07.02.2006 · Aus Anlaß der Feldtage der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft soll im Main-Kinzig-Kreis gentechnisch veränderter Mais auf einer Fläche von 900 Quadratmetern angepflanzt werden. Die Grünen wollen die geplante Aussaat verhindern.
Gegen die Aussaat von gentechnisch verändertem Mais auf der hessischen Staatsdomäne Baiersröderhof zwischen Marköbel und Ostheim, an der Gemarkungsgrenze zu Nidderau wenden sich die Grünen im Kreistag des Main-Kinzig-Kreises. Nach Darstellung der Grünen soll der Mais auf einer Fläche von 900 Quadratmetern aus Anlaß der Feldtage der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) im Juni zu Demonstrationszwecken angepflanzt werden. Hauptthema der Feldtage, an denen sich auch das hessische Landwirtschaftsministerium als Mitveranstalter beteiligt, lautet „Energie vom Feld“.
Als ein Veranstaltungspunkt steht das Thema „Grüne Gentechnik“ auf dem Programm. In diesem Zusammenhang kündigen die Grünen eine Aufklärungskampagne in der Bevölkerung, bei den Landwirten und in den politischen Gremien über die Gentechnik in der Landwirtschaft an. Für die Kreistagssitzung am Freitag hat die Fraktion der Grünen eine aktuelle Stunde zum Anbau von Genmais auf der Staatsdomäne beantragt. Außerdem wollen die Grünen einen Dringlichkeitsantrag einbringen, in dem „eine Bündelung der Kräfte“ im Main-Kinzig-Kreis gegen die geplante Aussaat gefordert wird. In einer Informationsveranstaltung mit dem Landtagsabgeordneten Martin Häusling am 22. März in Nidderau wollen die Grünen über das Vorhaben berichten und „den Widerstand im Main-Kinzig-Kreis formieren“.
Resistenz gegenüber dem schädlichen „Maiszünsler“
Nach Darstellung von Reiner Bousonville, umweltpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, versuchten Gentechnik-Unternehmen vermehrt gerade bei Staatsgütern ihr Saatgut einzusetzen. Nun drohe der Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft auch im Main-Kinzig-Kreis, obwohl der Kreistag die Aussage getroffen habe, daß die Felder im Main-Kinzig-Kreis frei von Gentechnik bleiben sollten. Die Grünen setzten auf die Vernunft der hiesigen Landwirte. Für die landwirtschaftlichen Betriebe sei es sinnvoll und notwendig, ein möglichst umfassendes Bündnis zu schließen, das flächendeckend die Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen verhindere. Gesucht werden solle die Hilfe des Kreisbauernverbands, um den Main-Kinzig-Kreis zur gentechnikfreien Region zu erklären.
Der Kreistag solle seinen Einfluß beim Land geltend machen und den hessischen Landwirtschaftsminister auffordern, den Anbau von Genmais auf Flächen staatlicher Domänen grundsätzlich zu untersagen.
Gerade für die kleinräumige Landwirtschaft Hessens, so führen die Grünen an, werde der Einsatz von Gentechnik gravierende Folgen haben, da die Gefahr von gentechnisch verunreinigten Pollen noch größer als anderswo sei. Da die DLG versichere, die drei betroffenen Maisfelder würden noch vor der Blüte abgemulcht, weshalb keine Pollenübertragung stattfinden könne, besteht nach Ansicht der Grünen gar keine Gelegenheit zur Demonstration.
Nach Darstellung der DLG planen die Firmen KWS, Monsanto und Pioneer auf ihren Ausstellungsflächen auf dem DLG-Feldtagegelände den Anbau von gentechnisch veränderten Maissorten, die eine Resistenz gegenüber dem schädlichen „Maiszünsler“ entwickelt haben. Maissorten mit dieser Eigenschaft würden schon in einigen EU-Ländern angebaut. Die Aussaat sei beim Bundesministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz angemeldet worden. Die DLG werde die Aussaat bei den Feldtagen nur zulassen, wenn alle Genehmigungen erteilt würden. Gesät werde voraussichtlich Ende April.
Plattform für Neuentwicklungen
Wie alle anderen Parzellen der Feldtage würden die Felder in der dritten Junidekade abgehäckselt. Ausnahmen würden nur bei gentechnisch unverändertem Raps gemacht, der zu Versuchszwecken angepflanzt werde. Das Blütenstadium werde erst Mitte Juli erreicht, bis dahin würden die Flächen längst wieder wie üblich landwirtschaftlich genutzt.
Da die DLG-Feldtage eine Veranstaltung mit stark überregionaler Ausprägung seien und viele betroffene Landwirte aus dem In- und Ausland erwartet würden, solle den Ausstellern die Möglichkeit geboten werden, ihre behördlich genehmigten Produkte zu präsentieren. Die Ausstellung „DLG-Feldtage“ sei eine Veranstaltung des innovativen Pflanzenbaus aller Prägungen, sowohl des ökologischen als auch des konventionellen Landbaus und stelle die Plattform für Neuentwicklungen zur Verfügung. Auch die Diskussion über die Chancen und Risiken, etwa über die „Grüne Gentechnik“, spiele dabei eine Rolle.