Thomas Will wird nächster Landrat des Kreises Groß-Gerau und Nachfolger von Enno Siehr (SPD). Bei der Direktwahl setzte sich der Sozialdemokrat und amtierende Erste Kreisbeigeordnete gestern mit 59 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang durch. Auf seine CDU-Mitbewerberin Ursula Kraft entfielen 35,4 Prozent der Stimmen, für den von der Linken unterstützten Gerhard Schulmeyer (DKP) entschieden sich 6,6 Prozent der Wähler. Die Wahlbeteiligung lag bei 29,7 Prozent und damit noch unter der Beteiligung bei der Direktwahl 2004. Will tritt sein neues Amt am 1. Juni an und setzt damit die sechs Jahrzehnte währende Serie sozialdemokratischer Landräte im Kreis Groß-Gerau fort.
Im ohnehin bei Kommunalwahlen sozialdemokratisch dominierten Kreis zeichnete sich kurz nach Schließung der Wahllokale Wills Erfolg ab. Schon in den ersten veröffentlichten Resultaten erreichte Will einen Stimmanteil von deutlich mehr als 50 Prozent, und das sollte sich bis zum Ende der Auszählung nicht mehr ändern. Will lag auch in der großen Mehrheit der Kommunen klar vor Kraft, nur in ihrem Heimatort Stockstadt schloss die Christliche Demokratin knapp auf. Im traditionell konservativ wählenden Gernsheim erreichte Kraft sogar die Mehrheit der abgegebenen Stimmen.
Das Resultat sei so zu erwarten gewesen
Er habe sich diesen Wahlausgang erhofft, sagte Will. Doch von der Höhe des Sieges sei er überrascht. Der Erfolg sei auch für die SPD im Kreis nach den Niederlagen in Bundes- und Landtagswahlen wichtig, die Partei habe wieder „Boden unter die Füße“ bekommen. Im vergangenen Jahr hatten die Sozialdemokraten in beiden Landtagswahlkreisen und auch im Bundestagswahlkreis die Mandate verloren, nur über die Landesliste gelang ihrem Kandidaten Gerold Reichenbach der Einzug in das Bundesparlament. Umso erleichterter zeigte sich Will: Schon im Wahlkampf sei zu spüren gewesen, dass für ihn und die Partei ein Sieg möglich sei, und diese Stimmung habe sich in den Tagen vor der Wahl noch verfestigt.
Das Resultat sei so zu erwarten gewesen, sagte noch während der Auszählung die geschlagene Ursula Kraft, auch wenn „eine Stichwahl schön gewesen wäre“. Kraft verwies in ihrer ersten Bewertung des Ergebnisses auf die geringe Wahlbeteiligung. Auch wenn Will gesiegt habe, sei doch zu sehen, dass die SPD nur einen Teil ihrer Wähler habe motivieren können. Insgesamt sei es „deprimierend“, dass die ohnehin schlechte Beteiligung von 2004 von damals 32 Prozent mit jetzt nur noch 29,7 Prozent noch einmal unterboten worden sei.
Noch keine Entscheidung über Nachfolger
Gerhard Schulmeyer zeigte sich unabhängig vom Ergebnis zufrieden mit der Wahl: Er sei als Kandidat der Linken wahrgenommen worden. Seine Kandidatur habe hauptsächlich dem Zweck gedient, für die Linke „Flagge zu zeigen“, sagte der Kommunalpolitiker aus Mörfelden-Walldorf. Für ihn sei es ein Erfolg, dass er mit seinem Ergebnis die 4,6 Prozent übertroffen habe, die die Linke bei den Kommunalwahlen im Kreis erreicht habe. Allerdings bedauerte es Schulmeyer, dass er Will und Kraft nicht habe in eine Stichwahl zwingen können.
Keine Festlegung traf Will am Sonntagabend darüber, wer nach seinem Amtsantritt am 1. Juni den Posten des Ersten Kreisbeigeordneten übernehmen werde. Vertreter der Grünen, die mit der SPD im Kreistag eine Koalition bilden, beanspruchten dieses Amt für ihre Partei. Dies werde man in aller Ruhe mit dem Koalitionspartner besprechen, sagte Will.
Erschreckend
Wolfgang Lörcher (nethippi)
- 08.02.2010, 07:35 Uhr

