Die Behauptung, aller guten Dinge sind drei, dürfte von vielen Mainzer Einzelhändlern, die Geschäfte in der Innenstadt betreiben, aktuell eher bezweifelt werden. Als Erstes war da die lange Diskussion um die inzwischen beschlossene Ansiedlung von Möbel Martin auf der „grünen Wiese“ bei Hechtsheim, die von einigen Ladeninhabern in der City durchaus als existenzbedrohend angesehen wird: Schließlich darf das saarländische Unternehmen, das im September für seinen 45 000 Quadratmeter Verkaufsfläche bietenden Neubau plus Fachmärkten den ersten Spatenstich im Wirtschaftspark Rhein-Main an der A 60 plant, etliches anbieten, das sich, wie Lampen und Gardinen, bis dato eher in der Innenstadt finden ließ. Das vom Stadtrat 2005 beschlossene Zentrenkonzept, das die Händler in der City eigentlich vor übermächtiger Konkurrenz auf der grünen Wiese schützen soll, war in diesem Fall jedenfalls kein Hinderungsgrund.
Während noch offen ist, wie sich die an der Ludwigsstraße vorgesehene neue ECE-Einkaufspassage auf die Geschäfte der Alteingesessenen auswirken wird, hat Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte (FDP) nun eine dritte „Baustelle“ in der Stadt aufgemacht: Auf der Westseite des Hauptbahnhofs, so ließ er Anfang der Woche wissen, sei genügend Platz für den französischen Sportartikeldiscounter Decathlon, der möglichst schon 2012 im alten Postareal unterkommen und dort etwa 3700 Quadratmeter Verkaufs- und Lagerfläche erhalten soll.
„Diskretion ist oberstes Gebot“
Woraufhin gleich sechs bestehende Mainzer Sportgeschäfte eine Protestnote ins Rathaus schickten und die Diskussion um die „Aushöhlung des Zentrenkonzepts“ neu entflammt ist. Durch das Handeln der Verwaltungsspitze drohe das 2005 vom Stadtrat einstimmig beschlossene Zentrenkonzept ad absurdum geführt zu werden, klagte gestern etwa Citymanager Klaus Hammer, der das Fehlen einer gesamtplanerischen Sichtweise im Rathaus bemängelte. Schließlich soll der auf 250 Millionen Euro geschätzte Karstadt-Umbau an der Ludwigsstraße den Mainzern demnächst ja auch noch ein „Karstadt Sport“ bescheren. Weshalb selbst die SPD – mit FDP und Grünen im Ampelbündnis vereint – mit Blick auf die beabsichtigte Decathlon-Ansiedlung von einer eher zweifelhaften Entscheidung spricht. Zumal ein von Sitte zur Stärkung seiner Position angeführtes Verträglichkeitsgutachten im Rathaus offenbar niemandem bekannt ist.
Gestern wehrte sich der Wirtschaftsdezernent gegen den unter anderem von der CDU erhobenen Vorwurf, mit den etablierten Sportgeschäften vorab nicht gesprochen zu haben. Diskretion sei bei Investorengesprächen jeder Art nun einmal oberstes Gebot, so Sitte. Dennoch werde er mit den verärgerten Sportartikelhändlern aus der City nun das Gespräch suchen. Grundsätzlich sieht die Mainzer FDP in einer aktiven Ansiedlungspolitik allerdings die Chance, zusätzliche Einnahmequellen für die hochverschuldete Stadt zu erschließen.
„Konkurrenz belebt das Geschäft“
Dass die etablierten Geschäftsleute keineswegs gegen jedwede Veränderung sind, hat gerade erst eine aktuelle Umfrage des Geographischen Instituts und des Amts für Stadtentwicklung bewiesen, bei der Mitte Juni 300 City-Einzelhändler und etwa 2000 Passanten zu ihrer Meinung über das geplante Einkaufszentrum befragt wurden: Immerhin die Hälfte der Geschäftsleiter gaben sich als Befürworter des Großprojekts zu erkennen, weil sie sich von einer Shopping-Mall mehr Laufkundschaft und eine Belebung der Innenstadt versprechen; dies getreu dem Motto „Konkurrenz belebt das Geschäft“.
Ein Drittel der Ladenbesitzer lehnt das Vorhaben dagegen ab, etwa weil sie eine für sie ungünstige Verlagerung der Kundenströme befürchten und es ihrer Meinung nach ohnehin schon zu viele Einkaufszentren gibt. Jedem sechsten befragten Händler waren die ECE-Passagenpläne gleichgültig; wobei es sich dabei überwiegend um Anbieter von Nischenprodukten gehandelt haben soll.

