Auf dem Langener Friedhof werden ein Friedpark und ein muslimisches Grabfeld entstehen. Auf einer etwa 3000 Quadratmeter großen Fläche im südöstlichen Teil der Begräbnisstätte soll der „Friedpark“ entstehen. Dies sieht das Konzept vor, das von den Kommunalen Betrieben Langen (KBL) in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal und einem Fachbüro, beide aus Kassel, vorgelegt wurde.
50.000 Euro stellte die KBL-Betriebskommission in den Wirtschaftsplan ein, um das Vorhaben zu verwirklichen. Die Kommunalen Betriebe, die für den neun Hektar großen, parkähnlichen Friedhof zuständig sind, verzeichnen eine gestiegene Nachfrage nach pflegeleichten und naturnahen Gräbern. Mit dem Friedpark soll nach Angaben von KBL-Betriebsleiter Manfred Pusdrowski einer neuen Bestattungskultur in Deutschland Rechnung getragen werden: „Das klassische Beispiel, dass die Nachkommen die Gräber ihrer Eltern und Großeltern pflegen, wird seltener.“ Nicht fehlender Wille, sondern ein anderer Wohnort oder berufliche Gründe spielten dabei häufig eine Rolle. Pusdrowski wies außerdem darauf hin, dass älteren Menschen die Grabpflege mitunter schwerfalle.
Die Kommunalen Betriebe wollen die in Langen möglichen Grabarten um ansprechende und gleichzeitig pflegeleichte Bestattungsformen erweitern. Was man plane, entspreche Baumbestattungen und Landschaftsgräbern, sagte Pusdrowski. Der Friedpark kommt als letzte Ruhestätte dann in Frage, wenn ein Angehöriger sich um ein Grab nicht kümmern kann oder wenn eine Bestattung in freier Vegetation gewünscht wird. Auf der vorgesehenen Fläche stehen große Buchen, die gut ins Konzept passen. Vorgesehen ist, den Friedpark naturnah zu gestalten. Das Konzept orientiert sich an der Geländeform. Geschwungene Formen dominieren. Gerade Wege und rechteckige Einfassungen fehlen. Anstelle eines kurzgeschnittenen Rasens gibt es eine Wiese, die auch wachsen darf.
Die Grabstätten werden weder in einer bestimmten Reihenfolge noch regelmäßig angeordnet. In Stelen- oder Landschaftsgräbern können die Verstorbenen bestattet werden; biologisch abbaubare Urnen sind dabei ebenso möglich wie Särge. Bei den Stelen lassen sich mehrere Urnen oder Särge etwa von Familienangehörigen einem gemeinschaftlichen Natursteinquader zuordnen. Auf Messingbronzeblättern, die auf dem Stein angebracht werden, sind die Namen der Toten zu lesen. Bei den Landschaftsgräbern soll eine Natursteintafel mit dem Namen des Verstorbenen die Stelle der Beisetzung anzeigen. Die Pflege übernimmt die Friedhofsverwaltung, was die Angehörigen entlastet. Sie sparen auch die Ausgaben für einen individuellen Grabstein.
Bevor das Konzept verwirklicht werden kann, muss jedoch die Langener Friedhofssatzung geändert werden. Noch vor der Sommerpause erhalten die Stadtverordneten eine entsprechende Vorlage.
Dabei soll auch ein muslimisches Grabfeld mit nach Mekka weisender Gebetsrichtung auf einer bisher nicht genutzten Freifläche im südlichen Teil des Friedhofsareals ausgewiesen werden. Der Koran schreibt vor, dass Muslime unter ihresgleichen beerdigt werden. Nach Angaben von Pusdrowski wird bei den KBL immer wieder wegen muslimischer Bestattungen angefragt. Es sei damit zu rechnen, dass der Bedarf steige. Höhere Kosten im Vergleich zu herkömmlichen Bestattungsarten entstünden nicht.

