29.06.2007 · Der hessische Verkehrsminister Alois Rhiel hat den Lohbergtunnel für den Verkehr freigegeben. Der 1080 Meter lange und 41 Millionen Euro teure Tunnel ist eines der aufwendigsten hessischen Straßenbauprojekte der vergangenen Jahre.
Von Til HuberNach mehr als dreieinhalb Jahren Bauzeit hat der hessische Verkehrsminister Alois Rhiel (CDU) den Lohbergtunnel für den Verkehr freigegeben. „Das ist ein großes Ereignis für die Menschen im Ort, die endlich aufatmen können“, sagte Rhiel.
Das Bauwerk ist Teil der Umgehung um den Mühltaler Ortsteil Nieder-Ramstadt. Die Bundesstraße 426 führt künftig östlich am Wohngebiet vorbei, bislang fuhren täglich rund 14.000 Autos durch den Ort. Nach Meinung von Experten wird sich diese Zahl um mehr als die Hälfte verringern.
Planung seit den sechziger Jahren
Der 1080 Meter lange und 41 Millionen Euro teure Tunnel ist eines der aufwendigsten hessischen Straßenbauprojekte der vergangenen Jahre. Insgesamt kostete die neue 2,1 Kilometer lange Umgehungsstraße 51 Millionen Euro. „Es gibt nur wenige Plätze in Deutschland, wo wir so teuer bauen“, merkte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Achim Großmann (SPD), mit Blick auf die Kosten pro Kilometer an. Der Bund übernimmt diese zu 100 Prozent.
Pläne für eine Ortsumgehung hat es in Mühltal schon in den sechziger Jahren gegeben. Zunächst war eine Trasse über den Lohberg geplant, dafür hätten jedoch Teile des Berges abgetragen werden müssen. Erst in den achtziger Jahren kam die Idee auf, einen Tunnel zu bauen. Aber erst im Februar 2004 wurde mit den Spreng- und Fräsarbeiten zur Untertunnelung des Berges begonnen. Weil dabei Asbest freigesetzt wurde, mussten die Arbeiter spezielle Anzüge und Mundschutz tragen. Die Fertigstellung des Tunnels verzögerte sich um einige Monate.
Im Süden wurden 65 und im Norden 112 Meter der Röhre in offener Bauweise erreichtet, 903 Meter entstanden in bergmännischer Bauweise. Parallel zu dem etwas mehr als einen Kilometer langen Tunnel verläuft ein 790 Meter langer Fluchtstollen, der an drei Stellen durch Querschläge mit dem Straßentunnel verbunden ist. Der Stollen soll bei Unfällen als Rettungsweg dienen.
Oldtimer durften den Tunnel einweihen
Die ehemalige hessische Wissenschaftsministerin und „Tunnelpatin“ Ruth Wagner (FDP) sprach von der hervorragenden Arbeit, die geleistet worden sei. Sie wies darauf hin, dass es keine größeren Zwischenfälle und Verletzungen gegeben habe, allerdings sei ein Mann auf dem Weg zur Baustelle tödlich verunglückt. Die Politikerin mahnte kürzere Planungszeiten für derart große Straßenbauprojekte an. Die Mühltaler hätten mehr als vierzig Jahre auf die Umgehungsstraße warten müssen, gab sie zu bedenken. Schon Heinz Herbert Karry (FDP), der von 1970 an hessischer Wirtschaftsminister gewesen war, habe sich seinerzeit mit dem Projekt beschäftigt. „Alle anderen Europäer planen schneller und bauen schneller als wir“, sagte Wagner.
Der Landrat des Kreises Darmstadt-Dieburg, Alfred Jakoubek (SPD), lobte den Lohbergtunnel als „großartige Handwerks- und Ingenieurleistung“. An Verkehrsminister Rhiel und Staatssekretär Großmann gerichtet, rief er zum weiteren Bau von Umgehungsstraßen in der Region auf. Auch in Ober-Ramstadt und Pfungstadt seien in den vergangenen Jahren wichtige Projekte verwirklicht worden, eine zusätzliche Umgehungsstraße zwischen Spachbrücken und Reinheim sei deswegen als „logische Fortsetzung“ zu betrachten. „Wir wollen den Transitverkehr dort haben, wo er hingehört, nämlich auf den umliegenden Autobahnen.“
Dann war der Worte genug, sprangen Motoren an. Eine Kolonne von rund 30 Oldtimern, mit Rhiel und Wagner an der Spitze, fuhr in den Tunnel ein. Es waren die ersten Wagen, die ihn durchfuhren.