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Militärflugplatz Igstadt Noch ein Fluglärmproblem in Hessen

 ·  Als ob die Flugzeuge aus Frankfurt nicht laut genug wären. Bei Wiesbaden bekommen die Menschen zusätzlich den Lärm von einem Militärflugplatz ab. Dagegen wehren sie sich jetzt.

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Der 52 Jahre alte Psychotherapeut Bernd Wulf in Wiesbaden-Igstadt führt ein Therapiegespräch mit zwei Kindern. Plötzlich wird es laut, Therapeut und Patienten verstehen kein Wort mehr. Durch das Fenster erblicken die Kinder ein Militärflugzeug, das direkt auf das Haus zufliegt. Sie erschrecken sich, haben Angst.

Wenige Sekunden später rauscht die Maschine über das Haus hinweg und verschwindet aus ihrem Blickfeld. Der Krach hält noch zwei Minuten an, dann wird es still. Konsterniert sagt Psychotherapeut Wulf: „Jedes Mal ist es, als ob in zehn Meter Entfernung ein Presslufthammer am  Fenster vorbeifliegt.“

Was Wulf die Ruhe nimmt, ist nicht etwa der Fluglärm aus Frankfurt. Den hört er natürlich auch. Die militärischen Ruhestörer sitzen direkt nebenan, es handelt sich um die Flieger vom amerikanischen Flugplatz Wiesbaden-Erbenheim.

17.000 Flugbewegungen im Jahr

Laut amerikanischer Armee sind dort aktuell 20 Flugzeuge stationiert. Etwa zwei Drittel davon sind Propellerflugzeuge, bei einem Drittel handelt es sich um Düsenjets. Im Sommer werden 15 Transporthubschrauber hinzukommen, wie die Amerikaner vor wenigen Tagen ankündigten.  Von 10.000 Starts und Landungen im Jahr wird die Zahl der Flugbewegungen dann auf rund 17.000 steigen. Hintergrund für die neuen Flieger in Wiesbaden ist, dass die amerikanische Armee ihr Europa-Hauptquartier von Heidelberg in die hessische  Landeshauptstadt verlegt.

Mit 17.000 Flugbewegungen im Jahr wird der Flugplatz in Wiesbaden
zukünftig ähnlich stark beflogen wie das Europa-Hauptquartier der
amerikanischen Luftwaffe in Ramstein (Rheinland-Pfalz). Auf ihrem größten Luftwaffenstützpunkt außerhalb der Vereinigten Staaten verzeichneten die Amerikaner im vergangenen Jahr rund 17.600 Flugbewegungen.

„Das Hauptproblem ist, dass nicht mit den Bürgern gesprochen wird. Die Amerikaner ändern einfach ihre Flugrouten und sagen uns nichts davon“, beklagt der Psychotherapeut Wulf. Er hat eine  Lärmmessstation aufgebaut. Dort messe er regelmäßig Werte zwischen 80 und 90 Dezibel, sagt Wulf. Das entspricht dem Lärm einer  Motorsäge.

„Wenn man sie hört, dann richtig“

Wulf reicht es. Deswegen demonstriert er nicht nur regelmäßig gegen den Lärm der Flugzeuge aus Frankfurt, sondern engagiert sich auch in einer neu gegründeten Bürgerinitiative. Sie nennt sich „Bürgerinitiative gegen Lärm und Gefahren der US-Flugzeuge“ und fordert, dass die  Amerikaner mehr Rücksicht auf die Anwohner nehmen.

Nachts ist der Gründer der Initiative, Lothar Klein, auf Ohrstöpsel angewiesen. „Man hört nicht ständig US-Flieger, aber wenn man sie hört, dann richtig“, sagt der 61 Jahre alte Mann. Der Pädagoge beteiligte sich auch schon an Demos gegen den Frankfurter Fluglärm, von dem er auch betroffen ist. „Mein Gefühl ist, die Amerikaner fliegen, wenn die Frankfurter Pause machen“, sagt Klein.

„Wir wollen transparent sein“

In letzter Zeit hätten die Beschwerden über den Fluglärm zugenommen, berichtet Siegfried Schneider, Sprecher der Stadt Wiesbaden. Das liege aber nicht hauptsächlich daran, dass sich immer mehr Menschen  beklagen. Laut Schneider beschweren sich diejenigen, die sich ohnehin beschweren, einfach nur öfter als sonst.

Das Verhältnis der Stadt zu den Amerikanern beschreibt Schneider als gut. Zweimal im Jahr treffe sich eine Fluglärmkommission und berate darüber, wie man den Lärm reduzieren kann. Außerdem spreche Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) regelmäßig mit dem  Kommandeur der amerikanischen Streitkräfte in Wiesbaden, David Carstens.

Carstens sagte kürzlich dem „Wiesbadener Kurier“: „Wir wollen transparent sein, versuchen uns streng an unsere Routen zu halten und vermeiden, Wohngebiete zu überfliegen.“ In den vergangenen zwei
Monaten habe es bereits fünf Treffen mit dem Oberbürgermeister gegeben, in denen es auch um das Thema Fluglärm gegangen sei. Manchmal jedoch, räumte Carstens ein, „lassen sich Flüge außerhalb
der Routen und Zeiten nicht vermeiden“.

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Von Matthias Alexander

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