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Mainz Schaufenster für die Winzer

 ·  Es war die Zeit des Oberbürgermeister-Wahlkampfs, als das Thema mal wieder die Runde machte. Mainz müsse sich als „Hauptstadt des deutschen Weins“ ins rechte Licht rücken, sagte CDU-Kandidat Peter Krawietz.

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Es war die Zeit des Oberbürgermeister-Wahlkampfs, als das Thema mal wieder die Runde machte. Mainz müsse sich als „Hauptstadt des deutschen Weins“ ins rechte Licht rücken, sagte CDU-Kandidat Peter Krawietz. Diesem Ziel konnte sich sein Kontrahent, Amtsinhaber Jens Beutel (SPD), vorbehaltlos anschließen. Schließlich könne Mainz auf eine Weinbautradition zurückblicken, die bis zu den Römern reiche. Die Hauptstadt des Rebenlandes Rheinland-Pfalz sei zugleich das Tor zu Rheinhessen, dem größten deutschen Weinanbaugebiet.

Wenn es darum geht, die Bedeutung der heimischen Tropfen herauszustellen, lassen es lokale Politiker und Tourismuswerbung nicht an Worten mangeln. Um so unverständlicher ist es für viele Weinfreunde, daß es in Mainz keinen Ort gibt, an dem regionale Gewächse präsentiert, verkostet und gekauft werden können. Alle Bemühungen, eine Vinothek einzurichten und es damit Vorbildern aus anderen Weinbauregionen gleichzutun, sind bislang gescheitert.

„Touristen können in unserer Stadt Weine aus aller Welt kaufen, nur nicht unsere eigenen“, sagt Hans Willi Fleischer. Der Hechtsheimer, der zusammen mit seinem Sohn Michael rund 20Hektar in besten Lagen bewirtschaftet, gehört zu den Großen unter den Mainzer Winzern. Viele der übrigen rund zwei Dutzend Betriebe in den Vororten Ebersheim, Hechtsheim und Laubenheim widmen sich nur nebenbei der Weinerzeugung. Sie pflanzen auch Obst oder Kartoffeln an und verkaufen die Feldfrüchte am Straßenrand oder im hofeigenen Laden. Und wenn der Kunde will, kann er auch noch ein paar Flaschen aus dem Weinkeller mitnehmen.

Andere wiederum haben zu lange auf das vermeintlich sichere Geschäft mit Faßwein gesetzt. „Damit haben wir uns keinen Gefallen getan“, sagt Fleischer. In den zurückliegenden zwanzig Jahren hätten die Winzer unter niedrigen Preisen und schlechtem Image gelitten. Nur langsam setze ein Umdenken bei Produzenten und Käufern ein. Insofern spiegelten sich in der Landeshauptstadt die Probleme, die die Region Rheinhessen als Ganzes beschäftigten.

Im vergangenen Jahr hat sich Fleischer mit Gleichgesinnten zum Verein „Die Mainzer Winzer“ zusammengeschlossen. Bei allen Versuchen, die heimischen Gewächse einer breiten Käuferschar bekannt zu machen, erwies sich das Fehlen eines geeigneten Präsentations- und Veranstaltungsortes als Nachteil. „Deshalb haben wir uns nach einem zentral gelegenen Standort für eine Vinothek umgeguckt“, sagt Horst Hünerkopf vom Vorstand des Winzervereins. Im Gespräch sei etwa der Liebfrauenplatz gewesen - „doch das hat sich zerschlagen“. Unter seinen Kollegen habe sich die Meinung durchgesetzt, daß die Angebotspalette einer Vinothek nur mit Mainzer Weinen kaum zu bestreiten sei.

Seit einigen Wochen betreibt der Verein einen Probierstand am Rheinufer. Jeden Sonntag bietet ein anderer Winzer seine Erzeugnisse an. Bis Ende September soll auf rund hundert Sitzplätzen Gelegenheit bestehen, einen Schoppen aus hiesigem Anbau zu probieren. Einen Ersatz für feste Verkaufs- und Veranstaltungsräume stellt der Ausschank freilich nicht dar.

Was Winzern und Stadt aus eigener Kraft nicht gelungen ist, will nun ein Privatmann schaffen. In der zweiten Septemberhälfte soll in der Altstadt ein Weinhaus eröffnen, das die Aufgaben einer Vinothek übernimmt. Gründer und Eigentümer ist Michael Horn, der im Hauptberuf bei einer Bausparkasse tätig ist. Er habe lange außerhalb von Mainz gearbeitet, sagt der Dreiundfünfzigjährige. „Als ich zurückgekommen bin, habe ich mich umgeschaut und bin zu dem Schluß gekommen, daß hier etwas fehlt - ein Schaufenster für den Mainzer Wein.“

Auf der Suche nach Ladenflächen in touristischer Lauflage wurde Horn an der Augustinerstraße fündig. Das 1856 errichtete Haus an der Ecke zur Kartäuserstraße war im Sommer 2001 ausgebrannt und galt als Schandfleck in der beliebten Einkaufsstraße. Inzwischen ist die Sanierung weitgehend abgeschlossen. Der Blick durch die Schaufenster im Erdgeschoß gibt bereits einen Eindruck von der künftigen Gestaltung. 60 der 69 Regale sind für deutsche Weine vorgesehen. Das Gros davon soll aus den rheinland-pfälzischen Anbaugebieten und aus dem Rheingau kommen. Einige Regale haben die Mainzer Winzer gemietet. Dort können sie je vier ihrer Gewächse zum Hofpreis anbieten und mit Broschüren auf ihr Weingut hinweisen. Die Gewölberäume im Keller stehen für Veranstaltungen offen, und eines der Schaufenster ist für Mainzer Gewächse reserviert.

Jürgen Schmidt, der Leiter der Touristik-Centrale, setzt ebenfalls Hoffnungen in die Zusammenarbeit mit dem Weinhaus. Für Individualreisende sei es oft schwierig, eine Weinprobe bei einem Winzer in der Umgebung zu machen. Nun wolle die Touristik-Centrale Verkostungen in den Gewölberäumen anbieten. Dank der zentralen Lage könnte sich das Eckhaus zu einer Anlaufstelle für alle Wein-Interessierten entwickeln.

Abstriche müssen Winzer und Stadt im Vergleich zu einer selbstgeführten Vinothek trotzdem machen. So firmiert das Geschäft nicht als „Weinhaus Mainz“, wie die Winzer es gewünscht hatten, sondern als „Weinhaus Horn“. Dahinter stecken die Zukunftspläne des Gründers. Für Michael Horn ist das Konzept des Weinhauses auf andere Städte übertragbar. Mainz soll die erste Filiale einer ganzen Kette werden. Bis zum nächsten Sommer soll sich das Geschäftsmodell bewährt haben, sagt er: „Als nächste Standorte habe ich Wiesbaden und Heidelberg im Auge.“ MATTHIAS TRAUTSCH

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