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Mineralwasser Aus tiefer Quelle

16.03.2007 ·  Schon in der Frühgeschichte entdeckten die Menschen mineralhaltige Brunnen. Der Aufstieg zum Durstlöscher Nummer eins begann aber erst vor etwa 30 Jahren.

Von Wolfram Ahlers
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Mit mehr als 600 Mineralwasserquellen ist Deutschland ein Brunnenland. Schon bei den Römern stand dieses Tiefenwasser aus Germanien so hoch im Kurs, dass sie keine Mühe scheuten, es in Tonkrügen über die Alpen bis in ihre Heimat zu transportieren. Das kam nicht von ungefähr, denn sie schätzten den perlenden Geschmack germanischen Wassers.

Später erkannten Mediziner den therapeutischen Wert des Mineralwassers. In den Quellorten etablierten sich die ersten Trinkkuren, Mineralwasser aus deutschen Brunnen gelangte bis nach Übersee. Wegen beschwerlicher Transportwege mit entsprechenden Kosten blieb Mineralwasser lange Zeit freilich nur für Wohlhabende erschwinglich. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts änderte sich das, als sich die Logistik verbesserte.

Wasser aus Rhön, Westerwald und Taunus

Der Aufstieg zum Durstlöscher Nummer eins begann erst in den zurückliegenden drei Jahrzehnten. Vor dem Zweiten Weltkrieg tranken die Deutschen im Durchschnitt lediglich etwa zwei Liter. Bis Anfang der siebziger Jahre wuchs der Pro-Kopf-Verbrauch auf rund zwölf Liter, zehn Jahre später waren es schon 40 Liter. Nicht zuletzt im Zuge wachsenden Gesundheitsbewusstseins stieg der Verbrauch seit Mitte der neunziger Jahre auf mehr als hundert Liter. Nach Angaben des Verbands Deutscher Mineralbrunnen kletterte der Absatz in den ersten Jahren dieses Jahrzehnts bis auf etwas mehr als neun Milliarden Liter, mit Rekord im Jahrhundertsommer 2003. Nach leichtem Rückgang meldet der Verband für das vergangene Jahr wieder ein Plus von knapp zwei Prozent.

Mineralwasser hat einen langen Weg hinter sich, bevor es in die Flasche gelangt. Es bildet sich aus Regen, Schnee oder Hagel, die bis zu mehreren hundert Metern tief in den Boden sickern. Auf seinem Weg nach unten nimmt dieses Wasser Mineralien wie Magnesium, Natrium oder Calcium auf – je nach Beschaffenheit der Schichten in unterschiedlicher Konzentration. Quellen mit besonders mineralhaltigem Wasser sprudeln vor allem in Gegenden, wo in erdgeschichtlich jüngerer Zeit Vulkane tätig waren oder tektonische Verwerfungen auftraten. Dazu zählen unter anderem die deutschen Mittelgebirgsregionen. Zu den bekanntesten Brunnenstandorten zählen in Hessen neben Rhön und Westerwald insbesondere die Gegenden am Rand des Taunus.

So entdeckten unsere Vorfahren schon in der Frühgeschichte in den Niederungen der Lahn am Nordabhang des Taunus mineralhaltige Quellen, deren Wasser zu den bekanntesten deutschen Marken zählt, für manche sogar Synonym für Mineralwasser ist – Selters. Ausgestattet mit dem Nassauer Brunnensiegel, wurde das nach dem gleichnamigen Ort in der Nähe von Limburg benannte Wasser einst vor allem an Höfen kredenzt. Selterswasser rühmten schon im 16. Jahrhundert Mediziner: „Dieser Brunn öffnet die Verstopfungen von Leber, Milz, Lungen, Nieren und Blasen.“

Quellenstandort Wetterau

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts errichtete man einen modernen Brunnenbetrieb, der die Grundlage für den Export von Selters in viele Länder legte. Einen der Grundsteine für den heutigen Quellenbetrieb legte eine Bohrung vom Ende des 19. Jahrhunderts, als die Stadtväter von Selters aufgrund von Hinweisen neue Bohrungen in Auftrag gaben. Tatsächlich stieß man in vergleichsweise geringer Tiefe auf eine ergiebige Quelle, reich an Mineralien. Zu Ehren der letzten deutschen Kaiserin erhielt die Quelle den Namen „Selters-Sprudel Augusta Victoria“.

Nicht nur als eine der führenden landwirtschaftlichen Regionen Deutschlands gilt die Wetterau, auch die Brunnenindustrie spielt eine wichtige Rolle. Mehr als zehn Prozent der deutschen Mineralwässer werden dort abgefüllt. In Bad Vilbel sind die Mineralquellen der bedeutendste Bodenschatz. Kenner sprechen von einem besonderen Quellenstandort, weil sich dort auf kleinem Raum Wässer unterschiedlicher Mineralisierung fördern lassen. Das liegt in der Geologie begründet, denn in der Senke der südlichen Wetterau sammelt sich in der Tiefe Wasser unterschiedlicher Herkunft, aus dem Vogelsberg ebenso wie aus dem Taunus. Deshalb können die Bad Vilbeler Brunnenbetriebe Mineralwässer für fast die gesamte Palette der Nachfrage abfüllen – vom natriumarmen Wasser etwa für die Zubereitung von Babynahrung bis zu Getränken, die sich durch hohen Gehalt an Magnesium und Calcium auszeichnen, den Knochenaufbau fördern oder der Fitness dienen.

Mit der Quellengeschichte Bad Vilbels ist der Name Friedrich Grosholz verbunden, der Ende des 19. Jahrhunderts nach Vilbel kam. Ursprünglich hatte er den Auftrag, an der Kartierung der Provinz Hessen mitzuwirken. Schon bald fand er aber heraus, dass zu seinem Anwesen eine der ältesten Quellen in der Vilbeler Gemarkung gehörte, die er alsbald wieder aktivierte. Später wurde dieser Brunnen unter dem Namen „Vilbeler Urquelle“ bekannt. Grosholz entwickelte einen florierenden Handel mit „quellreinem, wohlschmeckendem Wasser“. Den Quellen hat Bad Vilbel auch den Ruf als Fremdenverkehrsort und Heilbad zu verdanken. 1936 erschloss man im Kurpark aus mehr als 300 Metern Tiefe einen Sprudel, der später als Heilquelle staatliches Siegel erhielt. Kurz nach dem Krieg wurde der Stadt die Bezeichnung Bad zuerkannt.

Rosbacher wieder auf Expansionskurs

Bis in die Zeit des Friedrich Grosholz reicht auch der Ursprung der Hassia- Gruppe zurück, die sich von kleinen Anfängen zu einem der führenden Mineralbrunnen-Unternehmen Deutschlands entwickelt hat. Hervorgegangen aus einer einfachen Abfüllanlage, die Philipp Wilhelm Hinkel auf seinem Hof eröffnete, wo er eine Mineralwasserquelle erschlossen hatte, wuchs der Betrieb Stück für Stück. Heute ist die in Familientradition geführte Unternehmensgruppe mit mehr als tausend Mitarbeitern und einem Gesamtabsatz von zuletzt rund 860 Millionen Litern in Hessen die Nummer eins der Branche.

Nach der Erweiterung durch Betriebe in den neuen Bundesländern übernahm Hassia zuletzt einen bedeutenden Konkurrenten aus der Nachbarschaft: den Rosbacher Brunnen. Um den wirtschaftlich angeschlagenen Traditionsbetrieb wieder auf Erfolgskurs zu bringen, investierte Hassia am Standort Rosbach in den zurückliegenden Jahren einen zweistelligen Millionenbetrag in Modernisierung und Erweiterung.

Mit rund zehn Prozent verzeichnete Rosbacher im vergangenen Jahr den größten Zuwachs unter einem halben Dutzend Mineralwassermarken der Hassia-Gruppe. Dass sich der Rosbacher Brunnen wieder auf Expansionskurs befindet, ist nicht zuletzt geschickter Vermarktung zuzuschreiben: So wirbt man damit, dass der doppelt so hohe Gehalt an Calcium gegenüber Magnesium aus ernährungsphysiologischer Sicht optimale Mineralstoffaufnahme ermöglicht. Als Botschafter für dieses Qualitätswasser haben die Werbestrategen Michael Schumacher engagiert.

Trend zu „weichen“ Produkten

Um sich am Markt behaupten zu können, hat die Branche in den zurückliegenden Jahren die Produktpalette immer mehr erweitert. So hat man bei Hassia beispielsweise das Sortiment um Wasser mit verschiedenen Fruchtaromen erweitert oder das Angebot an Erfrischungsgetränken mit Mineralwasser-Fruchtsaft-Kombinationen breiter gefächert.

Beim Wasser selbst ist der Trend zu „weichen“ Produkten zu beobachten. Stagnierte der Absatz bei kohlensäurehaltigem Wasser, verzeichnete der Verband Deutscher Mineralbrunnen für die Stillen Wässer zweistellige Zuwachsraten. Gleichwohl bevorzugt noch immer mehr als die Hälfte der Kunden Mineralwasser mit höherem Kohlensäureanteil.

Investitionen in Millionenumfang erforderten auch bei Hassia, dem Trend nach Flaschen aus Kunststoff Rechnung zu tragen. Hassia setzt dabei vor allem auf die wiederverwendbaren Kunststoff-Pfandflaschen, verschließt sich aber auch Neuheiten wie der PET-Cycle-Viereckflasche nicht, die sich insbesondere durch geringes Gewicht auszeichnet. Gleichwohl ist die traditionelle Glasflasche bei den Kunden mit einem Anteil von knapp 40 Prozent noch immer sehr gefragt. Bei manchen Marken, wie der Bad Vilbeler Urquelle, die vor allem von Stammkundschaft lebt, beträgt der Glasanteil sogar noch 60 Prozent.

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Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

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