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Mainz Schloß-Sanierung nur mit Geld vom Land

Das Kurfürstliche Schloß in Mainz, eines der schönsten Renaissance-Gebäude in Deutschland, ist sanierungsbedürftig. Teile der Fassade sind vom Verfall bedroht, die technischen Anlagen sind heillos veraltet.

© F.A.Z. - Rüchel Vergrößern Stückwerk: Mainz kann sich eine Erneuerung des Kurfürstlichen Schlosses nicht leisten

Ginge es nach den Mainzer Malermeistern, dann könnte George W. Bush ruhig öfter kommen. Denn der Besuch des amerikanischen Präsidenten hat einigen von ihnen ein hübsches Geschäft beschert. Als im vergangenen Jahr das Treffen mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bevorstand, waren drei Malerbetriebe alleine im Kurfürstlichen Schloß beschäftigt. Sie verputzten die schlimmsten Schrammen, reparierten abgestoßene Leisten und strichen die Säle, in denen sich Bush und Schröder zu Gesprächen treffen wollten. Wenigstens die allzu augenfälligen Mängel sollten vor der Weltöffentlichkeit verborgen bleiben.

Mit ein paar Eimern Farbe ist es langfristig aber nicht getan. Das Kurfürstliche Schloß, eines der schönsten Renaissance-Gebäude in Deutschland, ist sanierungsbedürftig. Teile der Fassade sind vom Verfall bedroht, und die technischen Anlagen sind heillos veraltet. Einer Untersuchung der Gebäudewirtschaft Mainz zufolge würde eine umfassende Sanierung rund 44 Millionen Euro kosten. Doch die Stadt als Eigentümerin kann nicht einmal einen Bruchteil dieser Summe aufbringen.

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Nachdem sich Pläne, das Schloß zu verkaufen oder zum Hotel umzubauen, als unrealistisch herausgestellt haben, richten sich die Forderungen nun ans Land Rheinland-Pfalz. Die Ansprüche sind nicht unberechtigt, denn das Schloß gehört zum Regierungsviertel. Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) und sein Kabinett nutzen die Säle bei vielen offiziellen Anlässen. Der Mainzer Landtagsabgeordnete Gerd Schreiner (CDU) spricht deshalb sogar von „einer Selbstverständlichkeit, daß sich das Land angemessen beteiligt“.

Kurfürstliche Schloß mainz © F.A.Z. - Rüchel Vergrößern Im Großen Saal sind das Parkett und die technische Ausstattung verschlissen

Hoffen auf Beck

Derzeit mehren sich die Anzeichen, daß eine Finanzierungszusage kurz bevorsteht. So könnte Beck seine Regierungserklärung dazu nutzen, den Zuschuß öffentlichkeitswirksam anzukündigen. Dem Vernehmen nach soll es sich um einen Betrag von zehn Millionen Euro handeln. Für diesen Fall sei die Stadt vorbereitet, sagt Baudezernent Norbert Schüler (CDU). Er habe einen Stufenplan vorliegen, der zunächst die Sanierung des Großen Saals vorsehe. Demnach wären sieben Millionen Euro für die Erneuerung im Inneren und drei Millionen Euro für die Fassade nötig.

Dem Fernsehpublikum ist der Große Saal etwa von der Fastnachtssendung „Mainz, wie es singt und lacht“ bekannt. Neben närrischen Sitzungen finden dort Empfänge, Bälle und Tagungen statt. Kaum ein anderer Veranstaltungsort, den die städtische Congress-Centrum Mainz GmbH vermarktet, wird so regelmäßig gebucht. Doch oft müssen sich die Gäste mit technischen Unzulänglichkeiten abfinden. So entsprechen die Ton- und Lichtanlage nicht mehr dem aktuellen Standard.

Auch ansonsten befindet sich der Saal in schlechtem Zustand. Die einstmals prächtige Innenausstattung wurde im Krieg zerstört und danach in vergleichsweise schlichter Form wiederhergestellt. Inzwischen sind die Verkleidungen und Geländer aus den fünfziger Jahren unansehnlich geworden. Das Parkett knarrt bei jedem Schritt, eine Klimaanlage gibt es nicht, und an den Wänden hängen Lüftungskanäle, die an eine Fabrikhalle erinnern.

Sponsoren und Kommune sind überfordert

Bei einer Sanierung würden auch die Fenster hinter der Bühne wieder geöffnet, die nach dem Krieg durch eine Mauer verschlossen wurden. Damit verbunden wäre eine Erneuerung der Fassade rund um den Großen Saal. Andere Teile der Fassade sind schon in den neunziger Jahren saniert worden. Spender sowie Verbände und Betriebe haben überdies dafür gesorgt, daß sich der Leibniz-, der Forster- und der Mozartsaal in vergleichsweise guter Verfassung präsentieren.

Mit der Instandhaltung des ganzen Schlosses sind Sponsoren und Kommune aber überfordert. Die Stadt kann nach den Worten Schülers kein Geld dafür bereitstellen. Allerdings würde eine Sanierung mit den Kräften der städtischen Ämter und Gesellschaften unterstützt. Dies sei durch die vorliegenden Untersuchungen auch schon geschehen. Sobald Geld vorhanden sei, könne man die Arbeiten die Wege leiten.

Daß es bald soweit sein könnte, legt unter anderem ein Antrag der SPD zur heutigen Stadtratssitzung nahe. Die Sozialdemokraten fordern die Verwaltung auf, „zeitnah ein Konzept für die Sanierung des Kurfürstlichen Schlosses zu erarbeiten“. Insider vermuten, daß die SPD-Fraktion von den Parteifreunden im Land über die bevorstehende Finanzspritze informiert worden sei und die gute Nachricht für sich verbuchen wolle. Dies wiederum hat zu Verärgerung in Reihen von CDU und FDP geführt.

„Schaufensterantrag“

So bezeichnet der CDU-Fraktionsvorsitzende Armin Korn den Antrag als „alten Hut“. Das Sanierungskonzept sei vom Baudezernat längst erstellt worden; bisher habe es nur am Geld zur Verwirklichung gefehlt. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Christopher Sitte sprach von einem „Schaufensterantrag, mit dem sich die SPD publikumswirksam in den Vordergrund drängeln will“.

Die CDU weist überdies darauf hin, daß sie schon zuvor einen umfassenderen Antrag eingebracht habe. Erforderlich sei ein Konzept zum Erhalt aller städtischen Denkmäler. Dabei müßten der jeweilige Sanierungsbedarf, die Finanzierungsmöglichkeiten sowie die Einbindung von Sponsoren, Förderinitiativen und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz berücksichtigt werden.

Auch der Fraktionschef der Grünen, Günter Beck, sprach sich gegen „Einzeldiskussionen“ aus. Erst wenn ein Überblick über den gesamten Investitionsbedarf vorliege, könne die Stadt entscheiden, welche Gebäude wann und mit welchem Geld saniert werden könnten.

Quelle: F.A.Z., 24.05.2006

 
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