Home
http://www.faz.net/-gzl-z4bh
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Ökomode Bieter fühlt sich bei Hess Natur ausgebootet

 ·  Ernst Schütz erhebt schwere Vorwürfe gegen den Eigentümer von Hess Natur. Der Öko-Unternehmer, Inhaber der Versender Waschbär und Panda, fühlt sich „scheußlich belogen“ und aus dem laufenden Verkaufsprozess für den deutschen Ökomode-Marktführer aus Butzbach ausgebootet.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Der Öko-Unternehmer Ernst Schütz erhebt schwere Vorwürfe gegen den Eigentümer von Hess Natur. Schütz fühlt sich „scheußlich belogen“ und aus dem laufenden Verkaufsprozess für den deutschen Ökomode-Marktführer aus Butzbach ausgebootet. Der Geschäftsführer des Hess-Besitzers Primondo Specialty Group habe ihm gesagt, ihn zu informieren, wenn der Investorenprozess für die Hess Natur-Textilien GmbH angestoßen werde. Er selbst habe den Geschäftsführer im März, April und Mai etwa alle zwei Wochen angerufen. „Da hat er mir gesagt, es gebe keinen Verkaufsprozess“, sagt Schütz dieser Zeitung. Er ist Inhaber und Leiter der in Freiburg ansässigen Triaz-Gruppe mit den Öko-Versendern Panda und Waschbär und war acht Jahre für Hess Natur leitend tätig.

Der Unternehmer hatte schon im Dezember sein Interesse an einer Übernahme von Hess Natur signalisiert. Zuvor waren große Teile der Primondo-Gruppe an den Finanzinvestor Carlyle Group veräußert worden. Außer Hess Natur zählt nur noch Tristyle mit dem Versender Peter Hahn und dem Atelier Goldener Schnitt in München zu der früheren Spezialversender-Gruppe der insolventen Karstadt-Mutter Arcandor. Die Möglichkeit eines Verkaufs des Butzbacher Händlers an Carlyle zog Boykottandrohungen Tausender Kunden nach sich, da zu Carlyle unter anderem Rüstungsfirmen zählen. Wie es heißt, hat Carlyle vom Erwerb von Hess Natur Abstand genommen.

Finanzierung „auf die Beine gestellt“

Schütz hat nach eigenem Bekunden von Dritten vom laufenden Investorenprozess erfahren. Im Vertrauen auf die Zusage des Primondo-Chefs hatte er sich vor zwei Wochen mit mehreren Mitstreitern getroffen und die für eine Übernahme nötige Finanzierung „auf die Beine gestellt“. An diesem Treffen habe auch der ehemalige Hess-Geschäftsführer Bernd Oppenrieder teilgenommen. „Es ist mir darum gegangen, nachhaltige Kräfte zu bündeln, um dieses tolle Unternehmen in eine gute Zukunft zu führen“, sagt Schütz. Als Kreditgeber habe er eine namhafte Öko-Bank an der Hand gehabt. „Das wäre eine runde Sache geworden“ - zumal er sich mit Oppenrieder einig geworden sei, die eigens zum Erwerb von Hess Natur gegründete Genossenschaft HN Geno hinzuzuziehen. „Mir ist wichtig, dass dahinter der Name Schütz steht und nicht Waschbär.“

Nun aber habe er keine Chance mehr zur Teilnahme am laufenden Verkaufsprozess. Er habe den Eindruck, dass das Butzbacher Unternehmen zum Spielball geworden sei. Gleichwohl stehe er weiter bereit, wobei er sich weniger als Investor denn als „Entwickler“ sehe.

„Mehrere Gründe, Waschbär nicht zu berücksichtigen“

Ein Primondo-Sprecher wies die Vorwürfe von Schütz zurück. „Ihm ist gesagt worden, falls man ihn berücksichtige, werde man sich bei ihm melden.“ Es gebe mehrere Gründe, „Waschbär nicht zu berücksichtigen“. Erstens lege Hess Natur im Verkaufsprozess die Bücher offen, wodurch die Freiburger als Konkurrenten tiefe Einblicke in das Geschäft der Butzbacher bekämen. Waschbär sei zudem ganz anders positioniert und passe nicht zu Hess Natur.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

Jüngste Beiträge

Männer und Herren

Von Matthias Alexander

Wenn das kein Grund zur Freude ist: Die Eintracht beendet die Saison auf dem sechsten Platz, der FSV Frankfurt geht eine Spielklasse tiefer sogar als Vierter durchs Ziel. Das ist ein schöner Imagegewinn für die Sportstadt Frankfurt. Mehr 1