28.01.2007 · 26 Jahre lang hat sich Bernd Modrow, stellvertretender Direktor der Staatlichen Schlösser und Gärten, um historische Grünanlagen gekümmert. Jetzt geht er in den Ruhestand.
Von Mechthild HartingEs sind mit die Schönsten im Rhein-Main-Gebiet, die ihm anvertraut waren. 26 Jahre lang durfte er sie hegen und pflegen. Oder besser noch, sorgte er dafür, dass sie ihren jeweils ganz eigenen, historischen Charme erhalten und, wenn irgend möglich, sogar in der Form wieder gewinnen konnten, wie er einst von ihnen ausging.
Die Rede ist von den Schlossgärten in Weilburg und Bad Homburg, den Staatsparks Hanau-Wilhelmsbad und Fürstenlager in Bensheim-Auerbach, den Klostergärten in Seligenstadt und Lorsch und dem Rokoko-Schmuckstück, dem Prinz-Georg-Garten in Darmstadt. Denn der promovierte Landschaftsarchitekt Bernd Modrow ist in der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten in Bad Homburg, der Mann, der das Fachgebiet Gärten leitet. Heute wird er in den Ruhestand verabschiedet.
Anlagen im alten Stil
Mit Blick auf „seine“ Parks ist Modrow mit dem erreichten zufrieden: Viele Anlagen wie etwa die Klostergärten, insbesondere der in Seligenstadt, oder der Prinz-Georg-Garten in Darmstadt sind in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt wieder im alten Stil, im gartendenkmalpflegerischen Sinne, wiedererstanden. Es habe von Seiten des Landes beim Budget zum Glück eine „gewisse Kontinuität“ gegeben, sagt Modrow und ergänzt: „Natürlich war es nie ausreichend“. Denn dass allein die Pflege von akkurat angelegten Beeten und Wegen aufwendig ist, – Modrow hat heute rund 60 Gärtner unter sich – weiß jeder, der mit Pflanzen zu tun hat.
Modrow schmerzt allerdings die Tatsache, dass er in den vergangenen Jahren wesentliche Teile von seinen historischen Gärten verloren hat. Die mehrere hundert Hektar großen Landschaftsgärten in Kassel wurden im Zuge der Initiative der Landesregierung, die Museumslandschaft Kassel neu zu ordnen und sie sogar als Weltkulturerbe registrieren zu lassen, aus Modrow Zuständigkeit ausgegliedert. Auch der Schlosspark Biebrich in Wiesbaden unterliegt nicht mehr der Verwaltung Staatlicher Schlösser und Gärten. Ein Trend, den es in anderen Bundesländer in genau der umgekehrten Richtung gebe. Während Hessen die Zuständigkeit zersplittere, bündelten andere. Zufrieden ist er allerdings, dass er auch die Zusage aus Wiesbaden hat, dass es seine Stelle im Bad Homburger Schloss auch weiterhin geben wird. Er selbst hätte die Aufgabe durchaus noch ein bis zwei Jahre wahrgenommen, dem hatte die Landesregierung jedoch nicht zugestimmt.
Dabei genügt dem 65 Jahre alte Modrow ein Blick aus seinem Arbeitszimmer auf den Teil des Bad Homburger Schlossparks, der einst als barockes Parterre, als Gartenstück mit niedriger Bepflanzung, angelegt und im Laufe der Jahrhunderte einem mehrfachen Wandel unterworfen wurde bis er die bis heute prägenden Merkmale der Gartenkunst der Kaiserzeit erhielt, um ins Schwärmen über Gärten, Pflanzen und Arrangements zu geraten. Freudig weist er auf die riesigen Libanonzedern, 1820 Hochzeitsgeschenke aus England für den Homburger Landgrafen und dessen englische Ehefrau Elisabeth, die zu den schönsten Exemplaren in europäischen Gärten zählen, oder die stattlichen Teppichbeete, die in den vergangenen Jahren restauriert wurden.
Gärten als historische Zeugen
Die Gärten als historische Zeugen unterschiedlicher Epochen, Moden und Geschmäcker zu erhalten, sie als Gartendenkmäler zu pflegen, das ist Modrow größtes Anliegen gewesen. So hat er denn auch für jeden Park zunächst ein sogenanntes Parkpflegewerk erarbeiten lassen, um zu ermitteln, „was wir über den Park überhaupt wissen“, was war und was wie rekonstruiert werden kann. Bei Führungen habe ihn immer begeistert, die anfänglich zurückhaltenden bis skeptischen Besucher an die Geschichte einer Anlage heranzuführen, die Auswahl der Pflanzen – auch bei diesen gibt es historische Moden – , die Art der Wegeführung und das Konzept so zu erläutern, dass die Gesamtkomposition deutlich wurde.
Unverständlich ist Modrow allerdings, warum es weder ihm noch seiner Zunft je gelungen ist– jedenfalls in Deutschland nicht –, in den Köpfen der Menschen den Wert solcher Parkanlagen fest zu verankern. Dass es sich um etwas Wertvolles handele, mit dem man nicht nur behutsam umzugehen habe, sondern in das man auch nicht einfach eingreifen darf. Da werde, wie seinerzeit in Frankfurt, einfach in einen repräsentativen Bürgergarten, den Bethmannpark, ein chinesischer Garten hineingebaut. Er habe nichts gegen den Chinesischen Garten, doch den Bethmannpark habe man dadurch „ kaputt gemacht“.
Modrow wünscht sich deshalb, dass Parkbesucher nicht nur feststellten, wie wunderschön ein historische Parkanlage sei, sondern, dass sie die Pflege, den Erhalt einforderten, damit auch nächste Generationen noch erfahren könnten, was ein barocker Park, was ein Landschaftsgarten des 19. Jahrhunderts sei oder auch ein Anlage aus den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Es bleibe noch viel Arbeit des Führens, des Erklärens.