18.01.2008 · Nach monatelangem erfolglosen Hin und Her ist die Suche nach einem geeigneten Baugelände jetzt zur „Chefsache“ erklärt worden. Oberbürgermeister Jens Beutel holt alle Dezernenten an einen Tisch zum „Arbeitsstab Stadion“.
Von Markus SchugBöse Zungen behaupten, dass es bei der Standortsuche für ein neues Mainzer Fußballstadion auch deshalb nicht richtig vorangegangen sei, weil jeder der vier beteiligten Dezernenten vor allem seinen eigenen Favoriten gestützt habe. So wollte der Baudezernent, Bürgermeister Norbert Schüler (CDU), schon vor zehn Jahren am Europakreisel eine neue 05-Arena errichten lassen; weshalb er als „späte Genugtuung“ noch immer an diesem Standort festhalte. Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) konnte sich Ende der neunziger Jahre mit seinem Modell „Ausbau des Bruchwegs“ gegen Schüler durchsetzen – und geht auch heute noch gerne ins alte Stadion.
Dem Wirtschafts- und Liegenschaftsdezernenten Franz Ringhoffer (FDP) wurde lange Zeit eine Präferenz für den nur dünn besiedelten Hechtsheimer Gewerbepark nachgesagt. Mainz 05 aber will unter keinen Umständen dort Fußball spielen, weshalb diese Option nun endgültig gestrichen sein dürfte. Dafür kam mit dem früheren Portland-Steinbruch noch ein Areal in Weisenau hinzu, das in die Zuständigkeit des Gründezernenten, Wolfgang Reichel (CDU), fällt.
„Kostendeckel“ von 60 Millionen Euro
Nach monatelangem erfolglosen Hin und Her ist die Suche nach einem geeigneten Baugelände jetzt zur „Chefsache“ erklärt worden. Erstmalig für Mainz wird ein dezernatsübergreifender „Arbeitsstab“ eingerichtet, dessen Mitglieder sich unter der Leitung des Oberbürgermeisters mehrfach im Monat treffen sollen. Dies mit dem Ziel, so schnell wie möglich einen Standort für das seit 18 Monaten verfolgte Bauprojekt zu sichern. Außerdem gelte es, darüber zu wachen, dass der mit dem Land und Mainz 05 vereinbarte „Kostendeckel“ in Höhe von 60 Millionen Euro eingehalten werde, hieß es in einer Mitteilung, die die Stadt am Donnerstagabend nach einer langen, nicht-öffentlichen Beratung des Haupt- und Bauausschusses herausgab.
Neben den bekannten Standorten am Europakreisel und im Portland-Steinbruch sollen auch die Optionen Neu- oder Ausbau am Bruchweg weiterverfolgt werden. Darüber hinaus steht noch eine fünfte, bisher jedoch nicht näher bezeichnete Variante im Raum. Dieser Standort soll so lange wie möglich geheim gehalten werden, um Vorgespräche oder Grundstücksverhandlungen nicht abermals „unter dem grellen Flutlicht der öffentlichen Diskussion“ führen zu müssen.
In der nächsten Woche will der „Arbeitsstab Stadion“ erstmals tagen. Völlig offen ist derzeit, ob und wie schnell es die erhoffte Lösung bei der Standortsuche geben wird. In der Stadion-Frage habe sich jedenfalls gezeigt, dass die herkömmliche Ämter-Organisation einer Kommune nicht dazu geeignet sei, ein solches Projekt zu verwirklichen, meinte Beutel nach der Ausschusssitzung. Jede neue Überlegung der Verwaltung sei sofort als „Strategiewechsel“ interpretiert, jede neue Schwierigkeit nicht zuletzt in den Medien als „K.-o.-Faktor“ bezeichnet worden. Nun gelte es, die Erkenntnisse zu bündeln, um so rasch wie möglich zu einer Entscheidung zu kommen. Der jüngste Krisengipfel im Rathaus scheint bei den Verantwortlichen jedenfalls eher für Zuversicht gesorgt zu haben.