im Olympiastadion wurde ein zehn Mann starkes Einsatzkommando von englischen Fans gegen einen Zaun gedrängt, isoliert und heftig attackiert." Nur die Polizei-Reiter hätten es geschafft, die Gewalttäter auseinanderzutreiben und die Kollegen zu sichern. Seitz schmunzelt: "Sogar ein Hooligan sucht das Weite, wenn ein ausgewachsenes Roß auf ihn zugaloppiert."

Die Frankfurter Polizei schätzt die Vorteile der Staffel ebenso, wenn es darum geht, große Menschenmengen unter Kontrolle zu halten. Bastian sagt: "Vier Reiter genügen, um in einem Stadion Ruhe zu schaffen." Auch bei Suchaktionen nach vermißten Personen in unwegsamem Gelände wirkten die speziell ausgebildeten Polizisten mit, da ein Reiter hier die Arbeit von zehn Polizisten leiste.

Zur Bewertung solcher Maßnahmen Effektivität und Effizienz in einen Topf zu werfen, dagegen spricht sich Jörg Stein, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei Hessen, aus: "Entweder ist die Reiterstaffel als polizeiliches Mittel wichtig oder nicht. Wenn sie wichtig ist, dann sind die Kosten gleichgültig." Das Thema innere Sicherheit dürfe nicht unter dem Gesichtspunkt des materiellen Aufwands verhandelt werden. Angemessen sei vielmehr eine Überprüfung des gesamten Polizeiapparates, um überflüssige Ausgaben zu verhindern.

Widerstand gegen die mögliche Auflösung der Reiterstaffel Frankfurt formiert sich nun auch in den Reihen der CDU. Die Sachsenhäuser CDU-Stadtverordnete Magrit Weißbach appellierte vergangene Woche an das hessische Innenministerium, das über die Zukunft der Reiterstaffeln entscheidet, den Standort Sachsenhausen zu erhalten. Die CDU-Fraktion habe gleichzeitig einen Antrag gestellt, in dem der Magistrat aufgefordert werde, sich bei der Landesregierung für den Verbleib der Reiterstaffel einzusetzen.

Dienststellenleiter Bastian setzt derweil auf unkonventionelle Methoden, um die Einnahmesituation der Reiterstaffel Frankfurt zu verbessern: Fünf Pferde privater Eigentümer sind mit den Tieren der Polizei untergebracht und werden gegen ein Entgelt von der Staffel gepflegt. Im Innenministerium meint man, daß bald über die Zukunft der Reiter entschieden werden müsse. Das letzte Wort hat dann der Innenminister. Vielleicht wird er ja doch noch Pferdepate wie sein Kollege in Stuttgart. (MAREN OTTEN)

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