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Motorradsaison Fahrverbote als Ultima Ratio

11.04.2009 ·  Kaum bevölkern die Motorradfahrer wieder die Straßen, gibt es die ersten Toten. Zu Beginn der Motorradsaison wollen die Landkreise Unfälle mit Bikern vermeiden helfen, zum Teil auch mit drastischen Verboten.

Von Falk Sinß
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Zu Beginn der Motorradsaison wollen die Landkreise Unfälle mit Bikern vermeiden helfen, zum Teil auch mit drastischen Verboten. Denn kaum bevölkern die Motorradfahrer nach den ersten Strahlen der Frühlingssonne wieder die Straßen, gibt es auch schon tödliche Unfälle zu vermelden. Allein in Hessen kamen in der vergangenen Woche vier Motorradfahrer nach Unfällen ums Leben, weitere verletzten sich zum Teil schwer.

Die Unfallursachen sind meist ähnlich. Einige Fahrer überschätzen offenbar ihre Fähigkeiten oder deuten die Beschaffenheit der Fahrbahnoberfläche falsch und verlieren daraufhin die Kontrolle über ihr Gefährt. Einige wenige verwechseln zudem die Bundes- und Landstraßen der Region immer wieder mit einer Rennstrecke. Dazu kommt die Unachtsamkeit der Autofahrer, die die Motorräder wegen ihrer schmalen Silhouette leichter übersehen und ihre Geschwindigkeit häufig unterschätzen. Auf den bei Motorradfahrern besonders beliebten und stark befahrenen kurvenreichen und landschaftlich interessanten Straßen kracht es deshalb immer wieder.

Eine dieser Pisten ist die Landstraße zwischen Hetzbach und Hesseneck-Kailbach, die so genannte „Krähbergstrecke“. Früher wurden auf der Straße, die über den Krähberg führt, Bergrennen ausgetragen. „Rennsportähnliche Szenen“ hätten sich aber auch später noch an der Straße abgespielt, sagt Kai Gerfelder, Pressesprecher des Odenwaldkreises. Nachdem die Zahl der Motorradunfälle zwischen 2005 und 2007 von acht auf 29 in die Höhe schnellte, entschloss sich der Odenwaldkreis, die „Krähbergstrecke“ für 2008 von März bis Oktober für den Motorradverkehr an Wochenenden und Feiertagen zu sperren. Mit einigem Erfolg.

Strecken werden für Biker gesperrt

Die Polizei verzeichnete in diesem Zeitraum keinen einzigen Motorradunfall. Deshalb bleibt die Straße künftig generell von März bis Oktober an Wochenenden und Feiertagen für Motorradfahrer gesperrt. Allerdings verunglückten vergangenes Jahr sieben Biker unter der Woche. Ein Zweiradfahrer kam ums Leben. Ob es einen direkten Zusammenhang zwischen der Häufung von Unfällen an Wochentagen, die „ein Novum“ darstellten, und der Sperrung gebe, könne noch nicht beantwortet werden, sagt Gerfelder. Man werde die Unfallentwicklung unter der Woche aber im Auge behalten, sagt er. „Bei steigenden Unfallzahlen muss eventuell über eine Ausdehnung der Sperre nachgedacht werden.“

Stark frequentierte und unfallträchtige Motorradstrecken gibt es auch im Hochtaunuskreis. Das seien im Feldberggebiet vor allem die Hochtaunusstraße, die Schmittener Straße und die Kanonenstraße sowie die Weilstraße, sagt Polizeisprecher Siegfried Schlott. Die Polizei versuche einerseits, präventiv auf die Motorradfahrer einzuwirken, zum Beispiel in Gesprächen auf Motorradtreffen, in denen die Polizisten auf die Gefahren des Hobbys und die rechtlichen Konsequenzen bei Verletzung der Verkehrsregeln hinwiesen, andererseits mit repressiven Einsätzen wie Verkehrskontrollen und Geschwindigkeitsmessungen, fügt Schlott an.

Bisher allerdings mit geringem Erfolg. Von 2006 auf 2007 stieg die Zahl der verunglückten Motorradfahrer im Landkreis von 72 auf 88. Allerdings sank die Zahl der schwerverletzten motorisierten Zweiradfahrer von 35 auf 32, und die Zahl der Todesopfer ging von drei auf zwei zurück. Eine genauere Untersuchung zu den Unfällen im Feldberggebiet für die Jahre 2006 und 2007 ergibt ein ähnliches Bild. Auf der Strecke von Oberursel über den Sandplacken und das Gipfelplateau bis zum Roten Kreuz verunglückten 14 Motorradfahrer im Jahr 2006, ein Jahr später waren es 29. Zwei starben, acht wurden schwer verletzt. Eine Sperrung für den Zweiradverkehr sei trotzdem nicht vorgesehen, sagt Pamela Ruppert, Sprecherin des Hochtaunuskreises.

Motorradsicherheitstage als präventive Maßnahme

Der Landkreis versuche stattdessen, die Strecke so sicher wie möglich zu machen, zum Beispiel mit frischen Straßenmarkierungen oder sogenannten „federnden Blechen“. Sie werden unter den herkömmlichen Leitplanken angebracht und sollen verhindern, dass ein gestürzter Fahrer unter der Straßenbegrenzung hindurchrutscht oder gegen den Stützpfosten stößt. Dieser Unterfahrschutz wurde in der Region bisher entlang der Kanonenstraße zwischen Oberursel und Schmitten sowie an der Aarstraße zwischen Bad Schwalbach und Michelbach im Rheingau-Taunus-Kreis angebracht.

Dort könnte es an der Aarstraße und der Wisperstraße zu einem Fahrverbot für den Motorradverkehr kommen, wenn es nicht bald gelänge, mehr Disziplin unter die Kraftradfahrer zu bringen, sagt der Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, Burkhard Albers (SPD). Besonders an der Aarstraße spielten sich zunehmend lebensbedrohliche Szenen ab, die auch unbeteiligte Verkehrsteilnehmer gefährdeten. Das zeigt auch die Unfallstatistik. Für das Jahr 2006 verzeichnet sie an der Aarstraße elf Motorradunfälle. Darunter fünf mit Schwerverletzten und einer mit tödlichem Ausgang.

Ein Jahr später stieg die Zahl der Unfälle auf 16. Fünf Fahrer erlitten schwere Verletzungen, für einen Kraftradfahrer endete der Ausflug in den Taunus tödlich. Im vergangenen Jahr sank zwar die Zahl der schwer verunglückten Motorradfahrer auf zwei, aber auch 2008 musste ein Biker sein Hobby mit dem Leben bezahlen. Albers, der selbst ein leidenschaftlicher Motorradfahrer ist, sagt, mittlerweile meide er die Aarstraße, wenn er selbst mit dem Motorrad unterwegs sei, da er die Strecke für zu gefährlich halte.

Etwas besser sieht die Statistik für die Wisperstraße aus. Dort gab es in den vergangenen drei Jahren keine tödlichen Motorradunfälle. Auch die Zahl der Unfälle sank von 18 im Jahr 2007 auf elf im Jahr 2008. Albers schreibt den Rückgang vor allem dem immer schlechter werdenden Fahrbahnbelag zu. Für den Fall, dass die Straßenoberfläche jedoch saniert werden sollte, befürchtet er mehr Unfälle. Er hoffe aber, dass die Polizei mit regelmäßigen Verkehrskontrollen, Radarmessungen und Motorradstreifen die Raser zur Vernunft bringen werde.

Auch präventiv versuchten die Beamten, die motorisierten Zweiradfahrer für dieses Problem zu sensibilisieren, zum Beispiel mit Motorradsicherheitstagen. Denn eine Sperrung der reizvollen Strecken durch den Untertaunus wolle niemand, sagt Albers. Der Großteil der Motorradfahrer beachte die Verkehrsregeln und würde mit einem Fahrverbot unnötig bestraft. Eine Sperrung könne deshalb nur die Ultima Ratio sein.

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