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Mainz Technik soll Gesicht in der Menge erkennen

08.09.2006 ·  Was die Technik der biometrischen Überwachung leisten kann, will das Bundeskriminalamt von Oktober bis Januar im Mainzer Hauptbahnhof testen.

Von Matthias Trautsch
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Die mißglückten Terroranschläge auf zwei deutsche Regionalzüge haben den Befürwortern der Videoüberwachung neue Argumente geliefert. Datenschützer und Bürgerrechtler warnen hingegen vor immer mehr Kameras auf öffentlichen Plätzen. Eine neue Dimension erhält die Diskussion durch den Einsatz der biometrischen Gesichtserkennung. Was diese Technik leisten kann, will das Bundeskriminalamt von Oktober bis Januar im Mainzer Hauptbahnhof testen.

Aufmerksamen Zugreisenden sind die zusätzlichen Kameras nicht entgangen, die über dem Haupteingang im Bahnhofsgebäude installiert worden sind. Direkt darunter hat das Bundeskriminalamt vor einigen Tagen einen Stand aufgebaut. Dort können sich Passanten nicht nur über den geplanten Test informieren. Wer das Vorhaben unterstützen will, kann sich selbst als Versuchsteilnehmer melden. Einzige Voraussetzung ist, daß die Testperson die Eingangshalle des Bahnhofs während des zwölfwöchigen Forschungsprojekts regelmäßig, am besten täglich, durchquert.

Körpermerkmale werden mit einer Datei abgeglichen

Die biometrische Technik geht weit über die gängige Videoüberwachung hinaus. Während herkömmliche Kameras Passanten nur filmen, können biometrische Systeme individuelle Körpermerkmale erkennen. Diese werden mit einer Datei abgeglichen, in der Fotos von gesuchten Personen gespeichert sind. So ist es möglich, jemanden in Sekundenschnelle zu identifizieren. Wenn ein einzelner ruhig vor der Kamera steht - etwa bei einer Zutrittskontrolle -, funktioniert das schon recht gut.

Weit schwieriger sind die Bedingungen im öffentlichen Raum. Dort gilt es, Gesichtszüge aus einer sich bewegenden Menschenmenge herauszufiltern und zuzuordnen. Ob das überhaupt möglich ist, soll der Versuch in Mainz zeigen. Dabei kommen Systeme verschiedener Hersteller zum Einsatz. Die Kameras sind auf einen Teil der Treppen in der Eingangshalle gerichtet. Wenn die vorab fotografierten Testteilnehmer den markierten Abschnitt passieren, sollen die Systeme sie unter den übrigen Reisenden erkennen. Ob dies fehlerfrei gelingt, wird mittels eines Transponders, den die Freiwilligen bei sich tragen, kontrolliert.

Daß der Mainzer Hauptbahnhof für den Test ausgewählt wurde, liegt laut Bundeskriminalamt an den günstigen und konstanten Lichtverhältnissen, die in der Eingangshalle herrschen. Überdies könne dort jedermann, der nicht von den Systemen erfaßt werden möchte, auf einen anderen Teil der Treppenanlage ausweichen oder den Aufzug benutzen. Die Aufzeichnungen Unbeteiligter würden nach spätestens 48 Stunden, die Daten der Testpersonen nach Projektabschluß gelöscht.

Skeptiker zweifeln an der technischen Umsetzbarkeit

Die Bereitschaft, bei dem Versuch mitzumachen, ist laut Bundeskriminalamt groß. Die nötigen 200 Teilnehmer seien schon gefunden. Es würden jedoch weitere Freiwillige gesucht, die bei Bedarf als Ersatz einspringen könnten. Der Informationsstand soll bis zum 22. September werktags zwischen 7 und 10 sowie 14 und 19 Uhr besetzt sein. Wenn der Test erfolgreich verlaufe, könne die Biometrie künftig vielfältige Anwendung finden. So wäre es möglich, hilflose Menschen aufzuspüren. Bei einer Fahndung oder vor einem Fußballspiel könnten gesuchte Kriminelle oder polizeibekannte Hooligans in der Menge identifiziert werden.

Skeptiker bezweifeln indes, daß die Technik einwandfrei funktioniert. Die Lichtverhältnisse seien beispielsweise nicht überall so gut wie am Mainzer Hauptbahnhof. Wer etwas zu verbergen habe, könne sich mit einfachen Mitteln wie Brille oder Bart unkenntlich machen. Datenschützer befürchten überdies, daß die Gesichtserkennung auch gegen Unbescholtene angewendet wird. Ein terroristischer Anschlag ließe sich mittels biometrischer Systeme nur dann verhindern, wenn ein Foto des Verdächtigen gespeichert wäre. Dies gilt aber als eher unwahrscheinlich: So standen die Männer, die im Juli Kofferbomben in Regionalzügen deponierten, nicht im Visier der Fahnder. Sie führten ein unauffälliges Leben und wären nicht in die Datenbank eines biometrischen Systems gelangt.

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Jahrgang 1972, Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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