10.04.2008 · Die Regionalpark-Gesellschaft will die Routen des Regionalparks im Rhein-Main-Gebiet samt Attraktionen künftig touristisch vermarkten und das Netz zu einer Hauptroute zusammenführen. Auch an „Ranger“ ist gedacht.
Von Mechthild HartingBürgern, die in unmittelbarer Nähe wohnen, sind sie bekannt, die bisher vorhandenen Regionalpark–Routen. Etwa die Teilabschnitte zwischen Hochheim und Hattersheim, entlang der Hohen Straße zwischen Frankfurt und Schöneck oder die Wegeverbindungen zwischen Mainspitze und Egelsbach/Dreieich. Mehr als 150 Attraktionen wie Aussichtstürme, Naturdenkmäler, historische Objekte, Spielplätze, Alleen, Gärten und Grünanlagen sind entlang dieser Strecken entstanden. Jetzt haben die Gesellschafter der Regionalpark Rhein-Main GmbH beschlossen, 2,7 Millionen Euro zu investieren, um diese Teilstücke bis 2010 zu einer 190 Kilometer langen ringförmigen Hauptroute zu verbinden, die komplett das Kerngebiet des Ballungsraums umschließen soll.
Und die sogenannte Regionalpark-Dachgesellschaft will bis Ende des Jahres ein Konzept vorlegen, wie das vorhandene Wegenetz und der Regionalpark als wichtiger weicher Standortfaktor der Region touristisch vermarktet werden kann. „Wir wollen nicht länger darauf warten, dass die Leute uns entdecken“, sagte Geschäftsführer Lorenz Rautenstrauch.
25.000 bis 30.000 Besucher im Geopark
Ihm schwebt dabei vor, „Regionalpark-Führer“ oder „Erlebnisbegleiter“ auszubilden, die nach einer längeren Schulung über die vorhandenen Touristikorganisationen der Städte und Kreise in der Region für eine professionelle Führung zu buchen sein sollen. Rautenstrauch orientiert sich dabei am Beispiel des Unesco Geoparks Bergstraße-Odenwald. Dort seien 45 professionelle zertifizierte „Ranger“ tätig, die unterschiedliche Themenschwerpunkte anböten und jährlich 25.000 bis 30.000 Besucher durch den Geopark führten.
Auch die Regionalpark-Gesellschaft erhalte häufig Anfragen von Unternehmen, die geführte Touren durch den Regionalpark als Betriebsausflug organisieren oder ihre Geschäftskunden auf diese Weise mit der Region vertraut machen wollten. Beides sei bisher nicht möglich. Das Angebot soll sich auch an Städtetouristen richten, um sie, entgegen dem weitverbreiteten Image, auf die interessanter Historie, die attraktiver Landschaft der Region hinzuweisen. Die Zahl der Interessenten könnte sich wirtschaftlich durchaus lohnen Pro Jahr werden rund zwölf Millionen Übernachtungen in der Region registriert.
Angebotspakete werden geschnürt
„Die Landschaft erschließt sich nicht jedem von selbst“, ergänzte Dieter Popp von der Firma „Futour“, die mit der Konzepterstellung beauftragt wurde. Deshalb solle der Regionalpark mit Hilfe touristisch buchbarer Projekte „erlebbarer“ gemacht werden. Popp zufolge richtet sich das Angebot insbesondere auch an die Bewohner der Region und ihrer Besucher. Dass Führungen Anziehungspunkte seien, zeigten auch die Erfolge der regionalen Veranstaltungsreihen „Route der Industriekultur“ und „Garten Rhein-Main“.
Welche Angebotspakete es geben wird und wie viel für die einzelnen Touren und Führungen zu entrichten sein wird, all dies soll im Laufe dieses Jahres ermittelt und eine Palette der möglichen Arrangements etwa auch in Zusammenarbeit mit der heimischen Gastronomie erarbeitet werden. Dazu ist jetzt ein Arbeitsgruppe gegründet worden, in der die Landwirtschaft, Kultureinrichtungen, Umwelt- und Bildungsanbieter zusammen mit den regionalen Touristik-Organisationen wie der Frankfurter Tourismus und Congress GmbH, den Wiesbadener Kulturbetrieben und die Taunus-Touristik zusammenkommen. Auf keinen Fall solle zur vorhandenen regionalen Kooperation, dem Arbeitskreis Tourismus der Regionalkonferenz, eine Parallelstruktur geschaffen werden.
Brunnenweg in Bad Soden-Salmünster
Im nächsten Jahr will die Regionalpark-Gesellschaft jedenfalls schon einmal mit einem Pilotangebot starten, teilte Claudia Jäger (CDU), Erste Beigeordnete des Kreises Offenbach mit. Sie ist kommissarische Aufsichtsratsvorsitzende der GmbH, in der sich sechs Kreise, die Städte Frankfurt, Offenbach, Hanau, Bad Homburg und Rüsselsheim sowie der Planungsverband und das Land Hessen 2005 zusammengeschlossen hatten.
Jäger verwies darauf, dass der Regionalpark wie auch die dazugehörige Gesellschaft „sehr erfolgreich“ sei, was man nicht über alle regionalen Gesellschaft sagen könne, „manch eine habe nicht einmal die Gründungsphase abgeschlossen“, sagte Jäger und verwies damit auf die Kulturfonds GmbH. Um die Attraktivität des Regionalparks weiter zu steigern, das Wegenetz zu vervollständigen und sogar neu weiter hinaus in den ländlichen Raum etwa in Richtung Vogelsberg, Wetterau und den östlichen Main-Kinzig-Kreis auszudehnen – auch der Rheingau-Taunus-Kreis drängt auf Aufnahme in die Gesellschaft, sollen für rund 2,3 Millionen Euro weitere 13 Projekte in der Region realisiert werden wie ein Aussichtsturm in Wiesbaden-Kostheim, ein Brunnenweg in Bad Soden-Salmünster und die Gestaltung eines Entreés für die Hohe Straße im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim.