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OB-Wahl Warten auf die Wahlempfehlung

27.04.2009 ·  Nachdem Michael Korwisi (Die Grünen) am Sonntag als unabhängiger Kandidat in Bad Homburg mit 39,3 Prozent Oberbürgermeisterin Ursula Jungherr (CDU) hinter sich gelassen hat, ist bis zur Stichwahl am 10. Mai alles offen. Das lässt beide Kandidaten ihren Wahlkampf verstärken.

Von Bernhard Biener, Bad Homburg
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Diese Botschaft haben Kandidatin und Kandidat verstanden: Auf die nächsten zwei Wochen kommt es an. Die Vorstellung, ausgerechnet Bad Homburg könnte einen grünen Oberbürgermeister bekommen, erscheint vielen Akteuren der bürgerlichen Mehrheit zwar immer noch wie ein Verstoß gegen das Naturgesetz. Doch nachdem Michael Korwisi (Die Grünen) am Sonntag als unabhängiger Kandidat mit 39,3 Prozent Oberbürgermeisterin Ursula Jungherr (CDU) hinter sich gelassen hat, ist bis zur Stichwahl am 10. Mai alles offen. Das lässt beide Kandidaten ihren Wahlkampf verstärken: Jungherr hat für die nächsten zwei Wochen alle aufschiebbaren Termine abgesagt und Urlaub genommen, damit sie besser um ihr Amt kämpfen kann. Auch Korsiwi hatte gestern schon wieder den Wahlstand besetzt.

Der als Unabhängiger antretende Grünen-Politiker hofft auf die 21,7 Prozent der Wähler, die überraschend für den bis Anfang des Jahres in der Kurstadt weitgehend unbekannten Karl Heinz Krug (SPD) gestimmt haben. Korwisis Anhänger machten am Sonntag die Rechnung auf: 39,3 plus 21,7 Prozent sind 61 Prozent für den Wechsel. Fraglich ist allerdings, ob dies bei der Stichwahl zugleich 61 Prozent für Korwisi bedeutet. Ob die SPD eine Wahlempfehlung ausspricht und für wen, blieb offen. Damit sollten sich noch die Gremien befassen, sagte Krug.

40 Stimmen

Die bisher letzte Stichwahl in Bad Homburg liegt elf Jahre zurück. Damals war es Korwisi, auf dessen 22,5 Prozent aus dem ersten Wahlgang die damalige SPD-Fraktionsvorsitzende Beate Fleige hoffte. Doch der Grünen-Politiker sprach sich überraschend für Reinhard Wolters (CDU) aus, der dann in der Stichwahl mit 53,6 Prozent über Fleige siegte. Später bezeichnete Korwisi seine Empfehlung als Fehler.

Die für ungültig erklärte Wahl von 1998 hat 2009 keine Nachwirkungen mehr. Fleige, inzwischen Fraktionschefin der Bürgerliste Bad Homburg (BLB), hat sich ebenso wie die Neue Homburger Union (NHU) für Korwisi ausgesprochen und wird daran auch vor der Stichwahl nichts ändern. Wolters hatte damals im ersten Wahlgang deutlich vor seinen Konkurrenten gelegen. Auch das ist diesmal anders: Korwisis Vorsprung ist knapp: 0,3 Prozentpunkte oder ganze 40 Stimmen bekam er am Sonntag mehr als Jungherr.

Jungherr: „Toller Wahlkampf“

Betrachtet man die einzelnen Stadtteile, sind die Unterschiede deutlich größer. In einem der beiden Wahlbezirke der Humboldtschule holte Korwisi mit 67,2 Prozent sein bestes Ergebnis. Dort dürfte sich die Nähe zum bisher geplanten Standort für den Neubau der Pestalozzischule ausgewirkt haben. Im selben Wahllokal bekam Jungherr mit 17,3 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis. Sie konnte wiederum in der Volkshochschule an der Elisabethenstraße punkten, und Dornholzhausen bildete mit 26 Prozent das Schlusslicht für Korwisi.

Jungherr zog zur Analyse die absoluten Zahlen heran, wonach sie, verglichen mit ihrem Ergebnis von 2003, von den damaligen 6.930 Stimmen 721 verloren habe. Das Zeichen nehme sie zwar ernst, doch die absolute Mehrheit ihrer damaligen Wähler stütze ihren Kurs. Die höhere Wahlbeteiligung führte sie auf die Grünen-Wähler zurück, die vor sechs Jahren keinen eigenen Kandidaten zur Auswahl gehabt hätten. „Wir als CDU müssen allerdings auch umdenken“, stellte die Oberbürgermeisterin fest. Schließlich habe die Union in den vergangenen Jahren, etwa bei den gescheiterten Bürgermeisterwahlen, „nicht das beste Bild abgegeben“. Wohl deshalb habe man die „stille bürgerliche Mehrheit“ der Bad Homburger nicht mobilisieren können.

In den vergangenen Wochen will Jungherr trotz der noch im Dezember über ihre Person gespaltenen Partei eine große Geschlossenheit in einem „tollen Wahlkampf“ gespürt haben. Manchmal brauche es eben eine Krise, um wieder zusammenzufinden. Diese Gelegenheit ist für die CDU zweifelsohne gekommen.

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Jahrgang 1964, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

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