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Oberursel Ringen im Internet um den Hessentag 2011

24.07.2007 ·  Der bevorstehende Hessentag ruft Interessenten auf den Plan, die mit der Internetadresse Oberursel Geschäfte machen wollen. Und die unabhängigen Seiten sind auch noch schneller als die offiziellen.

Von Bernhard Biener
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Man kann ja mal schauen. Schließlich haben die ersten Vorbereitungen für das Fest der Hessen, das im Jahr 2011 in Oberursel stattfindet, schon begonnen. Tatsächlich findet sich etwas im Internet, erwartungsgemäß unter der Adresse www.hessentag2011.de: „Willkommen in der Hessentagsstadt Oberursel“ heißt es da unter einem Foto vom Marktplatz. In einem Text wird erläutert, dass die Brunnenstadt am 16. Januar den Zuschlag bekommen und Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) einen „Hessentag der kurzen Wege“ versprochen habe.

Es findet sich ein Verweis auf das „Projekt Hessentag“ mit der Adresse www.hessentag-2011.net. Auf dieser eher nüchternen Seite gibt es regionale Nachrichten, aber auch eine Navigationsspalte mit allem, was man für den Hessentag so braucht: Rubriken wie „Mitmachen und Teilnehmen“, ein Forum, Verweise auf die Themen Verkehr oder Unterkunft, Informationen über Oberursel sowie Unterpunkte zu Orscheler Sommer und Brunnenfest. Die beiden prominenten Hessentagsadressen haben nur einen Haken: Weder die Stadt Oberursel noch die Hessische Staatskanzlei, die den Hessentag federführend organisiert, haben etwas damit zu tun.

Schreiben an Domain-Inhaber

Zumindest galt dies für eine Adressen bis Dienstagnachmittag. Inhaber der Seite www.hessentag2011.de ist nach Angaben der zentralen Registrierungsstelle für Internet-Adressen mit der .de-Endung, Denic, Dennis Meyer aus Wiesbaden. Der junge Mann hat sie schon im Jahr 2002 sichern lassen: „Es war einfach die erste Kombination aus Hessentag und Jahreszahl, die frei war.“ Damals habe er gehofft, die Adresse einmal gewinnbringend verkaufen zu können.

Schließlich gilt bei der Vergabe solcher „Domains“ genannter Internet-Adressen, dass derjenige den Zuschlag bekommt, der zuerst da ist. Zahlreiche Prozesse zeugen von dem Bemühen, sich den eigenen Namen nachträglich zu sichern. Die Gerichte ziehen die Grenzen eng – ein Städtename zum Beispiel muss kein ausreichender Grund sein, wie die Gemeinde Segnitz feststellen musste. Ein Weinhandelsunternehmen gleichen Namens durfte www.segnitz.de behalten. Vor allem Markenrechte und Eigennamen können ein Grund sein, die Domain jemand anderem als dem Erstanmelder zuzusprechen.

Die Bezeichnung „Hessentag“ ist markenrechtlich eingetragen, wie der stellvertretende Regierungssprecher Rainer Kling auf Anfrage mitteilte. Und so verschickt die Staatskanzlei, die fast jedes Jahr mit derartigen Fällen zu tun hat, an die Domain-Inhaber ein im Tonfall verbindliches Schreiben. Auch Meyer hat eins bekommen und nach eigenen Angaben mühsam versucht, den Eintrag beim sogenannten Webhoster, der die Seiten technisch bereitstellt, zu ändern.

„Hessentags-Blog“ auf privater Seite

Denn er habe die Reservierung lange vergessen und sich nicht mehr darum gekümmert. In der Zwischenzeit versuchte er angeblich, Besucher der Seite www.hessentag2011.de automatisch auf die Seite der Stadt Oberursel weiterzuleiten. Statt auf www.oberursel.de landeten sie jedoch bei www.oberursel2011.de. Sie aber wird, ebenso wie www.hessentag-2011.net, von Daniel Schrick betrieben. „Ein Versehen“, sagte Meyer, der die Weiterleitung änderte, so dass nun die offizielle Oberursel-Seite erscheint.

Schrick ist ein 25 Jahre alter Student aus dem Bad Homburger Stadtteil Dornholzhausen. Wider Erwarten studiert er nicht Betriebswirtschaft, sondern will Lehrer für Religion, Deutsch und Mathematik werden. Mit einigen Kommilitonen hat er die verschiedenen Seiten um den Hessentag und Oberursel aufgebaut. Sogar ein „Hessentags-Blog“, eine Art elektronisches Tagebuch, weist schon einige Einträge auf, etwa vom Besuch der Oberurseler Delegation in der diesjährigen Hessentagsstadt Butzbach. Schrick bezeichnet das Engagement als „netten Zeitvertreib“. Mit der hessentag-2011.net-Seite wolle man ein von der Stadt unabhängiges Informationsforum betreiben. Andererseits deutete er an, man könne womöglich selbst ein Druckmittel in der Hand haben, wenn man sich die Bezeichnung „Hessentag“ zusammen mit einer Jahreszahl als Markenname eintragen lasse: Juristen gehören auch zum Kreis der Kommilitonen.

Zumindest haben es die Studenten geschafft, dass bei einer Abfrage über die Suchmaschine Google ihre Seiten das Ergebnis beherrschen – neben dem Wikipedia-Eintrag, der allgemeinen städtischen Seite und den Jusos, die sich über den Hessentag freuen. Der Vorrang ist kein Wunder, denn die von der Stadt reservierten Seiten www.hessentag-2011.de, mit Bindestrich, und www.hessentag-oberursel.de sind noch leer. Letztere hat die Staatskanzlei von einem Unternehmen zurückgeholt. Nur Schrick hat noch keinen Brief bekommen. Dafür steht seine Seite www.hessentag-2011.net bei einem Domainhändler zum Verkauf. Preis Verhandlungssache.

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Jahrgang 1964, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

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