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Ohrenzeuge des Massakers Parham Shahidi, der Student aus Deutschland

17.04.2007 ·  Dass es an diesem Vormittag keinen Ausweg aus einem Nebengebäude der Norris Hall der Virginia-Tech-Universität gegeben hat, dürfte Parham Shahidi inzwischen als großes Glück begreifen. Denn ohne die versperrten Türen wäre er womöglich dem Amokschützen vor die Mündung gelaufen.

Von Rainer Schulze
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Als Parham Shahidi gegen zehn Uhr seine Vorlesung verlassen wollte, half kein Rütteln. „Die Türen waren verbarrikadiert.“ In der McBryde Hall, einem Nebengebäude der Norris Hall, hatte er eine Vorlesung für Maschinenbaustudenten gehört. In unmittelbarer Nähe spielte sich an diesem Morgen der schlimmste Amoklauf in der Geschichte der Vereinigten Staaten ab. Durch einen Nebenausgang verließ Shahidi das Gebäude und rief seine Eltern an. Draußen sah er Polizeiwagen und Männer in schusssicheren Westen, die sich der Norris Hall näherten. Erst nach und nach habe er realisiert, was da passiert sei. „Ich war mir der Dimension nicht bewusst.“

Sie sind acht von 26.000 Studenten, und alle sind wohlauf: Sechs Kommilitonen aus Darmstadt - vier Männer und zwei Frauen - sowie ein Student und eine Studentin aus Münster haben den Amoklauf von Blacksburg unbeschadet überstanden. Parham Shahidi (Foto privat) studiert an der Virginia Tech „Mechanical Engineering“, Maschinenbau. Im Mai wird er seinen Bachelor machen. Danach will er ein Masterstudium dranhängen, so gut gefällt es ihm hier. Auf das friedliche Klima lässt er nichts kommen. Die Universität sei hervorragend. Shahidi fühlt sich privilegiert: „Es ist eine Ehre, hier zu studieren.“ Die Stimmung sei offen und freundlich, das Lehrpersonal habe viel Zeit.

„Wir teilen eure Trauer“

Der 22 Jahre alte Deutsch-Iraner lebt seit zwei Semestern in Virginia. 19 Jahre seines Lebens verbrachte er in der Rhein-Main-Region. Nach dem Abitur studierte er an der Technischen Universität Darmstadt Maschinenbau. Als dort der Vizepräsident Reiner Anderl am Montagabend die Nachricht vom Amoklauf hörte, überprüfte er rasch seine E-Mails. „Ich habe von meinen Studenten Nachrichten bekommen, dass es ihnen gutgeht.“ Darmstadt und die Virginia Tech verbindet seit 2004 eine enge Partnerschaft. Studenten und Wissenschaftler der Fachbereiche Maschinenbau, Elektrotechnik und Informationstechnik, Informatik und Bauingenieurwesen nehmen an Austauschprogrammen teil. Beide Universitäten gehören dem Verbund „Pace“ an, in dem renommierte Universitäten wie das Massachusetts Institute of Technology (MIT), die University of Stanford und die Tokio University sowie Großkonzerne wie General Motors und Sun Microsystems zusammengeschlossen sind. Eng ist auch die Zusammenarbeit zwischen den Professoren. So können die deutschen Studenten in Amerika weiterhin Maschinenbau bei Reiner Anderl hören. Seine Video-Vorlesung wird nach Blacksburg übertragen. In Darmstadt studieren derzeit zwei Studenten der Virginia Tech. Seit dem Amoklauf werden sie psychologisch betreut.

In die Erleichterung über die unversehrten deutschen Studenten mischt sich in Darmstadt die Trauer um den getöteten Deutsch-Professor Jamie Bishop. Er hätte im Zuge der Partnerschaft bald nach Darmstadt kommen sollen. „Wir teilen eure Trauer und sind mit euch in dieser harten Zeit“, schreibt Anderl in einer Kondolenzbotschaft. Für Parham Shahidi und die anderen Deutschen entfallen am Tag nach dem Amoklauf alle Seminare. Der Betrieb an der Virginia Tech ruht, um 14 Uhr ging Shahidi zu einer Trauerfeier, an der auch der amerikanische Präsident teilnahm. Ob es in Studentenkreisen Gerüchte über den Täter und sein Motiv gebe? „Das ist gerade erst passiert. Wir müssen zunächst versuchen, damit klarzukommen.“

Quelle: F.A.Z., 18.04.2007, Nr. 90 / Seite 10
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Jahrgang 1978, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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