14.08.2009 · Frankfurt, die Industrie- und Handelskammer sowie die Regionplaner melden Bedenken an gegen den geplanten „Homepark“ von Ikea in Hofheim-Wallau. Dort soll eine Kleingartenanlage dem Neubau weichen. Doch nicht nur dies zieht Kritik nach sich.
Von Mechthild HartingRhein-Main. Mehr Platz für „Flört“, „Bonde“, „Billy“ oder „Grankulla“: Dagegen protestiert weder die Industrie- und Handelskammer Frankfurt, noch erhebt die Stadt Frankfurt Einwände. Die Regionalplaner meinen sogar, dass man gegen die geplante Erweiterung der Zentrale von Ikea Deutschland in Hofheim-Wallau „nichts haben kann“. Ikea will seine Verkaufsfläche um knapp 4000 auf 26.000 Quadratmeter erhöhen; das ist im Vergleich zu anderen Möbelmärkten nicht viel. Der 2006 eröffnete Ikea-Markt in Frankfurt-Nieder-Eschbach, in unmittelbarer Nähe zum Bad Homburger Kreuz, ging mit 25.000 Quadratmetern Verkaufsfläche an den Start. Andere überbieten Ikea um Längen: Segmüller in Weiterstadt ist fast doppelt so groß, und Mann-Mobilia in Eschborn breitet sein Sortiment vor den Kunden auf 40.000 Quadratmeter aus. Denn nicht nur Ikea, sondern der gesamte Einzelhandel ist überzeugt, dass der Zeitgeist es verlangt, das Angebot schöner und vor allem großzügiger zu drapieren als jemals zuvor.
Doch Ikea will mehr: Der Stadt Hofheim liegt der Antrag des schwedischen Möbelherstellers vor, angrenzend an das bestehende Gelände in Wallau die Fläche einer bisherigen Kleingartenanlage umzunutzen, um einen „Homepark“ zu errichten. Was neudeutsch relativ spektakulär klingt, ist in Wirklichkeit ein Fachmarktzentrum. Geplant sind große Geschäfte für Elektroartikel, Babysachen, Tierbedarf, für Fahrräder und Haushaltswaren. Es soll sogar jenseits von Ikea hochwertige Möbelgeschäfte geben. Das ganze auf 24.000 Quadratmetern Verkaufsfläche – also noch einmal so groß wie Ikea selbst künftig sein will. Ein Vorhaben, dass die Schweden bis 2011 realisieren wollen.
Muster für Fachmarktzentrum
Doch nicht diese Größe, sondern das Fachmarktzentrum als solches mit einem Sortiment, das sich auf die Geschäfte in den benachbarten Innenstädten auswirken könnte, ruft die Regionalplaner, die Industrie- und Handelskammer sowie die Nachbarstädte auf den Plan. Auch wenn Ikea das gleiche Konzept in Mannheim-Sandhofen bereits verwirklicht hat. Dass ihre Möbelmärkte Anziehungspunkte für andere Einzelhandelsunternehmen sind, hat Ikea längst beobachtet. So will Ikea dieses einträgliche Immobiliengeschäft gerne selbst betreiben.
„Wir fürchten, dass das Sortiment des Ikea-Homeparks Auswirkungen auf die benachbarten Innenstädte von Hofheim, Wiesbaden, Mainz und Frankfurt haben wird, und melden deshalb regionalplanerische Bedenken an“, ließen die Regionplaner wissen, die im Planungsverband oder als Geschäftsstelle der Regionalversammlung Südhessen im Regierungspräsidium Darmstadt tätig sind. Die Stadt Frankfurt hat sich auch negativ geäußert, die Planer erwarten nun noch kritische bis ablehnende Stellungnahmen aus Wiesbaden und Mainz.
Widerstand auch in Wallau
Nur die Stadt Hofheim selbst scheint das Vorhaben bisher uneingeschränkt zu befürworten. Was wenig überrascht angesichts der Bedeutung, die Ikea als Gewerbesteuerzahler für die Taunus-Kommunen hat. Das Stadtparlament hatte im vergangenen September den Ausbauplänen denn auch mehrheitlich zugestimmt, nur die Vertreter der Grünen Offenen Hofheimer Liste hatten sich enthalten. Seitdem treibt die Stadt die erforderliche „Abweichung“ vom Regionalplan Südhessen voran und bereitet gleichzeitig den Bebauungsplan soweit wie möglich vor. Bürger wurden dazu im Juni angehört. Eine neugegründete Interessengemeinschaft Wallau lehnt vor allem den zusätzlichen hohen Flächenverbrauch und die Verlagerung der Kleingärten in ein beliebtes Naherholungsgebiet der Wallauer ab.
„Vom Grundsatz her sind wir natürlich für Wettbewerb“, sagt Hans-Peter Debling, Geschäftsführer für Standortpolitik bei der Industrie- und Handelskammer Frankfurt, die auch für den Main-Taunus-Kreis zuständig ist. Doch dies sollte in einem gewissen Rahmen geschehen – und auf den habe sich die Region in ihrem Einzelhandelskonzept verständigt. Danach dürfen große Märkte nur dort entstehen, wo sie die „Funktionsfähigkeit“ der Innenstädte nicht „wesentlich“ beeinträchtigen. Von „innenstadtrelevanten Sortimenten“ sprechen deshalb die Planer im Gegensatz zu Angeboten von Möbel- und Baumärkten sowie Gartencentern, die auch ihrer Ansicht nach an den Stadtrand gehören.
Einzelhandelskonzept verabschiedet, aber...
„Wir wollen nicht, dass Ruinen entstehen“, sagt Debling – nicht auf der grünen Wiese und nicht in den Innenstädten. „Für den Homepark brauchen wir deshalb eine Detailanalyse“, meint er. Einziger Haken: Das Einzelhandelkonzept ist zwar von den regionalen Gremien verabschiedet, aber noch nicht rechtskräftig. Nach Angaben der Regionalplaner darf jedoch auch nach der gängigen Rechtsprechung ein neuer Markt nur dann gebaut werden, wenn die bestehenden Geschäfte nicht mehr als zehn Prozent ihrer Kaufkraft einbüßen. Ein Fachmarktzentrum dieser Größe habe an dieser Stelle einfach nichts zu suchen.
Wäre Ikea ein deutsches Unternehmen
Christoph Anschütz (Anschuetz)
- 14.08.2009, 14:13 Uhr