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Offenbach Ein Karpfen wird im Schultheisweiher zur Plage

Die Aktivitäten des Graskarpfens im Offenbacher Schultheisweiher haben in den vergangenen Jahren maßgeblich dazu beigetragen, daß sich dort in den Sommermonaten Blaualgen extrem stark vermehren konnten.

Dies geht aus einem Gutachten hervor, dessen Ergebnisse Stadträtin Birgit Simon (Grüne) als Umweltdezernentin jetzt vorgelegt hat. Das Gewässer mußte in den zurückliegenden Jahren mehrfach für den Badebetrieb gesperrt werden.

Von Dezember 2004 bis November 2005 analysierte Diplom-Ökologe Christian Schuller vom Büro Boden- und Gewässerschutz, Rosbach-Rodheim, alle vier bis sechs Wochen Wasserproben und die darin gelösten Nährstoffe und ermittelte Sauerstoffgehalt und -verbrauch. Außerdem bestimmte er Konzentration und Artenspektrum der Algen. Dazu untersuchte der Fischereisachverständige Hartmut Späh, Bielefeld, die Fischfauna; unterstützt wurde er von den am Weiher aktiven Anglern.

Ein Ertrinkender wäre nicht mehr zu sehen

Mit einer Wasserfläche von zehn Hektar zieht der Schultheisweiher auf der "Rumpenheimer Mainhalbinsel" an Sommerwochenenden bis zu 7000 Badegäste an. 2003 wurde die Besucherzahl auf 100 000 geschätzt; damals mußte der Weiher erstmals gesperrt werden. In den beiden folgenden Sommern ging die Zahl der Gäste wegen monatelanger Badeverbote auf jeweils 50 000 zurück. In dem nur etwa 2,25 Meter tiefen Weiher verringerte sich die Sichttiefe durch die Algenkonzentration erheblich: Ein untergehender Mensch wäre kaum mehr zu retten gewesen. Zudem geben Blaualgen giftige Stoffe ab, die zu Brechdurchfällen führen können.

Bei den Untersuchungen stellte sich heraus, daß in dem Weiher eine größere Zahl von Graskarpfen lebt. Wie und wann der aus subtropischen Gewässern stammende Fisch dorthin gelangte, ist nicht bekannt. Bei Wassertemperaturen von mehr als 20 Grad wird er aktiv und frißt jene Wasserpflanzen, die das im Wasser enthaltene Phosphor binden. Innerhalb eines Jahres könne der Graskarpfen sein Gewicht vervierfachen, so Rolf Weyh, stellvertretender kommissarischer Leiter des städtischen Umweltamts.

Subtropische Karpfen mit „Appetit einer Kuh“

Die Fische werden bis zu 30 Jahre alt, 1,30 Meter lang und 17 Kilogramm schwer; dabei entwickeln sie den "Appetit einer Kuh". Das in den Pflanzen gebundene Phosphor scheidet der Graskarpfen wieder aus, was die Zunahme vor allem der Blaualgen im Schultheisweiher begünstigte und in der Folge auch zum Muschelsterben führte.

Etwa zwölf Kilogramm Phosphor werden dem Gutachten zufolge pro Jahr in den Weiher gespült. 41 Prozent stammen von den Badegästen selbst, denn Phosphor ist auch im Urin enthalten. 17,5 Prozent werden mit dem Grundwasser von den östlich gelegenen gedüngten Ackerflächen in den See transportiert. Der Regen ist für 33 Prozent der Phosphor-Konzentration verantwortlich; Wasservögel kommen auf 8,5 Prozent.

Dornenhecken sollen Badegäste fernhalten

Mit gleich mehreren Maßnahmen will die Stadt dem Algenübel Einhalt gebieten und den Schultheisweiher auf Dauer sanieren: So sollen die Badegäste über angemessenes Hygieneverhalten aufgeklärt werden. Eine bislang tolerierte Badewiese im Südosten wird im Frühjahr mit Dornsträuchern bepflanzt und mit einem Zaun umgeben. Die Badeaufsicht hatte festgestellt, daß die dort lagernden Badegäste die 350 Meter entfernten sanitären Anlagen kaum nutzten.

Im April und Mai sollen Graskarpfen, aber auch Raubfische wie Wels und Aal mit Hilfe eines Berufsfischers zweimal abgefischt werden. So kann eine reiche Unterwasservegetation heranwachsen, die gelöste Nährstoffe bindet.

In Gesprächen mit den Landwirten will die Stadt erreichen, daß diese ihre Flächen in der Nähe des Schultheisweihers weniger düngen. Für einen natürlichen Fischbestand werden Schleien und Hechte sorgen, die von 2007 an ausgesetzt werden. Etwa 120 000 Euro wird die Sanierung des Weihers in den kommenden drei Jahren kosten; für das Gutachten waren 15 000 Euro aufzubringen. Simon machte deutlich, der Schultheisweiher solle als Naherholungsgebiet für die Region dienen; als überregionales Badegewässer eigne er sich jedoch nicht.

es., F.A.Z. vom 2. Januar 2006

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