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Oberbürgermeister-Stichwahl Beide Kandidaten sehen sich als klare Sieger

07.05.2009 ·  Beim F.A.Z.-Forum zur Oberbürgermeister-Stichwahl in Bad Homburg streiten Ursula Jungherr und Michael Korwisi um Möbel Meiss, die Albin-Göring-Halle und um Lärm. Jungherr gibt sich ebenso optimistisch wie ihr Herausforderer, der im ersten Wahlgang be

Von Heike Lattka
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Oberbürgermeisterin Ursula Jungherr (CDU) will im zweiten Anlauf den allein verbliebenen Konkurrenten bezwingen; daraus hat sie am Dienstagabend beim F.A.Z.-Forum zur Stichwahl in Bad Homburg kein Hehl gemacht. Der als unabhängiger Kandidat antretende Michael Korwisi (Grüne) gab sich allerdings auf Nachfrage von F.A.Z.-Redakteur Bernhard Biener, der die Veranstaltung in den Räumen der Frankfurter Volksbank moderierte, nicht minder siegesgewiss: Er gewinne, verkündete der Siebenundfünfzigjährige vor den Zuhörern in der vollbesetzten Zweigstelle. Korwisi würde, falls er mit seiner Aussage recht behielte, eine 61 Jahre währende Tradition brechen. So lange stellt die CDU schon die Oberbürgermeister in der Kurstadt.

Wie es denn in der konservativ geprägten Taunusstadt überhaupt zu einer Stichwahl kommen konnte, erklärte Jungherr mit dem Fernbleiben zu vieler Wähler. Jene 60 Prozent, die nicht zur Wahlurne gegangen seien, wolle sie nun bis zum Sonntag überzeugen. Die Nichtwähler müssten erkennen, dass es nun um das „Wohl und Wehe“ der Stadt gehe und keiner Oberbürgermeister werden dürfe, der sein Programm nach der jeweiligen öffentlichen Meinung ausrichte. Sie stehe für den Ausbau der familienfreundlichen Stadt und nannte die Umgestaltung des Bahnhofs sowie die Stärkung des Einzelhandels und der Wirtschaft durch den Bau des Louisencenters als vorrangige Projekte für eine nächste Amtszeit. Denn am Ende werde die Oberbürgermeisterin abermals Jungherr heißen, widersprach sie ihrem Herausforderer.

Der setzt bei der Stichwahl nach eigenem Bekunden auf die Einsicht der Wähler des gescheiterten SPD-Kandidaten Karl Heinz Krug, der schon eine Wahlempfehlung für ihn abgegeben habe. Nach intensivem Gespräch mit Krug sei es ihm nicht schwergefallen, dessen gute Ideen zum Wohnungsbau und zur Wirtschaftsförderung aufzunehmen, sagte Korwisi. Im Falle seiner Wahl wolle er sofort den Flughafen-Bus wieder aktivieren, mit aller Macht den Bau der Regionaltangente West vorantreiben, eine Vier-Feld-Sporthalle in Ober-Eschbach durchsetzen und die Louisenstraße von der Thomasstraße bis zur Ferdinandstraße endlich sanieren.

Letzteres erhalte durch die Insolvenz des Traditionsunternehmens Möbel Meiss ohnehin größte Brisanz, betonte Korwisi. Denn es sei Jungherr gewesen, die 2004 eine von ihm schon unterzeichnete Baugenehmigung für Meiss, der einen Discount in Ober-Eschbach habe bauen wollen, mit einer Veränderungssperre gekippt habe. Auch beim Bau eines Möbelhauses vor den Toren der Innenstadt habe Jungherr nicht geholfen. Meiss sei mehr als ein halbes Jahrzehnt ohne Planungssicherheit gewesen, kritisierte Korwisi und fügte hinzu: „Wer weiß, ob dies bei größerem Engagement der Wirtschaftsförderung nicht anders ausgegangen wäre?“

„Das sind doch alles Hypothesen“, entgegnete Jungherr. Sie bedauere das Aus für das Traditionsunternehmen an der Louisenstraße. Hier hinterlasse die wirtschaftliche Lage erste Spuren. Es sei „unredlich“ von Korwisi, wenn er der Stadt Versäumnisse zuschreibe. Denn die Planungen am Massenheimer Weg hätten offenkundig kein Möbelhaus, sondern vier einzelne Gebäudekomplexe vorgesehen und seien unabhängig von der Zukunft des Möbelhauses in der Innenstadt diskutiert worden. Der Erhalt des Stammhauses sei nie in Frage gestellt worden. Dem von Meiss beantragten Discount hingegen widerspreche ein Stadtverordnetenbeschluss, der mehr Einzelhandel auf der grünen Wiese mit Rücksicht auf die Innenstadt nicht zulasse.

„Skandalöses Verhalten“ warf Korwisi der Amtsinhaberin ebenso bei der Wende hin zu einem Anbau an der Albin-Göring-Halle vor. So sei der Ortsbeirat Ober-Eschbach von der unerwarteten Festlegung im Bauausschuss auf eine der drei Varianten überrascht worden. Dabei könne allein der frühere Stadtverordnetenbeschluss zum Bau einer neuen Vier-Feld-Halle auf dem heutigen Sportplatz allen Bedürfnissen von Vereinen und Sportlern Rechnung tragen. Während Korwisi den Anbau auch wegen der fehlenden Parkplätze ablehnte, gilt dies nach Ansicht Jungherrs erst recht für eine noch größere Lösung. Der Stadtteil brauche keine Riesenhalle, sondern ein ordentliches Angebot für die örtliche Bevölkerung.

Ein versöhnliches Wort zum Abschluss fand Hans-Joachim Tonnellier, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Volksbank. Er bekundete als Bürger der Stadt nachdrücklich seine Liebe zu Bad Homburg, dessen Schönheiten an diesem Abend nicht ausreichend gewürdigt worden seien. Statt eine Wahlempfehlung abzugeben, befand der Finanzexperte salomonisch: „Beide Kandidaten haben schon viel für Bad Homburg geleistet.“ Und eines ist ohnehin gewiss, egal, wie am 10. Mai der Sieger heißen mag: Beide Aspiranten versprachen 20 Millionen Euro für einen langen Tunnel zur Minimierung des Lärms an der PPR-Kreuzung auszugeben, und beide unterstützen die Verlängerung der U-Bahn.

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