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Moderne Berufsschule Die Lernwelt folgt der Arbeitswelt

Angehende Kaufleute und Jugendliche, die um einen Abschluss ringen, lernen mit Gymnasiasten unter einem Dach: Über eine Berufsschule als Form der Gesamtschule.

© Lena Grimm Vergrößern Alles unter einem Dach: Jugendliche, die in der Max-Eyth-Schule in Dreieich die Produktionsschule besuchen...

Meistens dunkelblau, gerne geländegängig sind die Autos, die morgens um kurz vor acht vor der Strothoff International School vorfahren. Aus den Fonds springen Kinder und verschwinden hinter der großen Glastür. Wenn sie später in ihren Klassenzimmern sitzen, blicken sie auf ein langgestrecktes Gebäude, das aussieht wie ihres und das sie mit einem Steinwurf erreichen könnten. Die Räume darin sind ausgestattet wie ihre, von den Tischen bis hin zu den Smartboards, die statt Tafeln an den Wänden hängen. Aber es ist nur der äußere, aus einer politischen Idee geborene Rahmen, der auf einem Areal seitlich der Hauptstraße im Dreieicher Stadtteil Sprendlingen zusammenzwingt, was nicht zusammengehört. Die teure Privatschule, in der die Schüler so gut wie alle Deutsche sind, die Unterrichtssprache aber Englisch ist, und die berufliche Max-Eyth-Schule, die eine andere Wirklichkeit abbildet. Die eine Welt hat mit der anderen nichts zu tun.

7.45 Uhr in der Max-Eyth-Schule. Direktor Walter Schwarz, ein großer, fülliger Mann mit freundlichem Schnauzbart und hohem Zigarettenkonsum, einer, der es schafft, atemlos und gelassen zugleich zu wirken, hat die ersten paar Tassen Kaffee des Tages längst getrunken. Sein Stellvertreter Wolf-Dieter Gäbert sitzt an einem Computer hinter einem großen, gebogenen Schreibtisch, der voll ist mit Akten und Papieren, und der Drucker spuckt noch mehr aus. Vom Schuleingang bis in dieses Zimmer zu laufen dauert ein paar Minuten. Die Wege sind lang in dem Gebäude, in dem sich Klassenzimmer befinden und Labors. Eine voll eingerichtete Kfz-Werkstatt. Eine Metallwerkstatt und eine, in der Holz verarbeitet wird. Das Lehrerzimmer hat beinahe Fußballfeld-Format, mit Ecken und Nischen und Schließfächern und Sofas und Schreibtischen, und wenn sich die Lehrer nebeneinander stellen würden, bildeten sie eine lange Schlange.

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„Eibe“ - Eingliederung in Berufs- und Arbeitswelt

Um zu zeigen, was in seiner Schule alles passiert, faltet Schwarz ein Blatt auseinander, das dabei vierfache DIN-A4-Breite bekommt. Es zeigt die Schultypen, die in der Max-Eyth-Schule existieren. Teilzeit-Berufsschule, zweijährige höhere Berufsfachschule, Berufliches Gymnasium. Fachoberschule, zweijährige Berufsfachschule, einjährige Berufsfachschule. Berufsgrundbildungsjahr. Berufsvorbereitungsjahr. „Eibe“: Eingliederung in Berufs- und Arbeitswelt. Innovative Produktionsschule, Abend-Realschule. Acht Abschlüsse können an dieser Bildungseinrichtung gemacht werden, sie ist so etwas wie eine Mega-Gesamtschule. Absolventen verlassen sie mit dem Gesellenbrief und Kaufmannsgesellenbrief, mit dem Realschulabschluss, dem Abitur. Angehende Fachhochschul-Studenten sitzen mittags in der Cafeteria neben Kfz-Mechatronikern in Ausbildung, Gymnasiasten neben Jugendlichen, die versuchen, einen ordentlichen Hauptschulabschluss hinzubekommen und dabei viel Hilfe brauchen. Zehn Schulformen, zehn Ausbildungsberufe, deren theoretischer Teil hier gelehrt wird. 2076 Schüler, 126 Lehrkräfte, acht Verwaltungsangestellte; der Schulleiter ist Mitglied in 40 Prüfungsausschüssen. Wonach man auch fragt in dieser Schule, in den Antworten ist alles groß.

Max-Eyth-Schule - An der Berufsschule in Dreieich Sprendlingen lernen 2000 Jugendliche vom HauptschŸler bis Gymnasiasten Szenen aus dem Schulalltag © Lena Grimm Vergrößern ...und sich zum Beispiel in Schweißen üben

Die Klasse, die Robert Hitzel unterrichtet, ist klein. Rechnungswesen steht auf dem Stundenplan der knapp zehn Groß- und Außenhandelskaufleute, die heute da sind. Was die Fähigkeit angeht, ihr Leben zu meistern, sind diese jungen Frauen und Männer so etwas wie die Besten unter ihresgleichen. Einen mutmaßlich guten Schulabschluss haben sie schon in der Tasche, einen Ausbildungsplatz gefunden. Am Smartbord, das Hitzel via Laptop bedient, geht es um die Führung von Warenkonten. Die Stimmung ist freundlich. Mit Trinkflaschen, Obst und Naschereien haben zwei Mädchen aus ihren Plätzen Gemütlichkeitsinseln gemacht. Sie wickeln sich in weiche, nachgiebige Stoffe ein, während sie zuhören und schreiben in gut leserlicher Schrift, mit buntem Schreibgerät. Wenn es stimmt, dass vor allem Mädchen von Bürojobs träumen, weil die trocken und warm sind - dieses Bild mutet an wie ein Beweis dafür, dass diese Sehnsucht existiert.

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