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Veröffentlicht: 26.07.2016, 12:07 Uhr

Partnervermittlung Sorgt mit Krone fürs Herz

Jutta Prinzessin von Preußen will Partnersuchenden helfen. Prinzen hat sie aber keine im Angebot.

von Sabine Börchers, Mainz
© Marcus Kaufhold Für höhere Ansprüche: die Mainzer Partnervermittlerin Jutta Prinzessin von Preußen

An der Wand des Wohnzimmers hängt ein Ölgemälde Friedrichs des Großen. So ganz passt es nicht in die stilvoll und zugleich modern möblierte Wohnung, in der helle Zweisitzer auf teuren Teppichen stehen, ein Kronleuchter über dem Glastisch hängt und die Vasen üppig mit Pfingstrosen gefüllt sind. Das Bild ist keine reine Dekoration. Es ist ein Hinweis auf die Hausherrin. Friedrich II. von Preußen war der berühmteste Vorfahr ihres Mannes Michael Prinz von Preußen, der mit ihr 1966 als erster Vertreter des Hochadels in Europa eine Bürgerliche heiratete. Seitdem heißt Jutta, geborene Jörn, Prinzessin von Preußen.

Und sie behielt den Namen bei, als sie 1982 den Urenkel des letzten deutschen Kaisers verließ. Es sei doch ein schöner Name, sagt sie, als verstehe sie die Frage nach dem Warum zunächst nicht. Er sei ihr Kapital, fügt sie schließlich hinzu, das Einzige, das sie nach der Trennung und dem endgültigen Bruch mit dem Hause Hohenzollern mitgenommen habe.

Die Kunden sind nicht nur Ärzte und Bankvorstände 

Ihre Initialen PvP verwendet sie heute mit einem Krönchen darüber. Sie stehen nun für das Glück anderer. Seit fast einem Jahr betreibt die gebürtige Gießenerin unter dem Namen „von Preußen“ eine Partnervermittlung, wenn auch anfangs ohne den Segen ihrer beiden Töchter. Sie seien von der Idee wenig begeistert gewesen, weil sie um ihren guten Namen fürchteten. „Diese Tätigkeit hat keine Lobby“, sagt Preußen achselzuckend. Sie aber wollte, nachdem sie viele Jahre in den unterschiedlichsten Branchen angestellt war, nach Erreichen des Rentenalters frei sein und beruflich noch einmal etwas Neues probieren. „Ich habe privat schon immer gerne Leute verkuppelt, nun mache ich das eben professionell.“

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Ihr Name signalisiert eine gewisse Exklusivität. Einsame Herzen gibt es schließlich auch in den Villen und Penthäusern des Rhein-Main-Gebietes zuhauf. So zählen Bankvorstände, Ärzte, Immobilienmakler im Alter zwischen 50 und 75Jahren zu ihren Kunden, wie sie sagt, aber es ist durchaus auch die eine oder andere Kosmetikerin darunter. Der Fragebogen, den die Aspiranten ausfüllen müssen, führt bei den persönlichen Interessen neben Golf und Oper/Operette auch Gartenarbeit, Fußball und Hausarbeit auf.

Der Hochadel gehört nicht zum Kundenstamm

Nicht beruflicher Erfolg, sondern Niveau sei die Eintrittskarte in ihre Kundenkartei, hebt sie hervor. Das könne auch jemand haben, der keine Millionen auf dem Konto habe. Ihr Ziel ist es, sich von den üblichen Partnervermittlungen und den so beliebten Internet-Plattformen wie Parship und Elite-Partner abzuheben. Niveau erwartet sie daher nicht nur von ihren Klienten. „Wir wählen unsere Partnervorschläge sorgfältig aus. Der Kunde bekommt höchstens zwei in der Woche. Bei solchen Plattformen erhält jeder Dutzende Angebote“, erläutert sie. Mit ihrer Mitarbeiterin, die selbst seit 25 Jahren in dem Metier tätig ist und für sie die Klienten zu Hause besucht, um mit ihnen ihre Wünsche zu besprechen, nimmt sie sich viel Zeit für jeden. Telefonisch sind beide selbst am Wochenende zu erreichen. Wenn ein Partnervorschlag verschickt wird, dann kommt dieser nicht per E-Mail, sondern flattert in einem hübsch gefütterten Briefumschlag mit dem gekrönten Logo ins Haus.

Allerdings weckt der Name bisweilen auch zu hohe Erwartungen. Viele Frauen, die zu ihr kämen, träumten davon, einen Adeligen zu finden. „Sie denken häufig, ich würde Leute aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis vermitteln, aber das trenne ich strikt.“ Sie habe zwar auch adelige Kunden, aber niemanden aus dem Hochadel, verrät sie. Über alles weitere bewahrt sie Stillschweigen.

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