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Lärmschutz an der A 3 Mut zur Lücke

07.01.2009 ·  In Damm bei Aschaffenburg fordern Anwohner die Errichtung von Lärmschutzwänden an der ausgebauten A 3. Die Autobahndirektion weist die Klagen über den mangelnden Lärmschutz zurück.

Von Ewald Hetrodt
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Seit November erst verfügt die Autobahn 3 zwischen ihren beiden Aschaffenburger Anschlussstellen über sechs Spuren. Jetzt werden Klagen laut. Auf einem Abschnitt von 600 Metern fehle die Lärmschutzwand, heißt es im nahe gelegenen Stadtteil Damm. Von einem „Schildbürgerstreich“ ist die Rede. Doch die Sprecherin der Autobahndirektion Nordbayern weist alle Klagen mit derselben Entschiedenheit zurück. Sie hält sogar eine Wertsteigerung der Häuser für möglich.

Gerhard Hohe wohnt seit zwanzig Jahren mit seiner Familie an der Lohmühlstraße. Die Entfernung zu der Autobahn beträgt zirka 500 Meter. „Eigentlich hatten wir uns in all den Jahren schon an den Lärm gewöhnt“, sagt er. Doch es sei lauter als je zuvor, seitdem die täglich rund 100.000 Autos auf der Strecke zwischen Frankfurt und Würzburg auf sechs Spuren an Aschaffenburg vorbeirauschten. Werte zwischen 60 und 70 Dezibel hat der Werkzeugmacher nach seinen Angaben in dem Wohnviertel gemessen. Nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz liegt die zulässige Obergrenze tagsüber bei 59 Dezibel.

Unterschriftenaktion für die Errichtung einer Lärmschutzwand

Der für rund 41 Millionen Euro ausgebaute Streckenabschnitt wird auf etwa drei von fünf Kilometern von Lärmschutzwänden oder -wällen begrenzt, die an manchen Stellen neun Meter hoch sind. Hohe und seine Nachbarn bemängeln die Lücke, die sich südlich nach Damm hin öffnet. Der Lärm, der dort entweicht, wird dadurch verstärkt, dass an der gegenüberliegenden Nordseite eine Wand errichtet wurde, um die unmittelbar dahinter liegende Fahrbachsiedlung abzuschirmen. Sie reflektiert die Geräusche und lenkt sie in Richtung Damm.

Für 100 Millionen Euro habe man ganz in der Nähe die Einhausung errichtet. Ein paar Kilometer weiter östlich im Landkreis werde die Kauppenbrücke verlegt, um den Lärmpegel in der Gemeinde Waldaschaff zu senken. Angesichts dieses Aufwands sei die Aschaffenburger Lücke nicht akzeptabel, kritisiert Hohe. Sie zu schließen wäre allerdings teuer: Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums kostet beispielsweise eine fünf Meter hohe Lärmschutzwand pro Kilometer im Durchschnitt eine Million Euro. Am 20. Januar will Hohe das Thema bei einer Bürgerversammlung zur Sprache bringen. Gegenwärtig sammelt er Unterschriften, um seinem Protest bei der Autobahndirektion Nürnberg Nachdruck zu verleihen.

Deren Sprecherin sagt, dass es sich bei der „Lücke“ keineswegs um ein unbeabsichtigtes Versäumnis handele. Für den Abschnitt habe der Planfeststellungsbescheid von vornherein keine Wand vorgesehen. Denn die Wohnhäuser seien, von einigen Ausnahmen abgesehen, so weit von der Autobahn entfernt, dass es für die Einhaltung der Grenzwerte genüge, offenporigen Asphalt auf die Fahrbahn aufzutragen, der den Lärm in seinen Poren aufnehme. Das Material werde allerdings auf den drei nördlichen Spuren für den Verkehr in Richtung Frankfurt planmäßig erst im Mai aufgetragen.

Eigentümer haben Anspruch auf passive Maßnahmen

Bernhard Keßler, Leiter des Aschaffenburger Stadtentwicklungsamtes, erläutert, dass dieser sogenannte Flüsterasphalt den Schallpegel zwar nur um drei bis fünf Dezibel senke. Im subjektiven Empfinden aber werde er die Lautstärke halbieren. Hohes Argument, das Material verliere nach ein paar Jahren seine Wirkung, ist nach Kesslers Worten nicht mehr gültig: Früher sei es vorgekommen, dass Schmutz die Poren verstopft habe und diese den Schall nicht mehr hätten „schlucken“ können. Die inzwischen verwandte Technologie verhindere dies.

Darauf vertraut auch die Autobahndirektion. Die Erfahrung zeige, „dass die nach aktuellen Standards erstellten Beläge diese Wirkung über die gesamte Lebensdauer von rund zehn Jahren gewährleisten“, heißt es dort. Im Übrigen würden die Grenzwerte in Damm tagsüber eingehalten und nachts nur an wenigen Gebäuden um weniger als ein Dezibel überschritten. Wo dies der Fall sei, hätten die Eigentümer einen Anspruch auf passive Maßnahmen wie beispielsweise den Einbau von Lärmschutzfenstern.

Dass die akustische Belastung nach dem Ausbau der Strecke zugenommen habe, hält man in Nürnberg für „eine rein subjektive Einschätzung“. Alle Berechnungen ergäben, dass die tatsächliche Lage schon heute wesentlich günstiger sei. Nach dem Auftragen des „Flüsterasphalts“ werde sie nochmals verbessert. Der Lärmschutz werde nicht nur die Lebensqualität erhöhen, er könne sogar „zu einer Wertsteigerung der Anwesen führen“.

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Jahrgang 1963, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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