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Lorch Golfen, wo einst Granaten lagerten

Auf dem Gelände des ehemaligen Munitionsdepots der Bundeswehr in Lorch-Ransel könnte ein Golfplatz entstehen. Aus Sicht der Kommunalpolitiker bietet sich das abgelegene, ehemalige Militärgelände für eine Freizeit-Nutzung an.

© F.A.Z. - MARCUS KAUFHOLD Vergrößern Das ehemalige Bundeswehr-Munitionsdepot Lorch-Ransel

Ein Golfplatz auf dem Areal des ehemaligen Bundeswehr-Munitionsdepots in Lorch-Ransel ist grundsätzlich möglich. Die Investitionskosten für einen 18-Loch-Platz auf dem knapp 90 Hektar großen und waldreichen Gelände liegen bei rund neun Millionen Euro. Allerdings muß noch geklärt werden, ob ein solches Freizeit- und Sportgelände mit den Schutzansprüchen eines FFH-Gebiets vereinbar ist, denn zwei Drittel der benötigten Fläche unterliegen der europäischen „Flora-Fauna-Habitat“-Richtlinie.

Das ist das Ergebnis einer rund 15.000 Euro teuren Machbarkeitsstudie, die im Zuge der Konversionsbemühungen nach der Ankündigung des endgültigen Abzugs der Bundeswehreinheiten aus Lorch Ende vergangenen Jahres in Auftrag gegeben worden war. Einen Zuschuß dazu hat das Land geleistet. Die Stadtverordneten haben zwischenzeitlich die Studie eines Münchner Architekturbüros für einen Golfplatz mit dem Arbeitstitel „Freistaat Flaschenhals“ positiv zur Kenntnis genommen und die Planungen auf den Weg gebracht. Dazu gehören das Raumordnungsverfahren zur FFH-Verträglichkeit und das Bebauungsplanverfahren, um die Träger öffentlicher Belange zu hören.

Infrastruktur für einen Golfplatz ist schon vorhanden

Bürgermeister Günter Retzmann (SPD) hält das für richtig, um keine Zeit zu verlieren. Nun könne schon im Jahr 2007 die notwendige ökologische Bestandsaufnahme in dem Areal erfolgen. Bis zum Jahr 2008 sei es dann möglich, die „Planreife“ für das Vorhaben zu erreichen, um danach einen Investor für das Vorhaben zu begeistern.

Das Munitionsdepot dient schon seit einiger Zeit nicht mehr seinem ursprünglichen Zweck. Allerdings werden einige der insgesamt zehn Verwaltungsgebäude bis 2009 noch von einer Fernmeldeeinheit der Bundeswehr genutzt. Das Sanitätsdepot mit seinem 2,3 Kilometer langen klimatisierten Stollensystem im Berg wird schon 2008 geräumt, das Gerätehauptdepot mit fast zehn Kilometer Straßen unter Tage bis zum Jahr 2009. Für Lorch entsteht daraus ein erheblicher Konversionsdruck.

Ein Golfplatz erscheint den Planern vor diesem Hintergrund ein gangbarer Weg. Nach ihrer Prognosen wäre ein Golfplatz bei Ransel für die anderen Golfplätze in der Rhein-Main-Region keine Konkurrenz. Vorteilhaft sei, daß die technische Infrastruktur wie Wasserleitungen und Abwasserkanäle dort schon vorhanden sei. Vorgesehen ist nicht nur eine 6,1 Kilometer lange 18-Loch-Bahn (Par 72) mit Clubhaus, Restaurant, Golfshop, Kinderhort und Lager, sondern auch ein kleines Schießsportzentrum. Dazu müssen die Munitionsbunker abgerissen werden. Die zur Rodung anstehende Waldfläche soll aber weniger als zehn Hektar groß sein.

Naturschutz als Haupthindernis

Drei in ihrer Bausubstanz gut erhaltene Verwaltungsgebäude sollen zu einem U-förmigen Clubhaus zusammengefaßt werden. In der Maschinenhalle könnten die Pflegegeräte für den Rasen stehen, der ehemalige Hundezwinger könnte zum Kinderhort mit fünfzehn Plätzen umgebaut werden. Ein bisheriges Werkstattgebäude könnte zur Schießhalle mit 25-Meter-Schießstand als Teil eines Schießsportzentrums mit Jagdparcours werden. Auch eine andere Nutzung für Squash oder Tennis ist laut den Planern möglich. Nur zwei der insgesamt zehn Verwaltungsgebäude sollen abgerissen werden. Der Parkplatz am künftigen Clubhaus soll auf 160 Stellplätze für die Sportler erweitert werden.

Bürgermeister Retzmann ist mit dem Ergebnis der Studie zufrieden, weil sie einen Golfplatz „vom Grund her für möglich“ hält. Für Retzmann ist an dieser abgelegenen Stelle ohnehin nur eine Sport- und Freizeitnutzung realistisch. Für das Haupthindernis hält auch er den Naturschutz: Das Projekt „steht und fällt“ nach Retzmanns Überzeugung mit der Prüfung der FFH-Verträglichkeit.

Quelle: F.A.Z.

 
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