26.10.2006 · Nur ein gezielter Schuß konnte den Geiselnehmer außer Gefecht setzen, der die ganze Nacht zum Donnerstag eine Frau in seiner Gewalt hielt. Am Morgen beendeten Spezialkräfte der Polizei das Drama im Königsteiner Stadtteil Scheidhain.
Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei hat eine Geiselnahme in einem Mehrfamilienhaus in Königstein im Taunus (Hessen) nach zehneinhalb Stunden beendet. Polizisten schossen dem psychisch kranken Täter am Donnerstagmorgen kurz nach 05.00 Uhr gezielt in die Schulter und überwältigten ihn. Der betrunkene 35- Jährige hatte am Mittwochabend eine 69 Jahre alte Nachbarin mit einem Messer bedroht und in seine Gewalt gebracht.
„Die Geisel ist in einem relativ guten Zustand. Sie steht zwar unter Schock, ist aber nicht verletzt“, sagte Polizeisprecherin Petra Volk. „Es ist klar, daß sie Angst hatte um ihr Leben.“ Der Mann hatte sie die ganze Nacht mit dem Messer bedroht. Das Opfer war zunächst ebenso wenig vernehmungsfähig wie der Täter, der nach dem Schuß operiert werden mußte.
Täter war länger in der Psychatrie
Der Mann hatte seine Nachbarin am Mittwoch gegen 18.30 Uhr aufgesucht. Der Anlaß für den Besuch war zunächst unklar. Er bedrohte die Frau mit einem Messer, rief die Polizei an und stellte Geldforderungen. Im Laufe der Verhandlungen habe er Alkohol und Zigaretten verlangt, sagte Polizeisprecher Markus Hoffmann.
Alle Versuche der Beamten, den Mann im Verlauf der Nacht zur Aufgabe zu bewegen, schlugen fehl. Er weigerte sich, die Wohnung zu verlassen, und drohte ein Gewaltverbrechen an.
Als die Polizei keine andere Möglichkeit mehr sah, nutzte sie die Übergabe der geforderten Zigaretten, um den Mann mit dem gezielten Schuß außer Gefecht zu setzen. Das Motiv des 35jährigen war nach Polizeiangaben zunächst völlig unklar. Der Mann war mehrmals wegen Drogen-, Eigentums- und Gewaltdelikten aufgefallen und länger in der Psychiatrie.
Mehrere Hausbewohner zur Sicherheit ausquartiert
Die Polizei hatte das Haus in einem Umkreis von etwa 200 Metern abgesperrt. Hausbewohner mußten ihre Wohnungen verlassen und die Nacht in einem Heim des Roten Kreuzes verbringen. Zahlreiche Schaulustige harrten die ganze Nacht vor den Absperrungen in dem ruhigen Wohngebiet aus. Der Täter lebte nach Angaben einer Zeugin schon einige Jahre dem Mehrfamilienhaus.