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Minister eröffnet Vertriebenen-Ausstellung im Hessenpark

Das Entree der neugestalteten Ausstellung "Vertriebene in Hessen" im Hessenpark ist nicht unumstritten gewesen: Einen finsteren, nur durch eine Laterne erhellten Güterwaggon, in dem Kindergeschrei, Hundegebell ...

Das Entree der neugestalteten Ausstellung "Vertriebene in Hessen" im Hessenpark ist nicht unumstritten gewesen: Einen finsteren, nur durch eine Laterne erhellten Güterwaggon, in dem Kindergeschrei, Hundegebell und die besorgten Originalstimmen von den ehemaligen Flüchtlingen zu hören sind, müssen die Besucher der neuen Ausstellung im Haus Sterzhausen und in der Scheune aus Damshausen passieren, bevor sie einen erhellten Raum betreten. Mit dem ungewöhnlichen Effekt sollen insbesondere Jugendliche zumindest ein wenig nachempfinden können, wie sich die aus ihrer Heimat Vertriebenen aus dem Sudetenland, Ostpreußen oder Schlesien einst auf ihrer Fahrt ins Ungewisse gefühlt haben.

Für den früheren Landtagsabgeordneten Rudolf Friedrich, Beauftragter der hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, der gemeinsam mit dem hessischen Finanzminister Karlheinz Weimar (beide CDU) die Ausstellung eröffnete, war dies ein besonders bewegender Moment. Friedrich erinnerte sich daran, wie er selbst als Kind mit seinen Eltern 1946 aus einem solchen Viehwagen schließlich in Weilmünster ausgestiegen sei und wie sehr ihn gerade dieses Erlebnis der Vertreibung bis heute tief geprägt habe. Wenn er den zu Demonstrationszwecken aufgebauten Waggon erblicke, dann bewege ihn dies innerlich sehr. Vertreibung, wo immer sie passiere, sei Unrecht.

Die neu konzipierte Ausstellung wertete der Landesbeauftragte als einen Beitrag, die Vertriebenenschicksale als Teil der hessischen Geschichte darzustellen und dies gerade jungen Menschen näherzubringen. Weimar erinnerte daran, daß schon vor 16 Jahren die erste Dauerausstellung zum Thema Vertreibung im Hessenpark eröffnet wurde, die allerdings in ihrer wissenschaftlichen und didaktischen Form nicht mehr zeitgemäß sei. Diesen Ansprüchen werde nun mit einer Investition von 435000Euro Rechnung getragen. Dies beweise das große Interesse der hessischen Landesregierung an der Aufbereitung des Themas. Das Kulturgut der Vertreibungsgebiete müsse erhalten, und die Anstrengungen der Vertriebenen beim Wiederaufbau der Bundesrepublik müßten in gebührender Weise dargestellt werden. Ohne diesen Teil der deutschen Geschichte könne die Gegenwart nur schwer verstanden werden. Denn es sei schon vielfach vergessen, welche große Aufbauleistung Vertriebene geleistet hätten, deren Integration in ungewöhnlich erfolgreicher Form erfolgt sei.

Die Vertriebenen, hob Weimar hervor, hätten in den vergangenen Jahrzehnten stets radikalen Versuchungen widerstanden und in ihrer Charta ein friedliches Bekenntnis für ein gemeinsames Europa abgelegt. Diese große politische Leistung biete wohl das größte und beste Beispiel für Versöhnung. Der Finanzminister räumte ein, daß die Gefahr bestehe, daß "eine der größten Tragödien des zwanzigsten Jahrhunderts", die Vertreibung, in Vergessenheit gerate und daß dies einigen Kreisen wohl auch ganz recht wäre - "mit uns nicht", sagte der Minister unter großem Beifall. Die hessische Landesregierung werde Vergessen und Verdrängen nicht zulassen, weil dies nicht dem Frieden diene. Die Ausstellung gebe einen Eindruck vom schrecklichen Erlebnis der Vertreibung, zeige die gelungene Bewältigung der Gegenwart und sei eine Mahnung für die Zukunft.

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