18.05.2010 · Wenn der Trägerverein der Odenwaldschule Ende Mai zu einer Sitzung zusammenkommt, wird er das angesichts weiterer Missbrauchsopfer tun. Wie die von der Schule beauftragte Anwältin berichtet, sind „noch ein paar“ Fälle hinzugekommen.
An der Odenwaldschule im südhessischen Heppenheim sind mehr als 40 Schüler missbraucht worden. „Es sind noch ein paar hinzugekommen“, sagte die von der Schule beauftragte Wiesbadener Rechtsanwältin Claudia Burgsmüller. „Es sind aber nicht drastisch mehr, es geht nicht in die Hunderte.“ Genaue Zahlen nannte sie nicht.
Die für ihre Reformpädagogik bekannte Privatschule spricht bisher von etwa 40 Betroffenen zwischen 1966 und 1991. Burgsmüller will bis Ende Mai einen Zwischenbericht über die sexuellen Übergriffe vorlegen. „Ganz aktuelle Fälle haben wir nicht.“ Der Skandal war Anfang März neu an die Öffentlichkeit gekommen.
Trägerverein trifft sich am 29. Mai
Die Staatsanwaltschaft Darmstadt ermittelt gegen sechs frühere Lehrer und einen ehemaligen Schüler. Sieben Verfahren wurden eingestellt, unter anderem wegen Verjährung. Zu den noch laufenden Ermittlungen zählen auch die gegen den früheren Leiter Gerold Becker, der von 1969 bis 1985 an der Odenwaldschule tätig war und als Hauptbeschuldigter gilt. Er hat die Verfehlungen zugegeben und sich entschuldigt.
Am 29. Mai kommt der Trägerverein der Schule zu einer Sitzung zusammen. Dann soll auch ein neuer Vorstand gewählt werden. Von den sieben Mitgliedern dieses Gremiums hatten fünf Ende März unter Druck ihre Ämter zur Verfügung gestellt.