Das vom Möbelkonzern Ikea europaweit verwirklichte Konzept der „Homeparks“ soll am deutschen Stammhaus in Wallau nur in reduzierter Form realisiert werden. Die Verkaufsflächen für den Homepark werden um 29 Prozent – von 23.900 auf 17.000 Quadratmeter – verringert, wie Ikea-Projektleiterin Maja Terney Hansen ankündigte. Die Unternehmenssprecherin begründete dies mit Einwänden der umliegenden Kommunen und der Kritik aus dem Hofheimer Stadtteil Wallau. Die Wirtschaftskrise sei kein Grund für die verringerte Planung, vielmehr sehe Ikea ein großes Entwicklungspotential in Wallau. Hansen bezifferte die Investitionssumme mit 60 Millionen Euro – zehn Millionen weniger als ursprünglich geplant.
Ikea, das 1977 an der Autobahn 66 zwischen Frankfurt und Wiesbaden in Wallau sein deutsches Vorzeigehaus etablierte, möchte mit den erweiterten Verkaufsflächen nach Angaben Hansens den Standort dauerhaft sichern. Keine Abstriche würden deshalb am geplanten Ausbau der Ikea-Verkaufsräume um 4.000 Quadratmeter gemacht.
Neue Arbeitsplätze
Den Rotstift setzt Ikea den Angaben zufolge bei den Flächen an, die vermietet werden sollen: So fällt ein im Nordosten des Areals geplanter Gebäuderiegel, in dem Einzelhandel rund ums Auto vorgesehen war, weg. Der Homepark für Mieter wird auf 17.000 Quadratmeter begrenzt: Beim Möbelsortiment fallen 30 Prozent der Flächen weg (8.500 Quadratmeter statt 14.200). Gestrichen werden 18 Prozent der Flächen für Elektrowaren (von 3.900 auf 3.200 Quadratmeter), und 25 Prozent (von 2.000 Quadratmeter auf 1.500) der Fahrradfachmarktflächen entfallen. Der Tierfachmarkt und der kleine Babyfachmarkt bleiben von den Änderungen unberührt, wie Hansen sagte. Der geplante Marktplatz, auf dem Spielfeste oder ein schwedischer Weihnachtsmarkt stattfinden sollen, büße aber die Hälfte der zunächst vorgesehenen Fläche ein.
Hansen rechnet mit etwa 200 neuen Arbeitsplätzen nach der Fertigstellung des Homeparks. Damit erhöhe sich die Zahl der Beschäftigten in Wallau auf 950. Falls die Regionalversammlung im Februar dem Vorhaben zustimme, könne der Komplex im Oktober 2012 eröffnet werden, sagte die Unternehmenssprecherin.
Wallaus grüne Lunge
Mit Zufriedenheit reagierten Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD), Erster Stadtrat Wolfgang Exner (CDU) und Planungsdezernent Wolfgang Winckler (SPD) auf den veränderten Entwurf. Die Planung komme den Wallauern entgegen, die Einschnitte beim Naherholungsgebiet Wiesengrund befürchtet hatten, sagte Winckler.
Für die Ikea-Erweiterung muss von 108 Kleingärten, die an das Möbelhaus angrenzen, etwa die Hälfte weichen. Diese sollen im mehrere hundert Meter entfernten Wiesengrund neu entstehen. Der Wiesengrund ist rund 6,5 Hektar groß, dient als Ausgleichsfläche für den früheren Bau der ICE-Trasse und gilt als Wallaus grüne Lunge.
Attraktivität der Innenstadt
Es sei gut, dass Ikea die Kritik aus Frankfurt, Wiesbaden und Mainz ernst genommen und sich zur Umplanung entschlossen habe, bevor das Thema in der Regionalversammlung zur Sprache gekommen sei, sagte Winckler. Die Stadt Hofheim werde ihrerseits noch am Montag einen Antrag auf Zielabweichung für die Regionalplanung stellen. Die Stadtverordnetenversammlung soll sich Anfang 2010 mit der Änderung des Bebauungsplans befassen.
Wenn sich eine Kommune wegen neuer Märkte an den Stadträndern um die Attraktivität der Innenstadt sorge, sei dies nachzuvollziehen, sagte Exner. Kommunen dürften ihre Einwände gegen Großprojekte anderer Städte aber nicht als „Konkurrenzschutz für ihre eigenen Märkte auf der grünen Wiese missbrauchen“.

