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Kritik von Ausländerverbänden Minister Hahn: Kopftuchverbot beim Arzt „unglücklich“

07.09.2010 ·  Das von einem Wächtersbacher Arzt verhängte Kopftuchverbot für Patientinnen sorgt weiter für Diskussion. „Der Arzt verstößt gegen die Menschenrechte“, meint die Islamische Religionsgemeinschaft. Integrationsminister Hahn (FDP) findet das Verbot „unglücklich“

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Hessens Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) hat das Verhalten des Arztes aus Wächtersbach, der Muslime nur eingeschränkt behandeln will, als „unglücklich“ bezeichnet. „Grundsätzlich muss gelten, dass alle Patienten von einem Arzt behandelt werden ohne Ansehen der Art der Kleidung oder der Anzahl der Kinder. Insofern war das Verhalten des Wächtersbacher Arztes unglücklich“, sagte Hahn der Nachrichtenagentur dpa.

Nach der „Überreaktion“ des Mannes könnte die Geschichte nun aber eine positive Wendung finden. „Wenn tatsächlich offene Gespräche zwischen Arzt und allen Beteiligten stattfinden, dann könnten sich die Probleme in der Praxis für die Zukunft ändern.“ Die Gesprächsbereitschaft des Arztes sei ausdrücklich zu begrüßen.

Der Allgemeinmediziner hatte durch ein Schild an seiner Praxis deutlich gemacht, dass er beispielsweise keine Muslime behandeln wolle, die ein Kopftuch tragen. Ebenso wenig dulde er Großfamilien in seiner Praxis. Hilfesuchenden müssten zudem Grundkenntnisse der deutschen Sprache mitbringen, wenn sie behandelt werden wollen. Mittlerweile hat sich der Arzt entschuldigt. Die Kassenärztliche Vereinigung und die Landesärztekammer prüfen den Fall.

„Das ist kein Ausrutscher“

Wegen des Kopftuchverbots sieht sich der Arzt derweil mit heftiger Kritik von Ausländerverbänden konfrontiert. „Das ist kein Ausrutscher, was dieser Arzt gemacht hat. Ich hätte nie gedacht, dass ein Arzt in Deutschland so weit gehen kann“, sagte der Vorsitzende des Landesausländerbeirates Corrado Di Benedetto am Dienstag auf dpa-Anfrage. Er sieht einen Zusammenhang zu der Debatte um den wegen seiner Thesen kritisierten Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin. Am Mittag wollte sich der Mediziner bei einer Pressekonferenz zu den Vorwürfen äußern.

Der Wächtersbacher Arzt hatte „Regeln“ erlassen und damit das Tragen von Kopftüchern in seinen Räumen verboten und Großfamilien den Zutritt verwehrt. Außerdem verlangt er von seinen Patienten Grundkenntnisse der deutschen Sprache. Di Benedetto bezeichnete die Haltung des Arztes als ausländerfeindlich. In Deutschland hätten 30 Prozent der Bevölkerung eine ausländerfeindliche Grundhaltung. Die zuständige Ärztekammer forderte er auf, Konsequenzen zu ziehen: „Das darf nicht Schule machen.“

„Der Arzt verstößt gegen die Menschenrechte“

Auch die Islamische Religionsgemeinschaft Hessen griff den Arzt an. „Er sortiert Menschen und grenzt sie aus. Ich finde das sehr schade“, sagte der Vorsitzende Ramazan Kuruyüz. Die Nationalität und die Zahl der Kinder der zu behandelnden Patienten dürften keine Rolle spielen. „Der Arzt verstößt gegen die Menschenrechte und seinen geleisteten Eid. Er muss einfach jedem Menschen seine ärztliche Hilfe zukommen lassen.“

Der Arzt hatte sein Vorgehen mit jahrelangen Problemen bei der Behandlung türkischer, muslimischer Patienten begründet. Er habe nichts gegen Kopftücher oder Türken und wolle lediglich für einen „reibungsloseren Praxisablauf“ sorgen, hatte er erklärt. Mit Sarrazin habe das nichts zu tun.

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