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Landwirtschaft Bauern sollen den Energiehunger stillen

20.06.2006 ·  Rund 20.000 Bauern treffen sich den „DLG-Feldtagen“ in Hammersbach. Dort erfahren sie Neues über Maschinen, Produktionsverfahren und genetisch verändertes Getreide.

Von Luise Glaser-Lotz
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Unbehelligt durch Protestaktionen von Umweltschützern haben Hessens Landwirtschaftsminister Wilhelm Dietzel (CDU) und der Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) Carl-Albrecht Bartmer die DLG-Feldtage 2006 auf der Hessischen Staatsdomäne Baiersröderhof eröffnet. Zu der Anpflanzung von genverändertem Mais auf dem Versuchsfeld der Veranstaltung, die in den vergangenen Wochen zu Protesten von Umweltschutzorganisationen, den Grünen, örtlichen Bio-Landwirten bis hin zum Kreistag des Main-Kinzig-Kreises geführt hatte, nahm Dietzel nur kurz Stellung.

Der Standort Deutschland und der Standort Hessen müßten durch die konsequente Nutzung des technologischen Fortschritts vorangebracht werden, sagte er. Innovationen brauchten den Mut zur Veränderung. Die Gentechnik stelle eine solche Innovation dar. Das Land Hessen räume dabei der Sicherheit für die Umwelt, für Tiere, Pflanzen und vor allem den Menschen oberste Priorität ein. Um das Potential der grünen Gentechnik optimal auszuschöpfen, sei allerdings ein praktikabler rechtlicher Rahmen notwendig. Dieser solle die unternehmerische Freiheit des Landwirts stärken und ihm die Entscheidung über die Anwendung der Gentechnik überlassen, so der Minister.

Pflanzensorten und Produktionsverfahren

Ein interessierter und verantwortungsvoller Umgang mit innovativen Technologien sei der entscheidende Schlüssel zu Wohlstandssicherung, äußerte DLG-Präsident Bartmer. Dazu gehöre nicht nur die Biotechnologie, sondern auch die biotechnologische Forschung. Es sei Teil der globalen Verantwortung, Forschung und Nutzung dieser Technologie auch am Standort Deutschland zu ermöglichen.

Während der gut besuchten Eröffnungsansprachen erkundeten die ersten Besucher, die von den Morgenstunden an auf das 38 Hektar große Feldtagegelände rund um die Staatsdomäne geströmt waren, das Informationsangebot. Die tief dunklen Wolken, die zur Eröffnung der Veranstaltung ein schweres Gewitter befürchten ließen, verzogen sich im Verlauf des Vormittags und erlaubten einen unbeschwerten Auftakt. Die Veranstalter erwarten bis einschließlich Donnerstag rund 20.000 Agrarfachleute und Bauern sowie interessierte Laien. Mehr als 250 Unternehmen, Verbände und Institutionen präsentieren ihr Angebot.

Auf dem zwölf Hektar großen Versuchsfeld werden moderne Produktionsverfahren und ein breites Spektrum an Pflanzensorten vorgestellt. Traditioneller Schwerpunkt der Veranstaltung, die laut Bartmer noch nie zuvor in einem solch großen Rahmen stattgefunden hat, ist der seit 1988 stattfindende Vergleich des Anbaus von Winterweizen, der von 15 Fachleuten aus neun Ländern angestellt wird. Regen Zulauf fanden gestern auch gleich die ersten Vorführungen von Landmaschinen und Traktoren, die als ein Zuschauermagnet nicht nur für Fachleute angesehen werden.

Von der Vision zur Erfolgsstory

Ein Rundgang über das weitläufige DLG-Gelände, das etwa zwei Jahre lang auf die Großveranstaltung vorbereitet wurde, fächert nicht nur die vielen Facetten des modernen Pflanzenanbaus auf, sondern macht auch deutlich, daß der Pflanzenanbau der Landwirtschaft längst nicht mehr allein der Nahrungs- und Futtermittelproduktion dient. Erstmals findet sich auf der diesmal zwei Hektar großen „Campusfläche“ mit Veranstaltungszelten und -pavillons ein Informationszentrum „Energie vom Feld“, das die DLG gemeinsam mit der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe organisiert hat. Erste Erfolge der Bioenergieproduktion sind hier dokumentiert, die mit höheren Masse-, Gas- und Stärkeerträgen nach den Worten Bartmers die Wirtschaftlichkeit der Landwirtschaft deutlich verbessern könnten.

Den „Wachstumsmotor Bioenergie - Chance für die Landwirtschaft“ beleuchtete auch Klaus Kliem von der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen in seinem Festvortrag bei der Eröffnungsfeier. Die Menschheit stehe jetzt vor der Herausforderung, daß neben dem Hunger nach Nahrung zusätzlich der Energiehunger rasant steige. Seine Gesellschaft habe sich schon vor 15 Jahren das Ziel gesetzt, Biodiesel als Alternativkraftstoff hoffähig zu machen. Was damals noch eine Vision gewesen und von vielen belächelt worden sei, stehe heute für eine Erfolgsstory, die inzwischen die gesamte Biomasseproduktion erfasse.

Nach einer Studie des Bundesumweltministeriums könnten nach seinen Worten allein in Deutschland auf etwa vier Millionen Hektar nachwachsende Rohstoffe angebaut werden. Die hohen Rohölpreise zwängen geradezu dazu, diese als Energiequelle zu entwickeln. Deutschland dürfe den Anschluß an diese Entwicklung, beginnend bei der Pflanzenzüchtung bis hin zur Produktions- und Konversionstechnik, nicht verpassen. Die DLG greife mit ihren Feldtagen diesen Entwicklungspfad konsequent auf.

Die DLG-Feldtage auf der Staatsdomäne Baiersröderhof bei Hammersbach können noch heute und morgen zwischen 9 und 18 Uhr besucht werden. Die Tageskarte kostet 18 Euro, ermäßigt zehn Euro. Für Kinder unter acht Jahren ist der Eintritt frei, ebenso für DLG-Mitglieder.

Quelle: F.A.Z., 21.06.2006
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Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

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