10.04.2006 · Die Luminale läßt nicht nur Frankfurt glänzen. Auch andere Städte der Region beteiligen sich an dem Lichtspektakel aus Anlaß der Fachmesse „Light + Building“.
Am Anfang stand eine neue Messe in Frankfurt, die sich an ein Fachpublikum richtete und die Möglichkeit suchte, sich in der Stadt zu spiegeln. Aus dieser Idee ist die „Luminale“ geworden, die in diesem Jahr in ihrer dritten Auflage vom 21. bis zum 28. April ein Licht-Festival mit fast 180 Programmpunkten ist: 132 in Frankfurt, 25 in Mainz, 25 in Wiesbaden, sechs in Offenbach, fünf in Darmstadt, fünf in Rüsselsheim, zwei im Rheingau und sogar eine Lichtkunst-Ausstellung in Karlsruhe.
Wie Luminale-Organisator Helmut Bien gestern erläuterte, spricht dieses Spektakel längst nicht mehr nur die rund 120.000 Fachbesucher der Messe „Light + Building“ an. Die Luminale bezieht vielmehr neben Architekten, Lichtplanern und Leuchtenherstellern immer mehr auch Designer und Künstler, aber zum Beispiel auch Ärzte ein, die sich mit dem Einsatz von Laserlicht beschäftigen.
Das Spektrum reicht von Studentenprojekten mit minimalem Budget bis zu professionellen Inszenierungen. Ob „Moonlights“ im Frankfurter Palmengarten Verwirrung stiften, im Frankfurter Zoo die Quallen zu leuchten beginnen, die Dienstags-Nacht-Skater sich in einen schillernden Lindwurm verwandeln oder die Darmstädter Mathildenhöhe für eine Nacht blau macht - dem Luminale-Publikum erscheint so manches in neuem Licht.
„Leerstandsherausforderung“
Nach Darstellung von Helmut Biens ist das Licht-Festival in kurzer Zeit zur größten „Design-Off-Veranstaltung“ in Deutschland geworden, und das mit einem minimalen Etat, denn lediglich Werbung und Bus-Shuttles werden von der Messe finanziert. Die Projekte würden alle erst durch jene 600 Partner möglich, die jeweils den Ort, das Material oder die Finanzierung und die Idee zusammenbrächten.
Neben der Messegesellschaft als Initiator ist die Dresdner Bank in diesem Jahr einer der großen Partner des Festivals. Die Bank zeigt vom 23. bis zum 27. April in mehreren ihrer Gebäude Licht- und Videoinstallationen der Frankfurter Künstlerin Karin Hoerler. So wird auf einer 100 Quadratmeter großen Wand des Estrella-Gebäudes an der Theodor-Heuss-Allee gegenüber der Messe an den fünf Luminale-Tagen ein Film der Künstlerin mit dem Titel „Matrjoschka“ gezeigt, und am Gallileo-Hochhaus an der Gallusanlage ist die Lichtinstallation von James Turrell und Magdalena Jetelova zu sehen.
Ein solches Engagement sei gerade in Zeiten von „Leerstandsherausforderung“ wichtig, denn Kunst gebe den Objekten einen Namen, hob Thomas Beyerle von der zur Dresdner Bank gehörenden Immobiliengesellschaft Degi hervor. Und auch für die Messegesellschaft ist der Brückenschlag in die Stadt nicht ohne Bedeutung, hat die Luminale nach Darstellung von Maria Hasselmann doch dazu beigetragen, die „Light + Building“ für viele noch interessanter zu machen und ihnen Möglichkeiten zum Gedankenaustausch jenseits des Treibens in den Hallen zu geben.
Erleuchtete Kirchen
Zahlreiche Partys bieten solche Gelegenheiten, zum Beispiel im Wiesbadener Kurhaus, wo der Deutsche Designers Club und die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen zu einer Party und einem „Park der Geschichten“ mit mehr als 20 Lichtinstallationen im Kurpark einladen. Im Rheingau kann man die mit einem Lichterspektakel versehene wechselvolle Geschichte von Schloß Vollrads erleben oder in Mainz den Dom in neuem Licht sehen.
Auch drei Kirchen im Frankfurter Nordend setzen sich mit dem Thema Licht auseinander und werden in leuchtend bunte Gewänder gehüllt. Farbige Lichtakzente setzen aber nicht nur sakrale Bauten in Szene, sondern auch die gewaltigen Krananlagen im Mainzer Zoll- und Binnenhafen oder das Kraftwerk am Frankfurter Westhafen. Auch im Offenbacher Hafengelände wird mit Lichteffekten gearbeitet.
Uferbeleuchtungen
Die Bedeutung des Lichts für den Stadtraum ist für Helmut Bien eines der wesentlichen Themen der Luminale. Darum sind beispielsweise auch die Uferbeleuchtungen in Frankfurt und Mainz Themen von Rundgängen, ebenso wie das buntschillernde Frankfurter „Rotlichtviertel“.
Um möglichst viele der illuminierten Orte zu erleben, kann man am 22. April mit einem Luminale-Schiff auf der Route der Industriekultur von Frankfurt nach Mainz fahren oder vom 23. bis 27. April an den Abenden jeweils von 18 bis 1 Uhr unentgeltlich mit den Shuttle-Bussen zu den Lichtschauplätzen im Mainzer und Frankfurter Stadtgebiet. Eine Luminale-Stadtrundfahrt startet jeden Abend um 21 Uhr an der Frankfurter Börse, dafür ist eine Anmeldung unter www.kulturothek.de oder der Telefonnummer 069 / 28 10 10 notwendig.
Das Luminale-Programm
Vom 22. bis 27. April werden in der Rhein-Main-Region fast 180 Programmpunkte zum Thema Licht angeboten. Programmhefte liegen in den Touristeninformationen in Frankfurt, Mainz und Wiesbaden sowie bei der Frankfurter Messe und in vielen Museen aus. Im Internet findet man alle Informationen unter www.luminale.de. Die Shuttle-Busse in Frankfurt haben 22 Haltestellen, von denen aus sich jeweils mehrere Luminale-Orte besuchen lassen.
Sie verkehren von 18 Uhr bis nach Mitternacht im Zehn-Minuten-Takt. In Mainz verbindet ein Luminale-Express am 22. und 23. April von 19.30 Uhr an alle 15 Minuten die Projekte in der Stadt. In Offenbach konzentrieren sich die Veranstaltungsorte im Hafen 2 und können zu Fuß erreicht werden. In den übrigen Städten muß man seine Wege selbst finden. Für Interessenten, die sich umfangreicher mit dem Thema Licht beschäftigen möchten, lohnt der Ausflug nach Karlsruhe zur Ausstellung „Lichtkunst aus Kunstlicht“, die noch bis zum 6. August zu sehen ist.