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Neue Fluglärm-Studie Mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebsfälle

11.01.2010 ·  Fluglärm macht krank: Zu diesem Schluss kommt der Bremer Mediziner und Epidemiologe Eberhard Greiser. Kritisch bewertet er die vom Regionalen Dialogforum für Frankfurt vorlegte Belästigungsstudie, in der ein Zusammenhang zwischen Fluglärm und Erkrankungen verneint werde.

Von Heike Lattka
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Fluglärm macht krank: Zu diesem Schluss kommt der Bremer Mediziner und Epidemiologe Eberhard Greiser. Er ist Autor einer umfassenden Studie, die den Arzneimittelverbrauch und die Krankheitsbilder in den Anrainerkommunen des Flughafens Köln/Bonn auswertete. Es gebe „außerordentlich starke Indizien“ dafür, dass mit wachsendem nächtlichen Fluglärm das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder einer Krebserkrankung steige. Am Donnerstagabend stellte der Wissenschaftler auf Einladung der Initiative „Pro Flörsheim“ seine Ergebnisse in der Flörsheimer Stadthalle vor.

Kritisch bewertete Greiner die vom Regionalen Dialogforum für Frankfurt vorlegte Belästigungsstudie, in der ein Zusammenhang zwischen Fluglärm und Erkrankungen verneint werde. Die Studie sei „von vorn bis hinten Schrott“, sagte der Fachmann vor gut 400 Zuhörern. Unter Beifall unterstützte er die Forderung, zügig eine Untersuchung zu den Auswirkungen des Flugverkehrs auf die Gesundheit der Menschen in der Region zu machen.

Mehr Mittel gegen Bluthochdruck und Kreislaufstörungen

In der Studie für Köln/Bonn analysierten Greiser und weitere Wissenschaftler rund eine Million Krankenakten für Patienten aus der Umgebung des Flughafens und verglichen diese mit Krankendaten aus Regionen, die nicht von Fluglärm betroffen sind. Auslöser waren die Hinweise einer Ärzteinitiative aus dem Rhein-Sieg-Kreis, die darauf aufmerksam gemacht hatte, dass in den Städten und Gemeinden rund um den Kölner Flughafen mehr Medikamente gegen Bluthochdruck, Kreislauf- und Schlafstörungen sowie Depressionen verschrieben werden als in ruhigeren Gegenden.

Als Greiser die Richtigkeit dieser Beobachtung auf Grundlage der größten Datenbasis, die für eine solche Studie jemals zur Verfügung stand, nachgewiesen hatte, unterstützte das Umweltbundesamt eine zweite Untersuchung über den direkten Zusammenhang von Fluglärm und Erkrankungen. Greiser fand heraus, dass eine im Freien gemessene Belastung von durchschnittlich 50 Dezibel am Tag das Risiko einer Kreislauferkrankung erhöhe - um 20 Prozent für die Bewohner von Häusern mit Schallschutzfenstern und um 40 Prozent für Bewohner ohne Schutzfenster. Das Schlaganfallrisiko erhöhe sich entsprechend um 40 beziehungsweise 80 Prozent. Greiser forderte deshalb, die Lärmschutz-Grenzwerte von 70 Dezibel tagsüber und 60 Dezibel nachts deutlich zu senken.

Der Wissenschaftler sprach zwar von einer „bedingten Übertragbarkeit“ der Ergebnisse auf die Rhein-Main-Region, sah aber auch deutliche Parallelen. Rund 1,7 Millionen Personen lebten rund um den Frankfurter Flughafen. Bei einer Beschallung mit 42 bis 46 Dezibel täglich müsse mit 5500 zusätzlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, rund 6000 zusätzlichen Schlaganfällen und 3000 zusätzlichen Brustkrebserkrankungen als Folge des Fluglärms gerechnet werden. Auf Wunsch der Flörsheimer Initiative rechnete Greiser die Belastung der Stadt am Main bis zum Jahr 2020 hoch - und prognostizierte eine Zunahme der Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 100 Prozent, der Zahl der Schlaganfälle um 150 Prozent und der Brustkrebsfälle um 200 Prozent.

Kardiologe: „Greisers Tabellen sind vorbildlich“

Der Epidemiologe widersprach ausdrücklich der für den Frankfurter Flughafen erstellten Belästigungsstudie: Dem Gutachten fehlten die Forschungshypothese und Vergleiche mit einer vom Fluglärm unbelasteten Referenzgruppe. „Schreiend davonlaufen“ müsse man als Wissenschaftler, wenn man die veröffentlichten Belastungstabellen betrachte: Demnach sänken die Bluthochdruckerkrankungen mit steigendem Fluglärm - hier sei viel Steuergeld verschleudert worden. Mit seinen weiteren Ausführungen machte Greiser deutlich, dass nach seiner Meinung für den Frankfurter Flughafen keine belastbaren Daten vorliegen über den Zusammenhang von Lärm und Gesundheitsrisiken.

Mit den Worten „Greisers Tabellen sind vorbildlich“ stützte der Mainzer Kardiologe Thomas Münzel die Ergebnisse. Insbesondere die Angaben über Zusammenhänge von Lärm und Bluthochdruck seien für ihn nicht überraschend, sagte der Professor. Es sei das Gebot der Stunde, eine seriöse Frankfurter Studie zu erstellen, forderte er. Als Initialzündung für ein solches Gutachten wollte der Grünen-Landespolitiker Frank Kaufmann die Veranstaltung verstanden wissen. Für 500.000 Euro könnte eine solche Analyse laut Greiser binnen eines Jahres erstellt werden, wenn Kommunen und Krankenkassen Daten zur Verfügung stellten. Dann allerdings müsste Greiser sich in das „Haifischbecken“ der kontroversen Interessen stürzen, sagte Kaufmann. Dazu wäre der Bremer offensichtlich bereit: Er vergesse nicht, dass der Steuerzahler sein Gehalt zahle: „Sie können auf mich zählen.“

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Jahrgang 1960, Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

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