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Veröffentlicht: 01.01.2004, 20:34 Uhr

Offenbach Wolken gucken und Regen hören: Bekommt die Stadt einen "Wetterpfad"?

Die Stadt Offenbach will in Zusammenarbeit mit dem Planungsverband und dem Deutschen Wetterdienst auf dem in der Einflugschneise gelegenen Buchhügel bis 2005 einen "Wetterpfad" errichten. Nach Angaben des Planungsdezernenten Stephan Wildhirt (SPD) sollen hierfür 402000 Euro investiert werden.

Die Stadt Offenbach will in Zusammenarbeit mit dem Planungsverband und dem Deutschen Wetterdienst auf dem in der Einflugschneise gelegenen Buchhügel bis 2005 einen "Wetterpfad" errichten. Nach Angaben des Planungsdezernenten Stephan Wildhirt (SPD) sollen hierfür 402000 Euro investiert werden. Aus einem Programm der Europäischen Union kommen 201000 Euro, das Land Hessen beteiligt sich mit 76800 Euro und der Planungsverband mit fast 83000 Euro. Die Stadt zahlt 41400 Euro.

Wildhirt sieht in dem "Wetterpfad" einen guten Weg, Offenbach als "Wetterstadt" zu profilieren. Der Deutsche Wetterdienst, der hier seinen Sitz habe, stärke die Identität der Stadt. Durch den geplanten Neubau der Wetterdienstzentrale sei der Stadtort auf Dauer gesichert. Der "Wetterpfad", der sich vor allem an Schüler und Erwachsene richte, werde die "Attraktivität des Buchhügels als Erholungsraum steigern". Das gesamte Gebiet sei Teil des "Grünrings von Main zu Main" und des "Regionalparks". Mit dem sogenannten Goab-Garten und der Verlängerung der Puteaux-Promenade werde das Angebot vervollständigt. Für die Pflege des "Wetterpfads" ist laut Wildhirt die Stadt verantwortlich. Zur Höhe der jährlichen Kosten hierfür konnte der Dezernent keine Angaben machen.

Der "Wetterpfad" zwischen dem Tierheim an der Rheinstraße und dem Amerika-Wald an der Hölderlinstraße soll Wildhirt zufolge den Besuchern "Wetterphänomene anschaulich" vorführen. Große Steine zum Beispiel sollen "Sonne und Wärme" erlebbar machen. Wie es in der Magistratsvorlage heißt, spürt der Besucher die Erwärmung, wenn er sich auf die Steine setzt: "Die Erwärmung hängt mit der Sonneneinstrahlung und der unterschiedlichen Wärmespeicherfähigkeit des Materials zusammen." Auf "Dunst und Nebel" könne man im "Auenbereich" durch einen renaturierten Graben in der Nähe aufmerksam machen.

An einem Unterstand mit durchsichtigem Dach wolle man Regen "akustisch und visuell erfahrbar" werden lassen. Die Besucher könnten sich zudem in Hängematten aus Stahlgewebe legen und Wolkentypen "in poetischer Weise beobachten". Von einem Plateau aus sollen "Luft und Dunst" erkennbar werden, sobald der Besucher zu den Hochhäusern nach Frankfurt und in den Taunus schaut. Ein "Jahreszeiten-Garten" werde "die Verbindung des Wetters mit der Blühsaison einzelner Pflanzen" zeigen. In dem Platanenwald soll eine "Station" eingerichtet werden, um mit Hilfe technischer Geräte Natur und Wetter zu beobachten.

Die CDU-Fraktion hat unterdessen den geplanten "Wetterpfad" als Geldverschwendung kritisiert. In einer Mitteilung nennt Fraktionsvorsitzender Günther Hammann das Vorhaben einen "Schildbürgerstreich". Öffentliche Gelder würden zum Fenster hinausgeworfen. Jeder, der über Feld und Flur, durch den Spessart oder Taunus wandere, könne die genannten Wetterphänomene beobachten. Es sei mit dem gesunden Menschenverstand nicht nachzuvollziehen, warum man hierzu mehr als 400000 Euro ausgeben müsse.

Wildhirt machte bei der Vorstellung des Projekts zugleich deutlich, daß er weiterhin auf dem Buchhügel ein Gewerbegebiet errichten wolle. Anders als für das vom Darmstädter Regierungspräsidium wegen des Fluglärms untersagte und von der Regionalversammlung Südhessen abgelehnte neue Wohnviertel bedürfe die Stadt hierfür nicht der Zustimmung anderer Gremien.

Die Bürgerinitiative "Rettet den Buchhügel" sieht in der Absicht des Magistrats, dort nun ein Gewerbegebiet zu errichten, eine "Trotzreaktion". In einer Mitteilung spricht sich die Bürgerinitiative dafür aus, den Buchhügel vollständig zu erhalten. Falls es keine andere Möglichkeit gebe, den Ausbau des benachbarten Berufsschulzentrums zu finanzieren, könne auf dem freiwerdenden Gelände des Anzuchtgartens ein Gewerbegebiet entstehen. Diese Bebauung würde eine Fortsetzung der schon vorhandenen Gewerbebebauung am Spessartring bedeuten. Das Areal des Anzuchtgartens an der Rheinstraße solle aber nur dann in Betracht gezogen werden, wenn alle sonstigen Freiflächen für Gewerbe, zum Beispiel an der Waldstraße/Ecke Spessartring, im Stadtteil Bieber-Waldhof, im ehemaligen Hafen oder im Kaiserlei-Gebiet, bebaut seien und in den vorhandenen Gewerbeobjekten ein vernünftiger Mietstand erreicht worden sei.

Mit den Einnahmen aus dem Grundstücksverkauf für die zunächst geplante Reihenhaussiedlung wollte die Stadt die Erweiterung des Berufsschulzentrums finanzieren. Nun soll das Geld hierfür aus dem Verkauf von Gewerbegrundstücken auf dem Buchhügel kommen. (ajw.)

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