19.09.2011 · Patrick Burghardt wird neuer Rüsselsheimer Oberbürgermeister. Wider alle Prognosen gewinnt CDU-Kandidat die Stichwahl, an der nicht einmal jeder dritte Berechtigte teilnahm.
Von Hanns MattesPatrick Burghardt wird neuer Rüsselsheimer Oberbürgermeister: Mit genau 100 Stimmen Vorsprung hat sich der CDU-Kandidat gestern in der Stichwahl gegen Bürgermeister Jo Dreiseitel (Die Grünen) durchgesetzt - und damit die meisten Wahlwetten widerlegt. Denn eigentlich hatte Dreiseitel darauf hoffen können, Unterstützung aus dem Lager der im ersten Wahlgang ausgeschiedenen Sozialdemokratin Renate Meixner-Römer zu erfahren. Doch offenbar folgten nicht genug SPD-Wähler der Empfehlung zugunsten des Kandidaten der Grünen.
Burghardt selbst zeigte sich von seinem Sieg überrascht: Er sei sprachlos, sagte der künftige Oberbürgermeister. Er kündigte an, mit allen Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung Gespräche zu führen. Dort hatte in der Vergangenheit eine rot-grüne Koalition die Mehrheit. Die Wahlbeteiligung lag mit 31,9 Prozent in etwa ebenso hoch wie in der ersten Runde der Direktwahl vor zwei Wochen.
Immer in Schlagweite
Die etwa 200 Zuschauer, die die Wahlauszählung in der Rotunde des Rathauses verfolgten, erlebten einen spannenden Abend. Schon die ersten Resultate deuteten auf ein Wimpernschlagfinale hin, und diese Einschätzung wurde nicht enttäuscht. Zwar lag Burghardt bei den meisten Zwischenergebnissen vorne, doch behielt Dreiseitel ihn immer in Schlagweite. Wie schon bei früheren Wahlen dauerte die Auszählung in einem Wahlbezirk im Stadtteil Bauschheim am längsten, doch um 19.02 Uhr stand mit dessen Meldung der Ausgang fest.
„Ich habe das so nicht erwartet“, sagte Burghardt unmittelbar nach der Auszählung. Mit diesem Ausgang sei für ihn nicht zu rechnen gewesen. Er habe erwartet, dass das rot-grüne Lager genug Unterstützung für Dreiseitel aufbringen werde. Burghardt wertete seinen Sieg auch als klares Signal der Wähler für einen Wechsel in der Kommunalpolitik. Die von vielen beklagte Stagnation in Rüsselsheim sei eben nicht nur einer der beiden Koalitionsparteien zuzuschreiben, sondern auch den Grünen und deren Vertreter.
„CDU hat Wähler besser mobilisiert“
Enttäuscht, aber gefasst nahm Dreiseitel, der im Gegensatz zu Burghardt die Auszählung nicht in der Rotunde verfolgt hatte, seine Niederlage hin. In einem Punkt der Wahlanalyse zeigte er sich mit Burghardt einig: Der CDU sei es besser gelungen, ihre Wähler zu mobilisieren, als dem rot-grünen Lager. Er sei sicher, dass er mit Burghardt im Magistrat kollegial zusammenarbeiten werde. Wie später auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Jens Grode bekräftigte Dreiseitel, dass die rot-grüne Koalition fortgeführt werden solle. Er hoffe, dass die Teilung der Stadt in zwei fast gleichstarke politische Lager nicht auf eine Spaltung der Stadt hinauslaufe.
In der Stadtverordnetenversammlung ist die CDU zwar stärkste Fraktion, aber ohne Mehrheit. Burghardt machte klar, dass er nun mit allen Fraktionen Gespräche führen werde. Seine Wahl sei ein Signal dafür, dass die Rüsselsheimer kein „Weiter-so“ unter rot-grüner Führung wollten: „Die Bürger von Rüsselsheim wollen offenkundig einen kompletten Wechsel“, sagte Burghardt, und damit müssen seiner Einschätzung nach auch in der Stadtverordnetenversammlung neue Mehrheiten organisiert werden.
Hanns Mattes Jahrgang 1964, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Groß-Gerau.
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