25.07.2006 · Den eigenen Hund lebensgroß aus Gips, die geliebte Freundin aus Marmor, den Vater aus Granit - Denkmäler sind keine Domäne der Bildhauer mehr. Im burmesischen Tempel des Rheingaus kann sich jeder selbst ein Denkmal setzen lassen.
Von Oliver BockDen eigenen Hund lebensgroß aus Gips, die geliebte Freundin aus Marmor, den respektierten Vater aus Granit - Denkmäler sind keine Domäne der Bildhauer mehr und kein exklusives Recht gekrönter Häupter oder berühmter Eroberer. Die Demokratisierung des Denkmals ist die Geschäftsidee von Peter Brunsbach.
Der Werbe- und Marketingexperte residiert im vielleicht auffälligsten, aber sicherlich exotischsten Gebäude des Rheingaus, dem burmesischen Tempel in Oestrich. Seit einigen Jahren hat Brunsbach die Nachbildung einer Empfangshalle des burmesischen Königshauses in Mandalay gepachtet, die 1970 dem Unternehmen Fritz Werner von der burmesischen Regierung geschenkt worden war.
„Evolution der Fotographie“
Früher als Gästehaus und Tagungszentrum genutzt, soll der Tempel jetzt Ausgangspunkt einer „neuen Art der Kunst“ werden, wie Brunsbach hofft. Im Mittelpunkt dieser Kunst steht indes die Technik: ein etwa 50 000 Euro teurer und mobiler Digitalscanner. Binnen weniger Minuten tastet das Gerät ein Objekt präzise ab. Am Computer und mit Hilfe spezieller Software beginnt danach die digitale Bildhauerei. Und wenige Stunden später liegen die Daten auf CD-ROM vor und können vielfältig eingesetzt werden. Eine kleine Büste für den Schreibtisch ist ebenso möglich wie eine 60 Zentimeter hohe Statue aus Polymergips oder eine lebensgroße Kopie in Marmor, Granit oder Metall, bemalt oder gar mit Blattgold überzogen.
Die Fertigung der Büsten oder Statuen erfolgt in spezialisierten Partnerbetrieben, die beispielsweise auch metergroße und tonnenschwere Granitblöcke zerschneiden können. Stets erfolgt eine künstlerische Nachbearbeitung durch einen Bildhauer, der dem Werk „den letzten Schliff“ geben soll.
Brunsbach will sich mit seiner Firma „3D-culture“ vor allem auf Menschen und Tiere spezialisieren. In seinem Konzept sieht er die „Evolution der Fotographie“ und vielleicht sogar der Malerei. Wer sich früher habe porträtieren lassen, könne heute für vergleichsweise wenig Geld und mit geringem Aufwand eine Statue von sich anfertigen lassen - mit einer breiten Auswahl an Materialien. Brunsbach sieht für sein erst seit wenigen Wochen verwirklichtes Konzept nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. Unternehmen könnten eine Statue des Firmengründers in ihre Lobby stellen, Geschäftsleute sehr persönliche Werbegeschenke als Büste oder Relief anfertigen lassen. Zu Geburtstagen, Hochzeiten oder Jubiläen seien Büsten das besondere Geschenk. Brunsbach hätte von privaten Fernsehsendern beinahe den Auftrag erhalten, während der Fußball-Weltmeisterschaft Jürgen Klinsmann zu scannen und als lebensgroßes Denkmal anzufertigen - doch scheiterte der Auftrag schließlich ebenso wie das Nationalteam.
Ganzkörperkopie aus Granit für 28.000 Euro
Anwendungsmöglichkeiten gebe es aber auch bei der Bewahrung von Kulturdenkmälern, die in Originalgröße kopiert werden könnten. Außerdem sei es zum Preis von etwa 600 Euro möglich, ein Objekt oder eine Person zunächst nur zu scannen, die Daten aufzubereiten und zu sichern. Ob daraus später eine Skulptur oder Kopie werde, könne später entschieden werden. Je nach Material kann das dann aber richtig teuer werden: Für eine Ganzkörperkopie aus Granit sind etwa 28.000 Euro fällig.
Brunsbach denkt derweil schon darüber nach, wie er die Republik mit Denkmälern überziehen könnte: mit einem Franchise-System.