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Veröffentlicht: 22.02.2017, 10:02 Uhr

Politiker-Dienstwagen Alle wollen Opel helfen – aber keinen Opel fahren

Für viele hessische Minister und Abgeordnete sind Autos aus Rüsselsheim die erste, aber nicht die letzte Liebe. Die meisten Dienstwagen stammen von anderen Herstellern.

von , Wiesbaden
© dpa Auch Bouffier fährt fremd: Der hessische Ministerpräsident setzt sich für Opel ein, durch das Land lässt er sich aber lieber im Audi kutschieren.

Der mögliche Verkauf von Opel an Peugeot ist in Hessen eine Staatsaffäre. Fast täglich macht sich Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) für den Erhalt der Arbeitsplätze in Rüsselsheim stark. Etwaige Veränderungen dürften nicht zu Lasten des hessischen Standorts gehen, stellte er schon am Tag der ersten Spekulationen fest. Außerdem befasst sich morgen der Landtag in einer von der CDU beantragten Aktuellen Stunde mit der Zukunft des Unternehmens. Die Debatte steht unter der Überschrift: „Hessen steht weiterhin fest an der Seite der Opel-Beschäftigten.“ So bekennen sich Regierungsmitglieder und Landtagsabgeordnete derzeit unisono zur Automarke mit dem Blitz – doch die wenigsten fahren auch einen Opel. Weder privat noch dienstlich. Die Fahrzeugflotte der Minister besteht ausschließlich aus dunklen Limousinen der Marken Audi, BMW und Mercedes.

Ralf Euler Folgen:

Von den rund 4000 Dienstfahrzeugen der hessischen Polizei ist laut Innenministerium immerhin jedes fünfte ein Opel, vor allem die Modelle Zafira und Insignia sind im Einsatz. Unter den 13 Hybrid- und Elektro-Dienstfahrzeugen im Fuhrpark des Umweltministeriums befindet sich hingegen kein einziger Opel. Die Entscheidung für Wagen von VW, Mitsubishi, Mercedes und BMW sei aufgrund von vergaberechtlichen Vorschriften gefallen, heißt es dort zur Entschuldigung. Aber immerhin seien von 2012 bis 2016 auch fünf Opel Ampera im Einsatz gewesen. Ein überzeugter Opelaner ist der Landesvorsitzende und wirtschaftspolitische Fraktionssprecher der Grünen, Kai Klose. „Wir fahren seit 2009 Opel, inzwischen den zweiten Insignia“, berichtet er. Mit diesem Modell habe bei dem Unternehmen das „Umparken im Kopf“ begonnen, sprich: der Versuch, die Marke neu zu erfinden, mit moderneren Autos und jüngerem Image. „Mit Opel fing alles an“, bekennt auch Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) – und verweist auf sein erstes Auto, einen C-Kadett, Baujahr 1979; es folgten zwei E-Kadetts.

Schöne Erinnerungen aus der Jugend

Die sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Kerstin Geis fährt nach vielen Jahren ganz ohne Auto jetzt einen Opel Corsa – und zwar nicht in erster Linie, weil das Opelwerk in ihrem Wahlkreis liegt, sondern vielmehr wegen des guten Preis-Leistungs-Verhältnisses und der Qualität des Wagens, wie sie sagt. Angesichts der Bedeutung der Automobilstandorte für Hessen könne man eigentlich erwarten, dass die Fahrzeugflotte der Landesregierung ganz selbstverständlich mit den heimischen Marken Opel und Volkswagen bestückt sein sollte und hessische Abgeordnete ihre Kaufentscheidung mit Blick auf die hessische Wirtschaft träfen, meint Geis. Ein Blick in die Tiefgarage des Landtags zeige aber leider, dass sie mit dieser Auffassung eine Minderheitenmeinung vertrete. „Die Regierung muss für ihre Fahrzeugflotte noch umparken.“

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Viele hessische Politiker verbinden mit der Marke Opel positive Erlebnisse, sind aus dem einen oder anderen Grund inzwischen aber auf andere Marken umgestiegen. Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) machte in einem Opel Kadett den Führerschein, ihr Amtsvorgänger Jörg-Uwe Hahn (FDP) war als junger Mann in einem Manta unterwegs. Oppositionsführer Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) erinnert sich an Kindertage auf der Rückbank eines gebraucht gekauften Opel Admiral seines Vaters. Der Heppenheimer SPD-Abgeordnete Norbert Schmitt fuhr als junger Mann einen 90 PS starken Opel Corsa, „und zwar bis zum Kilometerstand von 270.000 mit einem Motor und einer Kupplung“. Die „erste Liebe“ von Judith Lannert (CDU) war ein gebrauchter blauer C-Kadett, Anfang der achtziger Jahre für mühsam zusammengesparte 4990 Mark erstanden und dann fast fünf Jahre zur vollsten Zufriedenheit genutzt.

Notgedrungen auf Ford umgestiegen

Auch der Parlamentarische Geschäftsführer der Linkspartei, Hermann Schaus, kann sich noch gut an einen Kadett erinnern, den er von Ende der achtziger bis Mitte der neunziger Jahre fuhr. „Neuwagen, natürlich knallrot, 55 bis 60 PS.“ Dank einer Anhängerkupplung sei selbst ein Umzug kein Problem gewesen, und in den Urlaub ging es mit einem Wohnwagen am Heck. „Nur bei starken Steigungen in den Alpen wurde er immer langsamer.“ Später musste es wegen der Kinder dann ein Van sein, und da es den Zafira damals noch nicht gab, stieg Schaus 1996 notgedrungen auf einen Ford Galaxy um. „Ich würde wieder einen Opel kaufen“, sagt er heute, „aber am besten dann ein E-Auto.“

Auch der nordhessische SPD-Abgeordnete Timon Gremmels hat, obwohl sich in seinem Wahlkreis mit Baunatal der zweitgrößte VW-Standort befindet, eine Opel-Vergangenheit. Im Landtagswahlkampf 2008 sei er zehn Wochen lang mit einem Opel Zafira mit einem knallroten Y für die SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti unterwegs gewesen. Den Wagen hat der Sozialdemokrat als geräumiges Fahrzeug, bestens geeignet für Wahlkämpfe, in Erinnerung. Er habe sogar kurz mit dem Gedanken gespielt, das Kampagnenauto privat zu übernehmen. „Aber dann hätte ich mich in Baunatal nicht mehr blicken lassen können.“

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