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Naherholungsgebiet Truppenübungsplatz für Urwildpferde

15.07.2009 ·  Eine der Konversionsflächen in Hanau ist als Naturschutzgebiet bei der Europäischen Union gemeldet. Frei lebende Pferde sollen dort für den Erhalt der einzigartigen Magerwiesen sorgen.

Von Luise Glaser-Lotz, Hanau
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Das Komplizierteste an ihnen ist ihre Bezeichnung: Przewalski-Pferde. Doch die Hanauer werden sich an den schwierigen Namen ebenso schnell gewöhnen wie an die Tiere, für die er steht. Das Interesse an den Pferden ist jedenfalls enorm. So haben sich mehr als 350 Bürger am Dienstagabend im Congress Park Hanau eingefunden, wohin das Konversionsbüro der Stadt zu einem Informationsabend über das Naturschutzprojekt eingeladen hatte. Noch in diesem Sommer soll die erste Gruppe von vier bis fünf Tieren – ein Hengst mit Stuten – auf dem früheren Truppenübungsplatz Campo Pond in Hanau-Großauheim ankommen. Über die Schnelligkeit von der Idee bis zur Verwirklichung zeigte sich denn auch der Referent des Abends, der Münchner Zoodirektor Henning Wiesner, überrascht und begeistert. Erst im vergangenen Herbst hat die amerikanische Armee rund 340 Hektar Militär- und Kasernenflächen geräumt, darunter auch das 70 Hektar große Übungsgelände zwischen den Stadtteilen Wolfgang und Großauheim.

Jahrzehntelang war das Areal für die Öffentlichkeit abgeschottet, während dort von Soldaten der Einsatz mit Panzern geprobt wurde. Die Abschottung des Geländes machte es trotz der Militärübungen zu einem Refugium für geschützte Pflanzen und Tierarten. Über die Jahre entstand ein Biotop mit wertvollem Sand-magerrasen, Steppenvegetation und einer fast unberührten Waldfläche. Wildschweine, Rehe, Hasen, Fledermäuse und seltene Amphibienarten sind hier zu Hause. Als FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) steht es unter dem Schutz der Europäischen Union.

Früher Panzer, heute Pferde

Das Gelände darf aber nicht sich selbst überlassen werden. Was früher die Panzer besorgten, sollen nun die Pferde übernehmen. Sie sollen mit ihren Hufen den Boden des Sandmagerrasens umpflügen und den Bewuchs darauf klein halten, sollen neue Baumtriebe entfernen und das Gelände vom Unterholz befreien. All das passt genau in ihre Lebens- und Fressgewohnheiten. Ansonsten brauchen die genügsamen Pferde nur noch Wasser und Platz, weiteres Futter ist nicht notwendig.

Eine Zeitlang gab es nicht einmal mehr das für die Pferde. Deshalb sind sie in der freien Natur ausgestorben. Dabei gelten die Przewalski-Pferde als einer von drei Urstämmen aller Pferde auf dieser Erde. Und sie sind die einzigen, die letztlich überlebt haben. Die relativ kleinen, gedrungen gebauten Pferde mit kurzen Beinen, dickem Hals und großem Kopf erinnern weniger an ein Hauspferd denn an ein Pony. Aber sie sind wesentlich massiger und in ihrem Verhalten scheuer, aber auch aggressiver als diese.

Im Moment gibt es weltweit 1500 Tiere

Ihr schwieriger Name stammt von dem russischen Oberst Nikolai Przewalski, der Ende des 19. Jahrhunderts von einer Reise nach Zentralasien, der Heimat der Wildpferde, einen Schädel und ein Fell mitbrachte und die Art damit in der Wissenschaft publik machte. Damals war die Uhr für die Pferde aber fast schon abgelaufen. Die überwiegend in der mongolisch-chinesischen Grenzregion beheimateten Tiere waren stark bejagt worden und durch Ausweitung der Weideflächen immer weiter verdrängt worden in unwegsame Gebiete, wo sie nicht einmal mehr Wasser fanden. Zuletzt wurde ein freilebendes Przewalski-Pferd Ende der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gesichtet.

Nachdem der Mensch die Art so gut wie ausgerottet hatte, sorgte er schließlich doch noch für ihr Überleben. Um 1900 wurden einige Tiere eingefangen und gelangten auch nach Europa. Ihre Nachzucht gestaltete sich zunächst schwierig. Schließlich waren nur noch 13 Tiere am Leben. Bis 1972 blieb die Population dennoch erhalten. Als Wiesner damals als Tierarzt im Münchner Tierpark Hellabrunn begann, traf er dort eine unfruchtbare Herde von Przewalski-Pferden an. Sie litten an einer Bakterieninfektion. Nachdem sie mit Antibiotika behandelt worden waren, fingen sie an, sich fortzupflanzen. Seitdem sind rund 100 Fohlen dort zur Welt gekommen. Wiesner initiierte ein internationales Aufzuchtprogramm und leitet es bis heute. Der jetzige Bestand der Pferde in Zoos und Tierparks beläuft sich auf gut 1500 Tiere, manche von ihnen wurden bereits wieder in der Mongolei ausgewildert.

Für die Bürger soll es zum Naherholungsgebiet werden

Wenn es in Hanau viel Nachwuchs geben sollte, werden einige der Nachkömmlinge in Campo Pond auf ein Leben in freier Natur vorbereitet werden. Für die Ankunft der ersten Zuchtgruppe im August sind die Vorbereitungen schon weit gediehen. Im Auftrag von Bundesforst, dem Eigentümer des Geländes, wurden für die Tiere giftige Robinien entfernt. Außerdem steht schon eine Koppel. Wenn alles fertig ist, sollen rund um den See von Campo Pond vier Kilometer Holzzäune errichtet sein, die durch ein Elektroband zusätzlich gesichert werden. Der äußere Zaun, den noch die Amerikaner bauten, soll als zusätzlicher Schutz erhalten bleiben. So wird das Gelände nicht frei zugänglich sein.

Den Bürgern soll es gleichwohl als Naherholungsgebiet zur Verfügung stehen. Mit Fertigstellung eines Empfangsgebäudes und eines Informationszentrums wird es Führungen über das Gelände und zu den Pferden geben. Die Stadt Hanau bezahlt im ersten Jahr einen Mitarbeiter, der sich um die Tiere kümmert. Finanziert wird das Gesamtprojekt von der Deutschen Bahn, die damit ihr Ökokonto für den Bau einer ICE-Trasse füllt. Für den künftigen Unterhalt strebt die Stadt die Gründung eines Fördervereins an.

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