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Milchprotest Für leere Milchregale reicht das Geld nicht

04.06.2008 ·  Sie kamen, sahen und kauften: In Bad Schwalbach hat ein Bauernverband bei Aldi 1.500 Liter Milch erstanden, um die Milchbauern der Region zu unterstützen. Am Ende fehlte aber das Geld, um die Versorgung nachhaltig zu stören.

Von Oliver Bock
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Aus Solidarität mit den Milchbauern in der Region haben Mitglieder des Kreisbauernverbands Rheingau-Taunus versucht, auf ihre Weise zur Verknappung der Milch im Einzelhandel beizutragen. Bei der Bad Schwalbacher Filiale des Lebensmittel-Discounters Aldi erwarben sie rund 1500 Liter haltbare Milch – ohne deshalb allerdings die Milchversorgung in der Kur- und Kreisstadt nachhaltig stören zu können.

Für den Verbandsvorsitzenden und Kreislandwirt Thomas Kunz war die Aufkaufaktion aber in erster Linie ein Akt der Solidarität mit den Milchviehbetrieben, von denen es im Landkreis noch ein gutes Dutzend gibt. Den Milcheinkauf finanzierten die Landwirte nicht aus der Kasse des Kreisbauernverbands, sondern aus der eigenen Tasche. In etwa einem Dutzend Einkaufswagen stapelten sich nach nur 15 Minuten schon rund 1500 Tüten mit haltbarer Milch – erzeugt nicht in der nur 300 Meter entfernten Schwälbchen-Molkerei, sondern in der Filiale der genossenschaftlichen Hochwald-Molkerei in Kaiserslautern.

Kunden gingen nicht leer aus

Die beiden halbvollen Paletten im Einkaufsmarkt waren von den Bauern zwar schnell geplündert, doch ebenso schnell legte die Marktleitung nach, fuhr neue Paletten aus dem Lager auf und ließ die Landwirte wissen: „Wenn ihr uns leerkaufen wollt, habt ihr euch viel vorgenommen.“ So sicher war sich die Marktleitung, dass die Verkäuferinnen an den Kassen auch nicht auf der Beschränkung „haushaltsüblicher Mengen“ beharrten.

Am Ende überstieg der Milchvorrat von Aldi tatsächlich deutlich die Investitionsbereitschaft der Landwirte, so dass kein Kunde leer ausging. Die aufgekaufte Milch wurde indes nicht weggeschüttet, sondern noch auf dem Parkplatz an Renata Wilhelm von den „Tafeln“ im Untertaunus übergeben. Die „Tafeln“ versorgen in 400 Haushalten rund 1000 Personen über die drei Ausgabestellen in Bad Schwalbach, Idstein und Taunusstein und waren deshalb mit dem unerwarteten Milchsegen sehr zufrieden. Für die Landwirte gab es Spendenquittungen und den Trost, den Ausverkauf der Milch zumindest beschleunigt zu haben.

Minister Dietzel will Kompromiss finden

Von den protestierenden Milchbauern war im Umfeld der Schwälbchen-Molkerei dagegen gestern nichts mehr zu sehen. Sie hatten ihre Blockade schon am Vortag beendet, nachdem der Bundesverband der Milchviehhalter dazu aufgerufen hatte, die „Besuche“ bei Molkereien einzustellen, damit deren Vertreter keine Ausreden hätten, Gespräche mit Bauern abzusagen. Zudem hatte es auch Druck aus der Politik und mancherorts Konflikte mit der Polizei und nichtstreikenden Berufskollegen gegeben. Der Lieferstopp solle aber fortgesetzt werden, hieß es gestern vom Verband, der auf seiner Internetseite sogar einen Milchlieferstopp-Rechner installiert hat und der Milchindustrie vorgeworfen hat, die Lage dadurch zu verschärfen, dass sie sich Gesprächen verweigere.

Solche Gespräche hat auch Hessens Landwirtschaftsminister Wilhelm Dietzel (CDU) angemahnt. Es müsse „ruhig und besonnen“ ein vertretbarer Kompromiss gefunden werden. Bei allem Verständnis für den Lieferstopp müsse jeder einzelne Milchbauer selbst entscheiden dürfen, ob er sich am Boykott beteilige. Dies müsse auch von den Berufskollegen akzeptiert werden. Die Blockade von Werken wie in Bad Schwalbach sei „problematisch“, wenn dadurch andere Landwirte oder Molkereien geschädigt werden. Eine sichere Versorgung mit Nahrungsmitteln brauche eine faire Partnerschaft zwischen Landwirtschaft, Handel und Verbraucher.

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