Die Bundeswehr will ihre in Mainz angesiedelten Kräfte in der Hechtsheimer Kurmainz-Kaserne zusammenführen. Im Gegenzug wird die Generalfeldzeugmeister-Kaserne aufgegeben. Was mit dem Osteiner Hof und dem Gebäude der Standortverwaltung in der Neustadt geschieht, ist unklar. Wie eine Bundeswehrsprecherin auf Anfrage mitteilte, werden die bestehenden Einheiten und Dienststellen verlegt, behalten aber ihre Aufgaben. Die Zahl der in der Stadt beschäftigten Soldaten und zivilen Mitarbeiter soll um 150 auf 820 sinken.
Um sämtliche Kräfte in der Kurmainz-Kaserne unterzubringen, müssen die dortigen Gebäude umgebaut und modernisiert werden. Derzeit erwägt die Bundeswehr, die Arbeiten und den Betrieb der Liegenschaft in Form einer „Public Private Partnership“ (PPP) einem privaten Investor zu überlassen. Das Labor, das im vergangenen Jahr bei einer Explosion zerstört wurde, wollen die Streitkräfte aber in eigener Regie wiederherstellen.
Fertigstellung im August 2010
Gemäß ursprünglichen Planungen sollte der Umbau der Kurmainz-Kaserne in diesem Jahr abgeschlossen sein. Wie zu hören ist, kam das Vorhaben wegen Finanzierungsschwierigkeiten ins Stocken. Nun ist die Fertigstellung für August 2010 vorgesehen. Entsprechend verschiebt sich das Freiwerden der Generalfeldzeugmeister-Kaserne. Sobald der Umbau in Hechtsheim abgeschlossen ist, soll das Gelände in der Oberstadt geräumt und an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben übergeben werden. Diese soll das rund zehn Hektar große Areal verwalten und veräußern. Als Käufer käme die Stadt oder eine stadtnahe Gesellschaft in Betracht. Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) hält dort eine Wohnbebauung für wünschenswert.
Auch in der Neustadt könnten die Pläne der Bundeswehr städtebauliche Möglichkeiten eröffnen. Im Stadtteil gibt es Bestrebungen, auf dem Gelände der Standortverwaltung, das als „Militärbrotbäckerei“ bekannt ist, ein Bürgerhaus oder eine Jugendbegegnungsstätte einzurichten. Allerdings ist die Zukunft der Standortverwaltung noch nicht geklärt: Wenn in der Kurmainz-Kaserne das geplante PPP-Projekt verwirklicht wird, soll die Verwaltung nicht dorthin verlegt werden. Dann will die Bundeswehr die Mitarbeiter, die sich schon in Hechtsheim befinden, in anderen Liegenschaften unterbringen.
Bereits geräumt ist das Kreiswehrersatzamt in Gonsenheim. Ähnlich wie in der Neustadt bestehen dort Hoffnungen, das Gebäude für Vereine und stadtteilbezogene Aufgaben nutzen zu können. Die Bundestagsabgeordnete Ute Granold (CDU) hat im Finanzministerium dafür geworben, daß der Bund das Gebäude an der Kapellenstraße kostengünstig an die Stadt oder den Stadtteil überträgt.
Kurt Beck setzt sich für den Verbleib der Streitkräfte ein
Das bei weitem symbolträchtigste Bundeswehr-Gebäude in Mainz ist der Osteiner Hof am Schillerplatz. Das monumentale, rund 250 Jahre alte Gebäude diente schon im 19. Jahrhundert als Sitz der Festungsgouverneure. Heute ist dort die Standortkommandantur untergebracht. Generalmajor Bernd Diepenhorst, Befehlshaber im Wehrbereich II, nutzt den repräsentativen Bau unter anderem, um Gäste zu empfangen. Im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht der Adelshof alljährlich am 11. November, wenn vom Balkon die Fastnachtsgesetze verkündet werden. Die praktische Bedeutung ist eher gering: Gerade einmal drei zivile Mitarbeiter sind im Gebäude beschäftigt.
Die Pläne, das traditionsreiche Gebäude zu verkaufen, wecken in der Mainzer Politik die Befürchtung, die Streitkräfte könnten sich irgendwann ganz vom Standort zurückziehen. Deshalb setzen sich Ministerpräsident Kurt Beck und Oberbürgermeister Jens Beutel (beide SPD) seit Jahren dafür ein, daß die Bundeswehr am Schillerplatz bleibt. Bei den Verteidigungsministern Rudolf Scharping und Peter Struck (SPD) hatten sie damit Erfolg. Kaum war deren Nachfolger, Franz Josef Jung (CDU), im Amt, stand der Hof aber schon wieder auf der Verkaufsliste. Auf Mainzer Drängen erklärte Jung sich im Sommer bereit, die Sache noch einmal zu prüfen. Ein Ergebnis steht bislang aus.
Den Bundeswehrkräften in Mainz gehören derzeit 970 Mitarbeiter an, davon 367 Zivilisten. Sie sind auf vier Orte in der Stadt verteilt. Rund die Hälfte ist in der Kurmainz-Kaserne beschäftigt, die auf einem 27,6 Hektar großen Areal am Autobahnanschluß Hechtsheim liegt. Neben dem Hauptnutzer, dem Feldjägerbataillon 251, sind dort das Zentrale Institut des Sanitätsdienstes mit Labors für Veterinärmedizin, das Zentrum für Nachwuchsgewinnung West und Teile der Standortverwaltung untergebracht.
In der Generalfeldzeugmeister-Kaserne in der Oberstadt sind weitere Teile des Feldjägerbataillons 251, des Wehrbereichskommandos II und der Standortverwaltung sowie das Standort-Sanitätszentrum ansässig. Im Osteiner Hof residiert der Befehlshaber des Wehrbereichskommandos II. In der ehemaligen Militärbrotbäckerei an der Rheinallee befinden sich die Hauptteile der Standortverwaltung und die Güteprüfstelle.

