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Landwirtschaft Kaum Interesse an Gen-Pflanzen

14.08.2006 ·  Hessen bietet keinen guten Nährboden für gentechnisch veränderte Pflanzen. Die ersten Freilandversuche mit Gen-Raps und Gen-Mais in der Wetterau wurden sabotiert. Und strenge Haftungsregeln schrecken Landwirte ab.

Von Ralf Euler
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Hessen bietet alles andere als einen guten Nährboden für gentechnisch veränderte Pflanzen. Die ersten Freilandversuche mit Gen-Raps und Gen-Mais in der Wetterau wurden Mitte der neunziger Jahre systematisch sabotiert: 1995 kippten Gentechnik-Gegner Unkrautvernichtungsmittel in eine Pflanzung, zwei Jahre später konnte eine Gruppe mit dem bezeichnenden Namen „Die Wühlmäuse“ die Aussaat von Mais- und Rapspflanzen, die gegen bestimmte Herbizide resistent waren, zwar letztlich nicht verhindern, aber doch erheblich verzögern.

In keinem anderen Flächenland wurden in diesem Jahr weniger Areale für den Anbau von Gen-Mais angemeldet als in Hessen: ganze 0,01 Hektar, bei 954 Hektar in Deutschland insgesamt. Spitzenreiter, mit großem Abstand zu den folgenden Ländern, sind nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace die Bundesländer Brandenburg (447 Hektar), Mecklenburg-Vorpommern (238 Hektar) und Sachsen (230 Hektar). Auf der Landesdomäne Baiersröderhof bei Hammersbach (Main-Kinzig-Kreis) wurde in diesem Frühjahr transgener Mais angebaut, in Gießen säten Wissenschaftler der dortigen Universität genmanipulierte Gerste aus - ein vom Bundesforschungsministerium unterstütztes Projekt. Beide Ernten sind inzwischen eingebracht, Hessen ist wieder frei von gentechnisch veränderten Sorten.

Grüne: „Gentechnikfrei“ ein Standortvorteil

Wenn es nach den Grünen im Landtag geht, soll das auch so bleiben. „Gentechnikfrei - das ist und wird auch künftig ein Standortvorteil für Hessens Landwirte und Lebensmittelwirtschaft sein“, meint der Bio-Landwirt und Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Häusling. Er lehnt den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen grundsätzlich ab, nicht zuletzt, weil die gesundheitlichen Risiken bisher nicht ausreichend geklärt seien. Eine wirkliche Koexistenz von Gen-Pflanzen und herkömmlichem Anbau könne es in Hessen zudem wegen der hiesigen kleinteiligen Agrarstruktur nicht geben.

Befürworter der sogenannten grünen Gentechnik weisen hingegen darauf hin, daß dabei nichts anderes geschehe als das, was Bauern seit Jahrhunderten betrieben: das Züchten und Kultivieren von Pflanzen durch Selektion und Kreuzung. Der hessische Umwelt- und Landwirtschaftsminister Wilhelm Dietzel (CDU) bewertet Gentechnik auf dem Acker „neutral-positiv“, wie sein Sprecher Torsten Volkert es formuliert. Der Minister sehe darin eher Chancen als Gefahren. Wenn Dietzel allerdings von Landwirten gefragt werde, ob er den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen empfehlen könne, warne er davor: Die Vorgaben des deutschen Gentechnikgesetzes seien zu restriktiv, das Haftungsrisiko für einen experimentierfreudigen Bauern zu groß.

Mehrheit lehnt „Genfood“ ab

Aber auch den deutschen Verbrauchern bereitet die Vorstellung, „Genfood“ auf dem Tisch zu haben, nach wie vor eher Unbehagen. Eine Mehrheit lehnt laut Umfragen gentechnisch veränderte Nahrungsmittel und deren Folgeprodukte ab, weil die Langzeitwirkungen auf Umwelt und Gesundheit noch nicht ausreichend erforscht seien. Umwelt- und Verbraucherorganisationen wie Greenpeace streiten für ein Verbot des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen.

Ende vergangenen Jahres ließ dennoch erstmals eine deutsche Behörde die Aussaat zu. Das Bundessortenamt erteilte die Zulassung für drei Maissorten, die durch fremdes Erbgut widerstandsfähig gegen einen Schädling, den Maiszünsler, sind. Doch die Landwirte reagierten, wohl aufgrund der kritischen Verbraucherstimmung und der strengen Vorgaben des Gentechnikgesetzes, zurückhaltend auf das Angebot. Für dieses Jahr wurden nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums jedenfalls lediglich 1800 von insgesamt 1,7 Millionen Hektar Maisanbaufläche in Deutschland für gentechnisch veränderte Sorten angemeldet, bepflanzt wurden schließlich sogar nur 954 Hektar.

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Jahrgang 1960, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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