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Mainz Die Innenstadt ist zur Zeit ein heißes Pflaster

07.08.2003 ·  Der Asphalt dampft. Kein Wunder, mag man denken, bei diesen sommerlichen Hitzegraden. Das allein reicht aber für den Dampf noch nicht. Kleine Flämmchen aus der gewaltigen Teermaschine müssen schon dazukommen, ...

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Der Asphalt dampft. Kein Wunder, mag man denken, bei diesen sommerlichen Hitzegraden. Das allein reicht aber für den Dampf noch nicht. Kleine Flämmchen aus der gewaltigen Teermaschine müssen schon dazukommen, damit sich die zähe Masse auf der Ludwigsstraße verteilt und bläulich-weiße Rauchfahnen aufsteigen läßt. Die um die gewaltige Maschine herumwuselnden Arbeiter werden von den Passanten mit einer gewissen Fassungslosigkeit bestaunt. Wenn schon beim Zuschauen der Schweiß aus allen Poren rinnt, wie halten es dann bloß diese Männer direkt an dem heißen Asphalt aus?

Während der mit schulpflichtigen Familienmitgliedern versehene Teil der Bevölkerung den gebuchten Urlaub angetreten hat und der Rest die Arbeit auf ein Minimum zu beschränken sucht, haben Straßenbauarbeiter in der Mainzer Innenstadt Hochkonjunktur und können Vollbeschäftigung vermelden. Nicht nur das in den Sommermonaten traditionell ausgerufene "Asphaltdeckenprogramm" startet, um die verkehrsarme Zeit für Reparaturarbeiten an städtischen Fahrbahnen zu nutzen - diesmal sind die Göttelmannstraße, die Hechtsheimer Straße und die Heuerstraße dran. Auch die Stadtwerke verlegen weiter an allen Ecken und Enden neue Stromleitungen. Bisher waren es in diesem Jahr 50 Kilometer Kabel, wobei die Grabenlänge wegen mehrfach verlegter Leitungen nicht ganz so groß war.

In der Innenstadt schließlich verhindern allerorten Absperrgitter, Gräben und Steinhaufen die angesichts der Extremtemperaturen naheliegende Absicht, den kürzesten Weg zu nehmen. Die Ursachen sind unterschiedlich. An der Ecke von Seppel-Glückert-Passage und Franziskanerstraße werden gerade die ersten Pflastersteine für die "City-Meile" verlegt. Der von gemusterten Feldern unterbrochene rötliche Stein soll die Fußgängerzonen attraktiver machen und die Kundenströme lenken. Im ersten Bauabschnitt werden auf diese Art die Lotharstraße zwischen Großer Bleiche und Adolf-Kolping-Straße, die Seppel-Glückert-Passage zwischen Emmeransstraße und der Alten Universität sowie die Franziskanerstraße bis zum Kronberger Hof aufgefrischt. Die Gelegenheit, in der aufgerissenen Straße zugleich die Versorgungsleitungen zu erneuern, wird vor allem in der Lotharstraße genutzt und führt dort zu einem Grabensystem, das sich als Vorbereitung für einen Stellungskrieg mißdeuten ließe.

Grün- und Umweltdezernent Wolfgang Reichel (CDU), inzwischen auch für den Tiefbau zuständig, konnte dieser Tage mitteilen, daß die Arbeiten im Zeitplan liegen und bis zum Beginn des Weihnachtsgeschäfts abgeschlossen sein werden. Der zweite Teil der "City-Meile" mit Stadthausstraße, Steingasse und dem Umfeld der Römerpassage folgt im nächsten Jahr. Die Kosten von 1,2Millionen Euro bestreitet die Stadt mit für die Westumgehung Hechtsheim vorgesehenen Mitteln, die wegen höherer Landeszuschüsse nicht gebraucht wurden.

Geld, das jetzt aufgebraucht werden kann, war praktischerweise auch vom Umbau der Ludwigsstraße übrig. Denn kurz nach deren Fertigstellung zeigte sich, daß die verlegten Platten den 1000 Bussen nicht gewachsen waren, die täglich darüberrollen. Auch der "autobahnähnliche Unterbau" konnte nicht verhindern, daß die Betonplatten brachen und jetzt entfernt wurden. Was damals vermieden werden sollte - eine Asphaltdecke für die "Flaniermeile" -, wird jetzt nachgeholt. Allerdings kommt dabei ein "Street Print" genanntes Verfahren zum Einsatz, bei dem ein Gitter künstliche Fugen in den Asphalt drückt. Schon sieht der Asphalt aus wie frisch verlegtes Pflaster. Mit dem "Drucken" auf heißem Asphalt ist am Donnerstag auf dem Abschnitt der Ludwigsstraße zwischen Großer Langgasse und Schillerplatz begonnen worden.

Erneuert wird in den nächsten Wochen auch noch der letzte, über den Schillerplatz führende Teil der Bustrasse. Hier war das kleinteilige Pflaster ebenfalls immer wieder reparaturbedürftig. Vorgesehen sind für diesen Abschnitt größere Steine, die gerade nach Mainz unterwegs sind. Für Ende August werden sie nach Worten von Manfred Weber vom Tiefbauamt erwartet. Das Schiff, das sie heranbringt, hätte eigentlich schon früher ablegen sollen. Doch erst am Montag, mit einigen Tagen Verspätung, machte es in China los, wo das Material für die Mainzer Innenstadt herstammt. (bie)

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