Vertreter der Stadt Offenbach und des Investors haben im Rathaus den Mietvertrag für das künftige Verwaltungszentrum "Stadthaus" an der Berliner Straße unterzeichnet. Für die Stadt unterschrieben den Vertrag Oberbürgermeister Gerhard Grandke und Bürgermeister Horst Schneider (beide SPD), der auch Bau- und Planungsdezernent ist. Wolfgang Dietz, Vorstandssprecher der Rheinischen Grundbesitz & Beteiligungs AG in Bensheim, leistete die Unterschrift für die "Tectum 23 Vermögensverwaltungs GmbH", eine Tochtergesellschaft, die das Haus vermietet. Die Stadt soll im August nächsten Jahres in das Gebäude einziehen.
In dem "Stadthaus", zu dem das ehemalige Kreishaus durch einen 13,5 Millionen Euro teuren Umbau verwandelt werden soll, mietet die Stadt für die Dauer von 20 Jahren zirka 8000 Quadratmeter Fläche, mehr als zwei Drittel des Büroraums, der dort entsteht. Laut Grandke zahlt die Stadt als Miete 9,95 Euro je Quadratmeter. Für zirka 440 Quadratmeter Lager- und Archivraum im Keller liegt der Quadratmeterpreis unter fünf Euro. Das Erdgeschoß mit zirka 400 Quadratmeter Fläche soll an einen Fachmarkt vermietet werden. Er verhandle gegenwärtig mit zwei Bewerbern, sagte Dietz, der den Einzug einer Drogeriefiliale als "denkbar" bezeichnete. Wie Grandke sagte, will die Stadt in dem weniger als 100 Meter vom Rathaus entfernten Bürogebäude Ämter unterbringen, die bisher an unterschiedlichen Standorten ansässig sind. Dazu gehören Rechtsamt, Straßenverkehrsamt, Ordnungsamt, Umweltamt, Ausländeramt, Stadtschulamt, Sozialamt und Gesundheitsamt.
Mit den Bauarbeiten soll laut Dietz im Juni begonnen werden; die Baugenehmigung liegt seit kurzem vor. Bis zum Oktober will Dietz die sogenannte Zweite Ebene abreißen. Hierfür werden zirka 320000 Euro aufgewendet. Wie Dietz weiter sagte, ging die Initiative zum Abriß der Betonbrücken, die die Berliner Straße an der Ecke zum Marktplatz und die Schloßstraße überspannen, von ihm als Investor aus. Er sei entsetzt gewesen, als er gesehen habe, wie die Betonbrücken optisch das von ihm gekaufte Hochhaus "in der Mitte durchschneiden". Daß Oberbürgermeister Grandke schon seit langem den Abriß wolle, habe nicht den Ausschlag gegeben: "Wenn wir die Zweite Ebene entfernen, werten wir unser Haus auf. Solche Brücken entsprechen nicht mehr dem Zeitgeist und werden auch nicht in dem Maße genutzt, wie es sich die Planer in den siebziger Jahren vorgestellt haben." Dietz begründete den Umbau des 18 Stockwerke hohen früheren Kreishauses mit der "sehr guten Substanz" des Gebäudes. Ein Neubau würde teurer und ließe sich schlechter vermieten: "Der Umbau ist die wirtschaftlicher sinnvollere Lösung." Die Pläne für den Umbau stammen vom Offenbacher Architekturbüro Novotny, Mähner & Assoziierte; unter anderem soll das Hochhaus eine vollständig neue Fassade erhalten. Während der fünfzehnmonatigen Bauzeit erwartet Dietz, daß der Verkehr auf der stark befahrenen Berliner Straße kaum gestört wird. "Wir brauchen noch nicht mal einen Kran, um die neue Fassade anzubringen", sagte Dietz.
Grandke teilte überdies mit, daß er derzeit mit dem Eigentümer über die Aufwertung des "City Centers" verhandele. Das Geschäftshaus steht am Marktplatz und ist bislang mit der Zweiten Ebene verbunden. Wie Grandke sagte, hat er gegenüber dem Eigentümer den Wunsch geäußert, daß der Abriß der Betonbrücke zur Verschönerung des Hauses genutzt werde. Eigentümer ist der Frankfurter Immobilienkaufmann Josef Buchmann. ajw.

